Blodtår – Monark

Schickt sich Blodtårs „Monark“ an den Black Metal in royalen Popanz zu kleiden? Glücklicherweise nein. Denn das schwedische Ein-Mann-Projekt gebärt seine Musik auf diesem Album aus persönlichen Tragödien und Schmerz, der auf eine Reise vom emotionalen Tiefpunkt weg, hin zu einer möglichen Katharsis führt. Ausschlaggebend für diesen Eindruck sind nicht zuletzt die Melodien, die zwar forschem Black Metal entspringen, aber zu jederzeit eine gewisse Verzweiflung transportieren, die sich auch in allen Formen des Gesangs auf diesem Album finden lässt. Dabei trifft introspektive Tragik (u.a. im getragenen und sehr melodischen Finale „Den eviga isen“) auf erschütternden Schmerz, der, trotz markanter Harmonien und aufgekratzten Schreien, niemals plakativ wirkt. Dadurch reiben Stücke wie die eröffnende Bandhymne den Hörer emotional auf, fordern ihn aber auch heraus. Denn wo kitschfreie Pagan-Melodien vom Paradies zeugen („Paradis“), schwingt an anderer Stelle eine sanfte Eleganz mit, die immer auf der Grenze zum emotionalen Kollaps tanzt und passend dazu, Raserei und verschlepptes Tempo in sich vereint (z.B. im Titelstück). Das in traditionellem Gesang vorgetragene Kraja-Cover „Nu är det synd om de da“ unterstreicht den Ansatz von Erhabenheit, ohne aufgesetzt zu wirken und ebnet den Weg für „Bland kvällens skuggor ännu vandra“, das zusammen mit dem erwähnten Finalstück ein herzzerreißendes Duo zwischen akustischer Folklore, melancholischer Innenschau und stolzer Black Metal-Haltung bildet. Damit ist „Monark“ ein Album, das den Schmerz des Lebens mit Stolz vertont, ohne das ihm innewohnende Chaos-Element zu verwässern. Extrem-Musik mit Tiefgang.
Dominik Maier