August 2026

The Night Eternal – Cold Velvet

Das grau-schwarze Coverartwork deutet die dezente musikalische Weiterentwicklung, die The Night Eteral mit ihrem dritten Album „Cold Velvet“ vollziehen, stilvoll nuanciert an. Denn der klassische Heavy Metal-Ursprung der Essener bekommt dieses Mal eine düster-kühle Note verpasst, die den sehnsüchtigen Gesang von Frontmann Ricardo Baum in einen außerweltlichen Kontext stellt, womit sich vermehrt verträumt-romantische Gefühle der Apokalypse einstellen. Stilistische Referenzen zu einem Album wie In Solitudes „Sister“ sind nicht von der Hand zu weisen, aber The Night Eternal sind zu clever und schlicht zu gute Musiker, um auch nur einen Hauch von Stil-Diebstahl aufkommen zu lassen. Hinzu kommt, dass „Cold Velvet“ sowohl in seiner Ästhetik, als auch der Tonalität an einen nächtlichen Roadtrip erinnert, wobei die Band die große Geste nicht scheut (beinahe jeder Refrain hat Breitwandformat), aber auch mit subtilen Nuancen Momente der Intimität erzeugt, die weder Kitsch, noch Plakatspruch sind. Denn die musikalische Kulisse gemahnt zu jeder Zeit an eine stürmische Wolkenfront, die gleichsam fasziniert, wie Ehrfurcht lehrt. Damit vertont die Band, im übertragenen Sinn auch ein Stilbild für den Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, der dem Mensch-Sein und der Welt innewohnt. Dass der Spannungsbogen von „Cold Velvet“ nicht offensichtlich kohärent verläuft, aber jeder Spitze und jeder emotionale Tiefschlag seinen Platz in der Albumszenerie findet, zeugt zudem davon, dass The Night Eternal ihre Musik nie zum Selbstzweck verkommen lassen und sich stattdessen ihr klassisches Heavy Metal-Feuer ebenso bewahren, wie ihre Eigenständigkeit.

Dominik Maier

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