Oktober 2026

Einvigi – Latent

Einvigi als Finnlands Antwort auf Alcest abzutun wäre ein Leichtes, wird der Musik auf „Latent“ aber nicht ganz gerecht. Denn auch wenn der gebotene Sound recht eindeutig im Post-Black Metal fußt, schafft es die Band eine Atmosphäre zwischen Frost, Mystik und latentem Schwermut zu erzeugen. Dabei treffen sanfte Melodien auf depressive Schreie, während das Schlagzeug von Blastbeats, über treibend rockige Rhythmen, bis hin zu akzentuierten Fills einiges zu bieten hat. Gleichzeitig setzen Einvigi die verschiedenen Tempi ihrer Stücke als Mittel zur Atmosphäre mit maximaler Wirkung um. Schon der Opener „Resistance“ wirkt forsch und frostig, die Blasts treffen punktgenau, ohne den melancholischen Gitarren den Raum zu nehmen. Diese Dualität setzt sich in „Hourglass Paradox“ fort, allerdings kommen die Zwischentöne der Gitarren stärker zum Vorschein und verleihen dem Stück jenen Anstrich von Mystik, der sich im Anschluss immer wieder in den Stücken findet. Sei es nun im mit dezenten Dissonanzen liebäugelnden Trauermarsch „Waltz of Destruction“, dessen Gitarrenarbeit stets mehrere Ebenen offenbart, auf denen eine Vielfalt an Empfindungen ausgelöst wird, die über bloßen Weltschmerz hinausgehen. Oder der luftige Groover „Valeriana“, in dem der stimmliche Charakter zwischen Melancholie, Lebensmüdigkeit und einer gewissen Gothic-Düsternis pendelt, die sich sehr gut mit dem Black Metal-Grundgerüst der Musik ergänzt. Das Titelstück stellt sich am Ende als progressiv angehauchter Black Metal-Strudel heraus, der den Hörer zunächst mit sanften Melodien umgarnt, ihn letztendlich aber in ein treibendes Gewirr aus Melancholie, eisigen Riffs und verschmähter Schönheit (der Klargesang) entführt, das stärker ans Herz geht, als es anfangs scheint, ohne die erwähnte, Mystik des Albums zu entzaubern.

Dominik Maier

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