Konzertknüller 2026

1. Lorna Shore, Whitechapel, Shadow Of Intent, Humanity’s Last Breath Zenith München 31.01.2026

Das Konzertjahr 2026 könnte schlechter beginnen: Lorna Shore versprechen mit ihrer „I Feel The Everblack Festering Within Me“-Tour extremen Metal der Extraklasse und haben zur Unterstützung ein ansprechendes Bandpaket geschnürt. Den Anfang machen dabei Humanity’s Last Breath und die Schweden heizen der Menge mit einer gewaltigen Soundkulisse ein. Der verschleppte Extremsound erinnert hier und da an den Soundtrack zu einem Horrorfilm, wobei sich das vertrackte Songmaterial irgendwo zwischen Deathcore und Progressive Death Metal verortet. Langsam zehrende Grooves treffen auf manch dissonante Gitarrenarbeit, die immer wieder von kalten Elektronik-Sounds durchsetzt wird. Zusammen mit dem monoton tiefen Grollen des Sängers entwickelt die Musik eine apokalyptische Stimmung, die von der grell-flimmernden Lightshow visuell stark untermauert wird. Allerdings wirken die Songs sehr gleichförmig, sodass am Ende lediglich die apokalyptische Stimmung des Gigs im Gedächtnis bleibt. Die Umbaupausenmusik (seltsam unpassender Rap) führt im Anschluss zum Glück auf die falsche Fährte, denn Shadow Of Intent präsentieren ihren, von marginalen Electro-Effekten durchsetzten Deathcore mit bestechender Brillanz. Dabei ist nicht nur die Lightshow bereits ein Hingucker, auch die präzise Arbeit des Schlagwerkers sei hier mal stellvertretend für den fantastischen Job aller Musiker erwähnt. Dass der Frontmann darüber hinaus einen sympathischen Aggro-Goblin abgibt, stimmt in Erwartung auf den Headliner bereits fröhlich und die Stimmung in der Halle heizt sich merklich auf. Vor allem wenn die Band das Tempo anzieht und das große Orchester (leider aus der Konserve) von der Kette lässt, können Songs wie „Vehement Draconian Vengeance“, oder das Symphonic-Extrem-Drama „Infinity of Horrors“ (inklusive starken Backgroundgesängen der Saitenfraktion) mitreißen und ihre technische, sowie emotionale Brillanz voll entfachen. Überraschend starker Gig! Whitechapel setzen ihren Gig dann stilvoll und düster in Szene und präsentieren einen Backdrop, der das kultische Artwork ihres aktuellen Knalleralbums „Hymns in Dissonance“ abbildet. Musikalisches Kuscheln ist also endgültig vorbei, was auch der Einstieg mit dem Brutalo-Triple „Prisoner 666“, „Hymns in Dissonance“ und „A Visceral Retch“ mit Nachdruck untermauert. Ohne allzu viele Ansagen brüllkreischt sich Will Bozeman durch das Kracher-Set, das heute nur auf die ganz harte Keule setzt und neben dem aktuellen Album nur noch die Anfangsphase der Band berücksichtigt. Das Ergebnis sind (viel zu kurze) vierzig Minuten intensiver und schweißtreibender Aggro-Musik, die stets von einer düsteren Energie durchdrungen ist. Dass dabei bisweilen eine Menge Bewegung in die Meute kommt, passt gut ins Bild, wobei sich die Fans mit allzu rücksichtsloser Eskalation heute erfreulicherweise zurückhalten. Somit bleibt lediglich die knappe Spielzeit von vierzig Minuten als Manko zu bemerken, denn in dieser Form hätten es gerne noch ein bis zwei Songs mehr sein dürfen. Allerdings steht auch noch der Hauptact an und der lässt sich in Sachen Augenschmaus ebenso wenig lumpen, wie er sich musikalische Patzer erlaubt. Drumraiser, Backdrop und Seitenboxen sind komplett als Projektionsbildschirme aufgezogen, was die visuellen Effekte durchaus beeindruckend macht. Gleiches gilt nach wie vor für die Musik und so verwundert es nicht, dass bereits zum Eröffnungsdoppel „Oblivion“/„Unbreakable“ die Stimmung in der Halle kocht. Bezogen auf die erwähnten Effekte lassen sich Will Ramos und Co. ebenso wenig lumpen, wie in Sachen Musik. Zu „War Machine“ flimmern Bilder von Soldaten über die Bildschirme und zum ersten Breakdown zünden Rauchbomben am Dach der Bühne. Da es immer noch eine Indoor-Show ist, halten sich Lorna Shore mit Feuer ein wenig zurück, aber das schadet der Laune nicht. Will Ramos‘ energische Begrüßung wird entsprechend bejubelt, ehe „Sun//Eater“ und „Cursed To Die“ den ersten Rückblick gen „Pain Remains“ richten. Dabei fällt immer wieder auf, dass hier brillante Musiker am Werk sind, gleichzeitig kommt man als Zuschauer aber nicht umhin sich auszumalen, wie die Songs wohl mit Unterstützung eines leibhaftigen Orchesters wirken könnten. Allzu viel Zeit zum träumen bleibt aber nicht, denn mit „In Darkness“ drehen Lorna Shore nochmal an der Epik-Schraube, wobei sich speziell die Lichteffekte als starkes Element der Show herausstellen, denn das visuelle Gewitter treibt die kämpferisch-epochale Stimmung der Musik zusätzlich auf die Spitze. „Glenwood“ drückt im Anschluss erstaunlich schnell auf die Tränendrüse und das, obwohl die Kombination aus tragischem Text, melancholischen Gitarren und brachialen Grooves den Fans ordentlich einheizt. Dass der Refrain dabei gefühlt von der ganzen Crowd widerhallt, unterstreicht den emotionalen Ansatz den Will Ramos in diesem Song verarbeitet. „Prison Of Flesh“ unterbindet jedoch jedweden Anflug von Kuschelei und donnert als erbarmungsloses Musikgewitter durch die Halle. Die Visuals unterstreichen die beklemmende Atmosphäre perfekt wobei die Fans mehrere Pits und dergleichen anzetteln. Vor dem obligatorischen Finalhammer „Pain Remains 1-3“ verabschiedet sich Will Ramos kurz, aber dankbar von den Fans, die zu dem zwanzig minütigen Songtriple augenscheinlich das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen durchleben (hier wird geweint, gelacht, geschrien und vieles mehr). Dass die Band am Ende lediglich für eine einzige Zugabe auf die Bühne zurückkehrt, ist zwar mau, aber „To The Hellfire“ macht seinem Name auch heute alle Ehre und setzt die Halle sprichwörtlich in Brand. Damit bleiben an einem gelungenen Gig (neben der mauen Spielzeit) lediglich die Merch-Preise anzukreiden, denn vierzig Euro für ein T-Shirt, sechzig Euro für ein Sweatshirt und achtzig Euro für einen Hoodie sind einfach unzumutbar, noch dazu, wenn man weiß, dass bei Tour-Verkäufen weniger zusätzliche Margen (Vertrieb etc.) für den Verkauf von Merchandise anfallen. Wie es sich daher deuten lassen soll, dass die entsprechenden Stände doch einigermaßen anhaltend belagert werden, weiß der Geier.


2. Der W, Elm Street Kesselhaus München 14.03.2026

Stephan Weidner alias Der W geht wieder auf Solo-Reise (begleitet von seiner superb aufeinander eingespielten Band) und lädt zum Tanz ins lauschige Kesselhaus in München ein. Mit von der Partie sind die Australier von Elm Street, die den Fans des Frankfurter Unikats zunächst mit feinem Heavy Metal klassischer Prägung einheizen. Bei einer knappen Dreiviertel Stunde Spielzeit kommen die Besucher u.a. in den Genuss eines Covers von Judas Priests „Breaking the Law“, das, entgegen weitläufiger Meinungen zum Song generell erstaunlich frisch klingt. Aber auch das Eigenmaterial macht Laune und das nicht zuletzt wegen der Reibeisen-Krächzstimme des Frontmanns, der stilecht in Nietenweste über seine Gitarre shredded. Dass dennoch kaum ein Song wirklich nachhaltig im Ohr bleibt, ist weniger schlimm als gedacht, denn insgesamt gefällt der Gig durch das engagierte Stageacting der Musiker, bei dem der Bassist immer wieder als kleiner Bruder von U.D.O-Bassist Peter Baltes durchgehen könnte. Unterm Strich ernten Elm Street heute angemessenen Applaus, aber wirklich traurig ist auch niemand als die Band nach einer knappen Dreiviertelstunde die Bühne für den Meister räumt. Mit „Tränenmeer“ gräbt Der W direkt zu Beginn einen seiner stärksten Debütsongs aus, ehe „Meditation mit Kippe und Bier“ zum selbstkritischen Tanz anregt. Dass die Fans, textsicher wie eh und je, vom Fleck weg aus voller Kehle mitsingen, verleiht dem Gig eine familiäre Atmosphäre, die lediglich von den lauten ‘Stephan Weidner und seine Band‘-Chören unterbrochen wird. „An die, die wartet“ füllt die Halle mit nostalgischer Liebesstimmung, die sich zu „Mordballaden“ in aufgekratzter Energie umwandelt (auch weil Stephans Ansage gegen Scheinperfektion den Nagel auf den Kopf trifft). Und so geht es weiter im Programm, das mit jedem Song mehr und mehr zu einem Siegeszug für Der W wird. Das Stoner-Riffgewitter „Kosmogenesis“ geht dabei genauso unter die Haut wie das selbstreflektierte „Justitia“, bevor „Stille Tage im Klischee“ die Stimmung vollends überschwappen lässt. Mit gewitzten Ansagen zu aktuellen und persönlichen Themen wie Selbstwert oder dem Gefühl in einer Beziehung zwischen den Stühlen zu stehen, präsentiert sich Der W nahbar und emotional offenherzig wie eh und je, was Stücke wie den bedachten Groover „Haus aus Spiegeln“ zur livehaftigen Katharsis macht. Ähnlich tief wühlt „Schatten“, mit dem Stephan Weidner einen weiteren Blick zurück zu seinem 2008er Debütalbum wirft. Dabei offenbart sich immer wieder die anhaltende Klasse der Stücke, denn an Aktualität und musikalischer Qualität hat keiner der Songs etwas eingebüßt. „Machsmaulsauf“ regt als punkige Hymne gegen Konformität die Menge zum tanzen an. Dass der Refrain entsprechend lautstark durch die Halle schallt, ist dementsprechend logisch. Nachdem „Ein Lied für meinen Sohn“ balladeske Lebensfreude ausstrahlt und im Publikum für die eine oder andere Träne sorgt, geht’s mit „Mein bester Feind“ und dem „Geschichtenhasser“ wieder temperamentvoll weiter. Die Stimmung steigt immer mehr in Richtung Siedepunkt und auch die Musiker kommen aus dem Grinsen kaum mehr raus. „Mehr“ und die Fußballhymne „Gewinnen kann jeder“ sorgen sogar hier und da für den ein- oder andere fliegenden Bierbecher (vor Freude, versteht sich). Nach einer knappen Verabschiedung lässt „Urlaub mit Stalin“ als erste Zugabe sämtliche Fanchöre auf Knopfdruck anschwellen, ehe das metallisch groovende „Herz voll Stolz“ als persönliche Hymne von Der W, seiner Band und seinen Fans einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter ein fantastisches Konzert setzt.


3. Dark Easter Metal Meeting Backstage München 04.04.2026 & 05.04.2026

Ostern wird wieder dunkel und da es nach dem erfolgreichen Premierenbesuch letztes Jahr ein Unding wäre, nicht wieder mit dabei zu sein, wird auch 2026 dem Düstermetal-Osterfest beigewohnt.

04.04.2026

Koldbrann Backstage Werk

Den Norwegern Koldbrann obliegt es, das diesjährige DEMM zu eröffnen. Traditioneller Black Metal norwegischer Machart ist da nicht die schlechteste Wahl und mit Mannevond haben die Herren eine waschechte Rampensau in ihren Reihen. Mit „Ingen Skånsel“ steigen die Herren beklemmend und düster in ihr Set ein, wobei Frontmann Manevond vom ersten Ton an die Rampensau mimt und das komplette Konzert über kaum still steht. Der Sound knallt angenehm rotzig, aber doch differenziert aus den Boxen, sodass auch das markante Bassspiel zuweilen herrlich in der Magengegen wummert. Mit vier gespielten Songs liegt der Fokus des Sets auf dem aktuellen, bärenstarken Album der Norweger, wobei sich „I Unaturens Vold“ mit seinen Säge-Gitarren als erster markanter Gänsehautmoment des Tages entpuppt. Aber auch die Bandhymne „Koldbrann“ oder das angespannt-melodische „Moribund“ fluten das Backstage mit frostpunkiger Atmosphäre. Der Einstieg in das Festival hätte kaum besser ausfallen können!

Urgehal Backstage Werk

Urgehal schlagen in eine ähnliche Klangkerbe wie zuvor Koldbrann, peppen ihre Show aber mit einer Prise BDSM-Ästhetik auf. Der Opener „Goatcraft Torment“ gerät mit seinem proklamatischen Intro ‚This is satanic Black Metal‘ dann auch zum Marschmotto des Gigs. Hier gibt’s unnachgiebig und direkt eins auf die Glocke. Dass die Band ihr 2006er Album „Goatcraft Torment“ nahezu in Gänze aufführt, mag dem unbedarften Zuschauer eher egal sein. Wer aber etwas tiefer in der Materie steckt, erfreut sich an den, in Originalreihenfolge aufgeführten, Kleinoden satanischer Black Metal-Wildheit, wobei sich das groovende „Satanic Black Metal in Hell“ und das deibelige „Goatcraft Torment“ als kleine, diabolische Hits herausstellen, zu denen sich nicht wenige Besucher zu ausgelassenem Headbanging hinreißen lassen.

Vinterland Backstage Werk

Da Vinterland bisher lediglich auf ihr ‘96er Debütalbum „Welcome to my last chapter“ zurückgreifen können, kommen Freunde des getragenen, melodischen Black Metals heute in den Genuss, das genannte Album beinahe in Gänze dargeboten zu bekommen. Dabei überzeugen die Schweden durch eine getragene Atmosphäre, die zwischen Epik und Pathos pendelt, ohne, dass die Musik in Wochenend-Paganismus abdriftet. Stattdessen flutet die Musik bisweilen erhaben-frostig von der Bühne, was natürlich von der kühlen Lichtshow perfekt untermalt wird. Dass es zwischendurch kaum Ansagen oder sonstige Interaktion mit den Fans gibt hat zur Folge, dass sich die Anwesenden zügig in die episch-frostigen Kompositionen fallen lassen können, wodurch der Gig eine schwelgerische Note bekommt, die lediglich von manchen Fistraising-Momenten und ‘hey‘-Chören der Fans unterbrochen wird. Der Sound ist derweil gut und die Drums rattern angemessen kräftig, ohne die Melodien zu zermalmen, somit kann unterm Strich von einem sehr gelungenen Gig die Rede sein.

Firespawn Backstage Werk

Firespawn gedenken ihrem verstorbenen Hauptsänger LG Petrov nicht nur durch einen entsprechenden Backdrop, sondern auch durch dessen prominent auf der Bühne platzierte Kutte. Das wirkt charmant und verpasst dem groovenden Death Metal einen netten Charme von Ehrerbietung. Ob es da die Erinnerung und Dankeshymne in beinahe jeder Ansage wirklich braucht, ist aber Ansichtssache, denn vielleicht würde es auch reichen die Musik des Mannes für sich sprechen zu lassen. Aber sei’s drum, Stück wie „The Hunter“, oder der Opener „The Gallows End“ drücken mit reichlich Groove von der Bühne, wobei aber, trotz der kraftvollen Kompositionen konstatiert werden muss, dass Aktuell-Sänger A. Impaler leider kaum das Charisma und den Charme seines Vorgängers besitzt, was die Show leider ein klein wenig hölzern wirken lässt. Der Musik tut das freilich keinen Abbruch, wenn auch die anwesenden Fans bei so manchem Aufruf zur Bewegung kaum mitziehen. Trotzdem ist es schön, die Stücke nochmal im Live-Kontext zu erleben.

Blackbraid Backstage Werk

Blackbraid sind die Band der Stunde und erringen den Besucherrekord des Wochenendes. Das will gerechtfertigt sein und so wundert es nicht, dass die Herren um Frontmann Sgah’gahsowáh mit Feuereifer loslegen. Ihr traditionell gehaltener Black Metal strahlt die Native-American-Ästhetik vorwiegend mithilfe des Bühnenbilds und der Optik der Musiker aus, während sich die Songs als schnörkellose Brecher herausstellen, die live deutlich direkter und kantiger wirken, als auf Platte. Daran knüpft auch die Darbietung der Musiker an, denn allen voran der Frontmann bietet eine euphorische Performance voller Energie und Bewegungseifer. Dabei greifen Optik und Musik hervorragend ineinander, was zu einer energiegeladenen und mitreißenden Show führt, die vom ersten bis zum letzten Ton fesselt und den Zuschauerandrang rechtfertigt. Kleine Gimmicks wie ein Aktustikgitarren-Interlude in der Mitte des Sets, das der Sänger mit einer Darbietung auf einer traditionellen Flöte bereichert, sorgen für zusätzliche Tiefe und künstlerisch-ästhetische Extrapunkte. Einziges Manko ist, dass die Band zehn Minuten zu früh von der Bühne verschwindet und sich für die einzige Zugabe „A Song of Death on Winds of Dawn“ (das obendrein nur als Snipped dargeboten wird) etwas zu viel Zeit lässt. Dass sich das Backstage Werk dementsprechend etwas verfrüht zu leeren beginnt, liegt in der Natur der Sache.

Unleashed Backstage Werk

Zum Tagesfinale laden Unleashed zum Death Metal-Wikingerfeldzug, was sich die Besucher augenscheinlich nicht entgehen lassen wollen, denn es ist relativ voll im Backstage Werk. Frontmann Johnny Hedlund ist auch heute eine imposante Erscheinung, wobei er, dem Wikingerkontext der Band entsprechend zwischen Berserker und Sympathieträger hin- und herpendelt. Mit „To Asgaard We Fly“ schmeißen die Schweden gleich zu Beginn des Sets ein amtliches Pfund Groove in den Ring, wobei sich die Fans den gesamten Gig über nicht mit Bewegungsaction zurückhalten. Das verleitet den Sänger zu anerkennenden Ansagen und mancher Anstachelei, was in Stücken wie „Don’t Want To Be Born“ oder Klassikern wie dem pfeilschnellen „Hammer Battalion“ für den ein- oder anderen Moshpit sorgt. Die Setlist fällt derweil angenehm ausgewogen aus und bietet neben aktuellen Stücken wie dem atmosphärischen Schleifer „Hold Your Hammers High!“ auch zentnerschwere Groover der Marke „The Longships Are Coming“. Dass vor allem in der Arena unten die Hütte brennt zeugt vom Spaß den Fans und Band gemeinsam haben, sodass die beiden Finaltracks „Into Glory Ride“ und „Death Metal Victory“ (unterbrochen von der letzten Christenhetze „The Hunt for White Christ“) durchaus wörtlich verstanden werden können. Allerdings kann Johnnys Ansage, das Finalstück sei eine Live-Premiere, nur als Scherz oder aber als ein Trunkenheitsfettnapf interpretiert werden… vermutlich eher letzteres, denn die Form des Herren ist den Gig über adäquat.

Sakis Tolis Backstage Halle

Rotting Christ-Frontmann Sakis Tolis zieht offensichtlich auch als Soloartist eine Menge Leute an, denn die Backstage Halle ist ziemlich voll. Zur Belohnung für diesen Zuspruch serviert der Grieche ein dramatisch aufgeladenes Set zwischen epischen Stampfern wie „My Salvation“ und Gothic-affinem Black Metal, wobei sich das bisweilen sperrige „Tou Thanatou“ und das epochale „Holy Mountain“ (beides Rotting Christ-Stücke) hervorragend in die Setlist einfügen. Es darf aber auch mal flüssig grooven, allerdings täuscht ein Titel wie „Welcome to my Party“ dann doch etwas zu viel Feierstimmung vor. Denn der Song ist, trotz schmissigen Grooves, eher getragener Gothic-Black Metal, denn Tanzmusik, auch wenn die Fans zu den groovigen Songs durchaus in schwelgerische Mitmachlaune verfallen. Stücke wie das stampfende „Live with Passion – Die with Honour“ sorgen dementsprechend für zahlreich gereckte Fäuste und marschähnliche Tanzeinlagen.

Auðn Backstage Halle

Auðn liefern heute eine etwas verschrobene Mischung aus melancholischen Melodien, eklektischer Atmosphäre und giftigen Momenten der Raserei, in denen der Frontmann wie angestochen leidend brüllkreischt. Der Umstand, dass die Musiker das ganze Konzert über von hinten beleuchtet werden, verleiht der Optik einen gespenstischen Eindruck, der sich sehr gut mit der Musik ergänzt. Derweil fällt auf, dass manch progressiver Anflug in den Songs, im Live-Kontext noch etwas besser funktioniert als auf Platte, wenngleich die ganz großen Momente heute ausbleiben. Der Basssound glänzt zudem durch reichlich Druck, wodurch die Stücke mitunter wärmer und ein klein wenig zugänglicher wirken, als über die heimische Anlage. Einziges Manko ist aber das, bisweilen arg überzogene Kreischen des Frontmanns, dass zwar die Stimmung der Musik unterstreicht, aber ab und zu doch ein wenig in den Ohren schmerzt. Dass es sich zu dem Gig aber dennoch recht gut in Trübsal und Tragik schwelgen lässt, steht außer Frage.

Schammasch Backstage Halle

Schammasch dürfen sich über gehöriges Publikumsinteresse freuen, denn die Halle platzt aus allen Nähten und bereits das detailreich ausstaffierte Bühnenbild mit diversen Aufstellern und speziell designten Lampen macht einiges her. Bei fünfzig Minuten Spielzeit lediglich fünf Stücke unterzubringen, ist wahlweise magere Motivation oder aber der Länge und Detailversessenheit der Musiker geschuldet. Im Falle der Schweizer gilt eindeutig letztes, was die meditativ-rituelle Atmosphäre der Songs hervorragend unterstreicht. Allerdings ist dieser Umstand heute Fluch und Segen zugleich. Einerseits lässt es sich hervorragend und schnell in die Tiefe und rituelle Stimmung der Musik fallen, allerdings ist genau das auch ein Manko der Show. Denn obwohl diese ritualhaften Aspekte hervorragend wirken und sich auch mit der Ästhetik der Alben bestens ergänze, bieten Schammasch heute kaum wirklich markante Ecken oder Aha-Momente, die langfristig hängen bleiben würden. Die Show ist als Moment-Erlebnis hervorragend inszeniert und birgt ohne Zweifel emotionale Tiefe, aber am Ende bleibt von der Wellenbewegung der Musik wenig hängen, sodass eher der Gesamteindruck des Konzerts nachhallt, als wirklich markante Eckpunkte zu präsentieren.

Secrets Of The Moon Backstage Halle

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums ihres „Antithesis“-Albums stehen die eigentlich aufgelösten Secrets Of The Moon heute mit Original-Drummer Thelemnar und Bassist Daevas auf der Bühne und spielen ihr 2006er Album komplett. Allerdings betont die Band bereits im Vorfeld der Show, dass es sich bei dem Gig lediglich um ein einmaliges Event handelt und es explizit keine Reunion geben wird. Inwieweit das der Glaubwürdigkeit der Herren schadet oder nicht, sei hier mal dahingestellt, denn das Konzert kann sich sowohl sehen, als auch hören lassen. Abzüglich von Intro und Outro entfachen sG und seine Mitstreiter die boshafte Stimmung des Albums auch live und bevor am Ende „Lucifer Speaks“ mit C.S.R von Schammasch als Gastsänger veredelt wird, fluten finstere Brecher wie „Ordinance“ mit beeindruckender Wucht in die Halle, sodass sich etwaige Zweifel im Handumdrehen in Luft auflösen. Der Sound wird nach anfänglichen Scharmützeln schnell besser und so kommen die anwesenden Besucher in den Genuss einer emotional und musikalisch packenden Show einer der eigenwilligsten, heimischen Black Metal-Bands, die sich den, am Ende anhaltenden, Applaus im wahrsten Sinne erspielt und verdient hat.

Kyi Backstage Club

Den ersten Clubtag eröffnen die deutsch-österreichischen Szene-Neulinge von Kyi. Mit lediglich einer EP im Rücken („Vargant Circle“ von 2025) haben die Musiker von Anfang an leider mit etwas breiigem Sound zu kämpfen, was den abgehackt-punkigen Stücken leider etwas zum Verhängnis wird. Dass die Frontfrau zuweilen angestrengt hysterisch keift, während sich ihr männlicher Gegenpart manch kruden Klar-Ton aus den Rippen leiert, wirkt zunächst interessant und leicht verschroben. Dieser Eindruck wird von der leicht bekleideten Tänzerin, die sich immer wieder mit Kunstblut beschmieren lässt unterstrichen. Der Sound ist gut und die Musik strahlt einen eigenwilligen Charme aus, der zuweilen über die etwas holprige Performance der Band hinwegtäuscht. Ob es Gimmicks wie das Kunstblutbad der Tänzerin wirklich braucht ist aber, wie so oft, Geschmackssache. Nach fünfzig Minuten Spielzeit scheinen die Besucher auf jeden Fall mehrheitlich zufrieden aus der Halle zu strömen.


05.04.2026

Lik Backstage Werk

Den Konzerttag mit klassischem Schweden-Death Metal zu beginnen, ist eine feine Sache und so eignen sich Lik dann auch perfekt um etwaigen Feierbiestern den Restkater des Vorabends aus dem Leib zu drücken. Mit sympathischen Ansagen und reichlich Kumpel-Charme zocken sich die Herren durch Brecher wie „War Praise“ oder die Gore-Arzthymne „Dr. Duschanka“. Dabei braten die Gitarren in bester Schweden-Death Manier aus der Hallenanlage, wobei der generelle Sound des Gigs vortrefflich ausfällt. Die Band ist bestens aufgelegt, was sich in manch amüsanter Ansage widerspiegelt und die Fans zusätzlich zur Bewegung anstachelt. Auf jeden Fall kocht die Arena als kleiner Hexenkessel, sodass die fünfzig Minuten Spielzeit wie im Flug vergehen.

Enthroned Backstage Werk

Dass Enthroned direkt im Anschluss an Thron aufspielen, lässt fast an ein bewusstes Easter-Egg denken, dass der sprichwörtliche Funke heute aber nicht so recht überspringen will, ist wohl eher nicht der eigentliche Plan der Band. Musikalisch ist das durchweg auf Schnelligkeit ausgelegte Material sicher nicht schlecht und der offensiv satanisch ausgelebte Black Metal der Herren wird alles andere als lieblos dargeboten, allerdings fehlt es den Songs an Abwechslung. Das führt leider bereits nach zwei, drei Stücken zu Anflügen von Eintönigkeit. Nichtsdestotrotz feiern einige beinharte Fans im vorderen Drittel der Halle ihre Helden ohne Unterlass ab, das kann aber auch nichts daran ändern, dass sich das Werk im Verlauf des Gigs merklich leert.

Thyrfing Backstage Werk

Mit ihrem atmosphärischen Pagan Metal fallen Thyrfing ein wenig aus dem stilistischen Rahmen, des diesjährigen Dark Easter Metal Meeting, was der Qualität des Konzerts aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, Jens Ryden und seine Mannschaft machen sowohl optisch (blutverschmierte Lumpenkleidung), als auch mit ihrer Musik einiges her. Der von einer kitschfrei-bedrückenden Stimmung lebende Pagan Metal der Herren geht vom ersten Ton an unter die Haut und auch in Sachen Optik lässt sich die Band nicht lumpen und fährt sogar Videoleinwände für stimmungsvolle Einspieler auf. Einziger Nachteil der Show ist, dass es doch sehr dunkel in der Halle ist und die Bühne fleißig eingenebelt wird, sodass die Musiker in vielen Momenten nur schemenhaft zu erkennen sind. Der Musik tut das freilich keinen Abbruch und in gewisser Weise unterstreicht dieser Umstand sogar die urwüchsige Atmosphäre des Gigs. Dass allerdings die Lautstärke zunehmend zum Problem wird (ohne Ohrenstöpsel dröhnt die Musik doch arg penetrant in den Ohren), dürfte ein erheblicher grund dafür sein, dass der ein- oder andere Besucher das Backstage Werk frühzeitig verlässt. Davon abgesehen liefern Thyrfing aber ein stimmungsvolles Konzert kitschfreien Pagan Metals ab, das zurecht anhaltenden Applaus nach sich zieht.

1914 Backstage Werk

Dass die Ukrainer von 1914 schon nach einem Song offensiv Partei für ihr Land im Kontext der Russland/Ukraine-Thematik ergreifen, ist zwar fehl am Platz, aber es verwundert kaum. Dass die erste Ansage aber dazu aufruft, die Ukraine bedingungslos zu unterstützen, denn sonst wäre der Rest von Europa dem Untergang geweiht, zeugt allerdings kaum von geopolitischem Verständnis, ebenso wenig hat es etwas im Kontext eines Konzerts verloren. Dass das Gros der Besucher derlei Ansagen aber mit lautem Jubel quittiert, zeugt nun auch nicht vom umfassenden Informationsstandart der Anwesenden. Naja…davon abgesehen trifft der angeschwärzte Death Metal der Herren die textliche Thematik (es dreht sich zuvorderst alles um den Ersten Weltkrieg) aber sehr gut. Der Sound drückt nicht zu sauber von der Bühne und auch die optische Inszenierung mit Dreck, Soldatenuniformen im einfachen Stil des Ersten Weltkriegs, sowie die über die Leinwand eingespielten Visuals sorgen für eine beklemmende und dichte Stimmung, welche die in den Texten angesprochene Realapokalypse stimmig und intensiv in Musik verpackt. Aus musikalischer Sicht ein Highlight des Wochenendes.

Triptykon Backstage Werk

Als Tagesheadliner widmen sich Tom G. Warrior und seine Mitstreiter dessen Schaffen mit Celtic Frost, bzw. speziell dem Album „Monotheist“, das sie in Gedenken an Martin Eric Ain zu einem Großteil aufführen. Mit „Progeny“ gerät der Einstieg in das Konzert gar zu einer Premiere, ist es doch das erste Mal, dass Triptykon den Song live spielen.  „Ground“ und „A Dying God Coming Into Human Flesh“ fluten im Anschluss gar noch ein wenig destruktiver und erbarmungsloser ins Backstage. Dass der Sound für derlei Extrem-Musik reichlich drückt und knackig aus den Boxen tönt, ist des Headliners ebenso würdig, wie die bodenständigen Ansagen von Tom heute Abend ehrliche gute Laune verbreiten. Dass Gitarrist V. Santura sich gar zu einer Live-Premiere in Form einer eigenen Ansage (‘Servus Minga!‘) hinreißen lässt, unterstreicht den Spaßfaktor der hier auf der Bühne, trotz der finsteren Musik, vorherrscht. Einzig die zwischen den Songs immer wieder in die Länge gezogenen Intros sorgen für kleine Durchhänger in Sachen Stimmung. Allerdings drücken Stücke wie „Goetia“ oder der Celtic Frost-Klassiker „Circle of the Tyrants“ umso erbarmungsloser von der Bühne in die Halle. Dass die Fans die Show mit reichlich Applaus und manch Trance-artigem Wiegen in der finsteren Musik, quittieren unterstreicht den Klasse-Auftritt der Band.

Grave Backstage Werk

Die Rausschmeißer des Tages heißen heute Grave und die Schweden lassen sich nicht lumpen und spielen ein Old School-Set, das sich auf ihre beiden Frühwerke „Into the Grave“ (1991) und „You’ll Never See…“ (1992) beschränkt. Zusätzlichen Seltenheitswerk bietet das heute zum ersten Mal überhaupt in der knapp vierzigjährigen Bandkarriere, komplett gespielte „Black Dawn“-Demo der Vorgängerband Corpse. Dass Konzertmotto lautet dementsprechend eher ‘stumpf ist Trumpf‘, wobei sich speziell die langsam groovenden Momente der Songs als energiereich erweisen. Dass die Stücke mit ohrenbetäubender Lautstärke aus den Boxen krachen, könnte unvorbereiteten Zuschauern (keine Ohrenstöpsel) den Gig aber doch etwas vermiesen, denn, je nach Position, schmerzt das Gebretter dann doch etwas in den Ohren. Frontmann Ola, versprüht derweil einen ganz eigenen Charme und outet sich als Triptykon-Fan, dem mit dem vorherigen Gig der Schweizer ein Kindheitstraum erfüllt wurde. Derlei Kumpel-Attitüde entschädigt für den lärmenden Sound und sorgt wohl auch dafür, dass sich auch zu später Stunde noch zahlreiche Fans den Death Metal Finalschlag abholen.

Thron Backstage Halle

Mit ihrem Gig in München sorgen Thron für eine Premiere, haben es die Baden-Württemberger Black Metaller doch bisher nicht in die bayrische Hauptstadt geschafft, was den Andrang zu früher Festivalstunde (zum Teil) erklärt. Bei voller Hütte liefert die Band eine engagierte Show, die vor allem von schnellen Brechern wie „The Prophet“ lebt. Dass manch melodische Feinheit oder das ein- oder andere filigrane Gitarrensolo, das die Songs auf Platte auszeichnet, heute eher untergeht stört den Gesamteindruck des Gigs kaum. Denn erstens überzeugen die Musiker durch eine dezent wilde Aura, die ganz entfernt in Richtung Watain schielt (ohne deren Ausnahmestellung anzukratzen) und zweitens haben die Songs allesamt Biss und sind von einer melodischen Kraft erfüllt, die vom ersten Ton an mitreißt. Der Applaus am Ende wirkt dementsprechend euphorisch.

Décembre Noir Backstage Halle

Nach dem Black Metal-Speed-Inferno von Enthroned im Werk eignet sich der melancholische Death-Doom von Décembre Noir bestens um das Gemüt abzukühlen und sich in den tieftraurigen Melodien der Erfurter fallen zu lassen. Allerdings überraschen die Herren zuweilen durch einen gehörige Portion Aggression, die besonders in den herrlich voluminösen Growls des Frontmanns ans Tageslicht tritt. Wie als Unterstützung dazu drückt der Groove hier und heute kräftig in die Magengegend, sodass sich die anfängliche Trauerweidenstimmung doch mehr und mehr zu einem Mischmasch aus Melancholie und Aggression wandelt. Nichtsdestotrotz bieten die Thüringer eher Musik für schwelgerische Gemüter. Dass es den Herren damit gelingt eine Art herbstlich andächtige Stimmung in die Halle zu zaubern bekräftigt die Qualität des Gigs, nach dem der Applaus angemessen laut ausfällt.

Ruïm Backstage Halle

Dass hinter Ruïm ex-Mayhem Gitarrist Rune „Blasphemer“ Eriksen steckt, der dieses Projekt heute erst zum sechsten Mal überhaupt auf die Bühne bringt, begünstigt den Publikumszuspruch ungemein. Nach einem verschrobenen Intro im Chanson/Barmusik-Stil entfachen die Musiker eine Achterbahnfahrt progressiver Black Metal-Wahnsinnsmusik, die ohne aufgesetzte Gimmicks durchdringend diabolisch wirkt. Da hätte es die Dreizackaufsteller an den Bühnenseiten gar nicht gebraucht. Als für die beiden Mayhem Cover „I Am Thy Labyrinth“ und „Fall of Seraphs“ Enthroneds Nornegast als Gastsänger mit auf die Bühne kommt passt sehr gut ins Bild, ergänzt sich dessen dreckig-deibelige Art doch hervorragend mit den präzise scharfkantigen Kompositionen. Zusätzlich dringt die Atmosphäre der Musik, die stets komplex und dicht wirkt, dabei aber immer im richtigen Maß fasziniert und mitreißt, auch bis in den letzten Hallenwinkel vor. Was zur Folge hat, dass dieser Gig am Ende zurecht lautstark honoriert wird.

Ponte Del Diavolo Backstage Club

Die Italiener Ponte Del Diavolo haben zuletzt durch ihr bärenstarkes Album „De Venom Natura“ auf sich aufmerksam gemacht, umso schöner ist es da, dass sich doch einige Besucher die Show im kleinen Club nicht entgehen lassen wollen. Erster Blickfang dabei ist das Bassisten-Duo mit dem die Band auftritt. Für den zweiten Blickfang sorgt Sängerin Erba del Diavolo, die ihren lasziv-koketten Ausdruckstanz mit ebensolchem Spiel mit ihrem Mikrofonständer unterstreicht, ohne lächerlich oder überzogen zu wirken. Dass die Show in ihrer Gesamtheit wie eine Art Gothic-Black Metal-Romanze wirkt, bei der alle Anwesenden sichtlich Spaß haben lässt die Stimmung in dem kleinen Club immer mehr anschwellen, wobei sich Band und Fans bisweilen in einen süßen Rausch spielen. Dass zum abschließenden Bauhaus-Cover „In the Flat Field“ mehrere Anwesende das Tanzbein schwingen, zeugt von der euphorischen Energie, die der Gig erzeugt. Highlight!

Hail Spirit Noir Backstage Club

Die Psychedelic Black Metaller von Hail Spirit Noir präsentieren heute Abend gleich ein Doppel-Debüt. Zum einen ist es die erste Show der Band in Bayern und zum anderen tritt Neu-Frontmann Arne Vandenhoeck heute sein Live-Debüt an. Der mit reichlich tanzbaren Grooves versehene Avantgarde-Trip der Griechen macht live eine Menge Spaß und wirkt, trotz vieler tanzbarer Grooves und reichlich psychedelischen Keyboard-Spielereien erstaunlich entspannend. Da kann sich der Frontmann noch sehr die Seele aus dem Leib keifen, zwischen verschrobenen Drone-Einlagen und dreckig-rockigem Black Metal, lässt es sich hier ganz hervorragend in eine Art Entspannungs-Trance fallen. Feingeistige Titel wie „The Cannibal Tribe came from the Sea“ bringen Space-affine Hammond-Sounds und meditative Gitarrenmelodien zusammen, wodurch sich ein verschrobenes Mischmasch ergibt, das gut wirkt, aber leider einige Hürden meistern muss. Eine gerissene Gitarrensaite ist schließlich kaum ein geplantes Gimmick, dass dieser Umstand aber gar nicht so sehr ins Gewicht fällt wie vielleicht erwartet unterstreicht den Sound als Psychedelic-Osterei, das den musikalischen Plan in unplanbarem Charme sucht, doch ganz gut. Trotz alledem macht der Gig heute unversehens viel Spaß.


4. Kreator, Carcass, Exodus, Nails Zenith München 11.04.2026

Kreator laden zur „Krushers of the World-Tour“ und haben mit den englischen Deathgrindern Carcass, sowie Exodus und Nails ein ansehnliches Package an Supportbands geschnürt. Mit knapp fünfundsiebzig Euro Ticketpreis ist der Gig zwar nicht unbedingt günstig, aber gemessen am Billing und der gebotenen Qualität der Shows, akzeptabel. Dass das Zenith leider weit davon entfernt ist, ausverkauft zu sein (der hintere Teil der Halle wird sogar mit einem Vorhang abgehängt), gibt im Vorfeld dann leider doch ein etwas trauriges Bild ab. Die amerikanischen Grindcore/Hardcore-Rabauken von Nails legen um Zwanzig nach Sechs Uhr unvermittelt los und rotzen ihre knappen Brutalo-Attacken in herrlich derber Manier von der Bühne. Der ästhetisch-dreckige Sound tönt nicht zu sauber und die Gitarren braten dermaßen giftig aus den Hallenboxen, dass es eine Freude ist. Mit knappen, aber dankbaren Ansagen sammeln die Herren außerdem Sympathiepunkte, da ändert auch die dezente Pöbellaune der beiden Brüllaffen nichts. Dass zu den ungeahnt groovebetonten Songs bereits ein wenig Bewegung in die anwesende Meute kommt, honoriert diese mit einer energischen Show, die am Ende mit wohlwollendem Applaus quittiert wird. Dass mit Exodus bereits die zweite Band des Abends auf dem Programm steht, untermauert die Qualität des Billings, streichen Gary Holt und Co. anderswo doch zurecht den Headlinerslot ein. Als dann Queens „We Will Rock You“ als Intro erklingt, geht auch ein entsprechender Ruck durch die Halle und ein Gros der Anwesenden macht bei dem Song freudig mit. Zum Opener „3111“ brät der Sound dann dermaßen fett und knackig von der Bühne, dass es eine helle Freude ist. Bei einer Dreiviertelstunde Spielzeit und starkem neuen Album im Gepäck fällt bei der Setlist zwangsläufig etwas hinten runter. Sodass „Bonded by Blood“ heute bereits an zweiter Stelle im Set auftaucht. Rob Dukes ist gut bei Stimme, hält sich in seinen Ansagen aber erstaunlich zurück, sodass die Forderung nach dem größten Pit, den die Halle je gesehen hat (vor „Toxic Waltz“, inklusive als Intro angespielter Slayer-Huldigung „Raining Blood“) die einzige verbale Aggression des Herren bleibt. Das mörderisch groovende Bassintro zu „Goliath“ sorgt für laute ‘Exodus‘-Chöre und der Song entpuppt sich als mächtig drückendes Highlight des Sets, das am Ende lediglich von „Strike of the Beast“ getoppt wird. Hier lassen sich die Fans dann doch noch zu reichlich Action hinreißen und zetteln mehrere Moshpits an. Guter Gig! Ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn die Amis ihren Slot mit den folgenden Carcass getauscht hätten, ist aber eine Frage die berechtigt ist. Denn angesichts des Headliners können die Engländer die Energie ihres Vorgängers ebenso wenig halten, wie sie zu Mille und CO. aufschließen können. Aber geschenkt, zu groovigen Deathgrind Stücken wie „Buried Dreams“ oder dem Opener „Unfit for Human Consumption“ dreht der erste kleine Pit des Konzerts zügig seine Runden. Dass der Sound ordentlich drückt, aber nicht zu laut scheppert, ist dem Gig zuträglich, wenngleich das Fehlen sämtlicher Melodien, bzw. wirklich markanter Riffs die Show leider nicht ganz so mitreißend werden lässt, wie die anderen Konzerte des Abends. Stücke wie „Dance of Ixtab“ oder der Bandklassiker „Heartwork“ werden aber dennoch adäquat bejubelt, sodass auch Carcass heute zufrieden von der Bühne gehen. Kreator klotzen im Anschluss, was schon die Visuals diverser kämpferischer Auseinandersetzungen aus diversen Epochen der Menschheit, die zum Introsong „Eve of Destruction“ von Barry McGuire über den Bühnenvorhang flimmern. Als zu „Seven Serpents“ dann der Vorhang fällt, gibt er den Blick frei auf einen gigantischen Dämonenkopf im Zentrum des Bühnenbilds. Die von der Decke hängenden und LED-Petruskreuze machen genauso viel her, wie die Lynchpuppen, die daneben baumeln, während der Drumraiser wie eine gigantische Klaue aussieht. Aber auch musikalisch lassen die Essener heute nichts anbrennen und so geraten die Fan-Huldigung „Hail to the Hordes“ oder der Brecher „Enemy of God“ (inklusive kurz angespieltem „Coma of Souls“-Intro) zu einem rauschenden Thrash Metal-Fest, das diverse Pits nach sich zieht. Zu „Satanic Anarchy“ erfüllen die leuchtenden LED-Kreuze die Bühne mit sinistrer Stimmung, während der Song bei bestem Sound von der Bühne donnert. Generell fällt heute mal wieder auf, dass es Kreator wie kaum eine andere Band ihres Kalibers verstehen, brachialen Thrash Metal mit Ohrwurm-Hooklines zu verbinden, die jedes Mal lautstark durch die Halle schallen. Dennoch ballern Stücke wie „Hate Über Alles“ oder der Old School-Klassiker „Betrayer“ heute energisch und brachial von der Bühne. Dass da diverse Crowdsurfer nicht allzu lange auf sich warten lassen, passt gut ins Bild. Gleiches gilt für den ein- oder anderen Moshpit, der sich zu Klassikern wie „People of the Lie“ oder „Betrayer“ entwickelt. Das größte Hymnenpotenzial liegt aber in den Stücken neueren Datums, wie das von allerlei Flammen am Bühnenrand unterstützte „Krushers of the World“ oder „Satan is real“ untermauern. Zwischendurch streuen die Essener noch „Hordes of Chaos“ ein und sorgen damit für einige sehr explosive Moshpits, die das Knüppelpotenzial der Musik passend zum Ausdruck bringen. Für den ein- oder anderen Kostümgag ist sich Mille dann auch nicht zu schade und so tauscht er für „Loyal to the Grave“ die Gitarre gegen schwarze Flügel, während er die Halle im Refrain zum Gemeinschaftsgesang dirigiert. Für „Tränenpalast“ gesellt sich Gastsängerin Britta Görtz mit auf die Bühne und sorgt mit ihren brutalen Growls für zusätzlichen Druck, ehe „Endless Pain“ für alle ‘Oldschool-Metalheads‘ angekündigt wird. Dass die Halle an einigen Stellen sprichwörtlich explodiert (Moshpits und dergleichen), zeugt von der Feierlaune der Fans, die sich zum folgenden ersten Finale „666 – World Divided“ nochmal an reichlich Pyros erfreuen können. Mit „Violent Revolution“ und „Pleasure to kill“ fordern Kreator dann die letzten Kraftreserven der Fans, die sich mit Moshpits und einer letzten Wall of Death auch nicht zurückhalten. Mit knapp eineinhalb Stunden Spielzeit, bleibt zwar der Eindruck, dass hier vielleicht doch noch ein, zwei Stücke drin sein hätten können, was der Qualität des Gigs und des Abends generell aber keinen Abbruch tut. Schön war’s.


5. Bavarian Battle Open Air, Kirchdorf bei Haag 05.06.2026 & 06.06.2026

In der bayrischen Pampa findet seit nunmehr zwanzig Jahren das Bavarian Battle Open Air statt. Mehr oder weniger abgeschnitten von der Außenwelt treffen sich im beschaulichen Kirchdorf bei Haag ein paar hundert Metalheads um zwei Tage lang allerlei Hartmusik zu lauschen. Überwiegen seit jeher vor allem düstere und härtere Klänge (Headliner dieses Jahr sind z.B. Österreichs Post-Black Metal-Könner Harakiri for the Sky) finden sich aber auch klassischer Rock n‘ Roll/Hard Rock oder Gothic Metal im Line Up. Dieses Jahr kommt es zwar immer wieder zu zeitlichen Verschiebungen im Timetable, aber ein Pluspunkt ist, dass alle Bands ihre volle Spielzeit ausschöpfen dürfen, auch wenn sich damit die Gesamtspielzeit nach hinten verzögert. So muss das sein.

05.06.2026

Inanis

Die noch relativ jungen Black Metaller Inanis genießen als Festival-Opener sozusagen Heimvorteil, kommen die Herren doch aus Schwabmünchen und haben somit keine allzu lange Fahrt ins bayrische Kirchdorf. Mit Corpsepaint und allerlei Knochenverzierungen am Mikrophon bedienen die Musiker sicherlich auch das klassische Black Metal-Klischee und auch das beständige Umherfuchteln des Sängers mit einem Petruskreuz passt zu diesem Bild. Musikalisch macht die Band aber eine sehr gute Figur. Atmosphärischer Black Metal mit melancholischen Melodien steht auf dem Plan und die Musiker liefern eine engagierte Performance. Einziges Manko, neben dem Tageslicht ist der Umstand, dass der Bass konsequent viel zu laut aus der Anlage dröhnt und somit die (durchaus vorhandenen) Melodien zu einem Großteil schluckt. Dennoch: Als Festivaleinstieg macht der Gig Laune und erntet entsprechend Applaus.

Abyss

Nachdem sich der Soundcheck um ein paar Minuten verzögert stehen mit Abyss bayrische Underground-Veteranen auf der Bühne, die mit ihrem von Melodien durchsetzten Black-Death eine gute Figur machen. Allerdings scheppern Schlagzeug und Bass durchweg sehr laut, was die Gitarren bisweilen den Kopf, bzw. die Höhen kostet. Davon abgesehen liefern die Musiker aber eine saubere Performance, ohne viel Schnickschnack ab. Manch melodisches Intro aus der Konserve sorgt für eine leicht dramatische Stimmung, was die Stücke insgesamt auflockert. Denn mit zunehmender Spielzeit wirken die Songs relativ ähnlich komponiert und arrangiert, sodass sich immer mehr Eintönigkeit einstellt. Als Glücksgriff stellt sich dabei das Crust-affine Brüllen des Gitarristen heraus, denn damit erzeugt der Mann eine zusätzliche Spannungsebene, die speziell manch doomig-verschleppter Nummer gut zu Gesicht steht.

Warfield

Warfield dagegen lassen zunächst ewig auf sich warten und nehmen sich dann für den Soundcheck nochmal gefühlte zwanzig Minuten Zeit. So lässt sich auch Zeit schinden. Als es dann endlich losgeht, macht die aggressiv-hysterische Darbietung des Trios zunächst wirklich Laune und die Fans lassen sich zügig zu dem ein oder anderen Circle-Pit hinreißen. Allerdings schleicht sich mit der Zeit doch auch eine gewisse Gleichförmigkeit in die Show und die Songs ein, sodass vor allem der hysterische Gesang etwas zu nerven beginnt. Dass sowohl manche Gestik des Frontmanns, als auch die Kompositionen arg in der Klischeekiste wühlen, ist ein Umstand den es zu verschmerzen gilt, denn eine gewisse Energie ist den Musikern nicht abzusprechen. Dass am Ende auch noch eine Wall Of Death eingefordert wird, passt dementsprechend gut ins Gesamtbild.

Antipeewee

Nachdem ihre Vorgänger zwanzig Minuten überzieht, starten Antipeewee mit fünfzehn Minuten Verspätung in ihr Set. Dass die Band mit schwarzen Kutten (bzw. im Falle des Sängers einer roten Kutte) bekleidet zu orchestralem Konservensound die Bühne betritt, erschließt sich im Gesamtkontext der Show nicht, denn es steht zackiger Thrash Metal auf dem Programm, der letzten Endes in ebensolcher Szenekleidung (T-Shirt und Jeans) dargeboten wird. Auch hier machen sich zwar einige Soundprobleme breit (der Bass ist konsequent zu laut und die Gitarren gehen dabei allzu oft unter), allerdings schadet das der Feierlaune der Fans nicht, denn in den vorderen Reihen fliegen eine Menge Haare durch die Luft. Für die Metallica-Hommage am Ende der Show gibt’s derweil zusätzliche Sympathiepunkte und auch der Großteil der übrigen Fans nimmt den Gig mit dankbarer Bewegungsfreude an.

Groza

Zwanzig Minuten zu spät starten Groza im Licht der untergehenden Sonne in ihr Set. Damit haben die Musiker einen top-Slot im Spielplan des Festivals erwischt, denn die Stimmung des Abends passt hervorragend zu den melancholisch-aggressiven Stücken der Bayern. Bei bestem Sound erzeugt das Gesamtbild aus Bühnendeko, Kapuzen-Schau der Musiker und natürlich der melancholisch-aggressiven Musik eine fatalistische Stimmung, die heute kaum treffsicherer sein könnte. Nach dem Intro „Soul : Inert“ legt die Band mit „Asbest“ energisch los und die Musik erzeugt von Anfang an eine eklektische Stimmung, in die es sich hervorragend fallen lässt. Mit vier von sechs gespielten Songs, liegt der Fokus auf dem aktuellen Album „Nadir“, wobei das gesamte Material sehr stimmig wirkt und alle Songs hervorragend miteinander harmonieren. Ansagen wie ‘Prost, Bavarian Battle, mia san dahoam‘ (Groza kommen aus Mühldorf) zeugen zudem von der Wohlfühlatmosphäre des Festivals für Fans und Bands. Die Spielfreude ist der Band anzumerken und als zum letzten Song „Daffodils“ (der Song wird dem verstorbenen Ex-Bassisten der Band gewidmet) auch noch J.J. von Harakiri for the Sky für einen Gastauftritt auf die Bühne kommt, ist die fatalistische Feierstimmung (fast) vollkommen.

Heretoir

Heretoir profitieren schließlich davon, dass es mittlerweile dunkel ist, wodurch die Lightshow sehr gut zur Geltung kommt und den melodisch-melancholischen Post-Black Metal der Augsburger perfekt in Szene setzt. Ohne große optische Gimmicks erzeugt die Musik eine Tiefe, die immer wieder von Verzweiflung durchdrungen ist. Dabei ist der Frontmann hervorragend bei Stimme und schreit ebenso voller Schmerz, wie er seine melancholische Klarstimme präsentiert. Die stilvollen Melodien kommen jederzeit perfekt zur Geltung und überhaupt ist der Sound sehr differenziert, sodass Stücke wie das verschleppte „Wastelands“ markanter als erwartet unter die Haut gehen. Der Aktivposten der Show ist heute Abend Frontmann Eklatanz, der, neben seiner einwandfreien Darbietung an Gitarre und Stimme, seine langen Dreadlocks wie Peitschen durch die Luft headbangt und sich generell in seiner Präsenz auf der Bühne vollends zu verausgaben scheint. Dass diese Darbietung in Kombination mit der eindringlichen Musik für mehr als einen emotionalen Moment sorgt, macht die Band zu einem passenden Co-Headliner des Abends.

Harakiri for the Sky

Harakiri for the Sky spielen als Festival-Headliner und anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ihres Albums „III: Trauma“ eine spezielle „Reliving The Trauma – Exclusive 10 Year Anniversary“-Show. Der Backdrop ist also entsprechend des Albumcovers weiß gestaltet und davor prangt ein „HFTS“-Logoaufsteller, der in unterschiedlichen Farben einen Großteil der Bühnenbeleuchtung ausmacht. Dass es hier, letztendlich eine halbe Stunde zu spät losgeht, ist zu verschmerzen, dürfen doch auch JJ und MS ihre volle Spielzeit auskosten. Dass die Setlist zudem die Tracklist des dritten Albums nahezu originalgetreu wiedergibt (lediglich „Bury Me“ und „Dry The River“ werden in ihrer Abfolge vertauscht) ist zudem ein nettes Gimmick, das den Jubiläumsgedanke der Show untermauert. Der Sound ist sehr gut, allerdings tut sich im Live-Kontext auch ein kleines Manko des Liedguts der Österreicher auf. Denn so sehr die Songs im Original unter die Haut gehen, so dünn verläuft im Live-Kontext die Trennlinie zwischen schmerzlichem Drama und verträumtem Schlafpotenzial. Noch dazu weil sich JJ Ansagen beinahe komplett spart und lediglich durch die Musik spricht, vermag selbige arg melancholisch bis einschläfernd zu wirken. Dass sich außerdem kaum ein spezielles Stück wirklich aus der Setlist heraushören lässt, zeugt einerseits vom konsistenten Songwriting, das HFTS an den Tag legen, andererseits lullt die herzzerreißende Stimmung den Zuschauer dennoch beinahe zu sehr ein. Unterm Strich bleibt das musikalische Trauma zum Glück aus, denn der Gig reißt mit und geht doch mehr und mehr ans Herz, wodurch sich Harakiri for the Sky als würdiger Festival-Headliner behaupten.

06.06.2026

Ascendancy

Bei frühlingshaftem Sonnenschein dürfen die Münchner von Ascendancy als erste Band des Tages ran um die Besucher des BBOA für den zweiten Festivaltag auf Betriebstemperatur zu bringen. Der hörbar von Iron Maiden beeinflusste Sound der Münchner eignet sich dafür sehr gut und die Spielfreude der Herren ist ansteckend. Wie der Frontmann verkündet spielt die Band heute ihren ersten Open Air Gig überhaupt und schlägt sich dafür mehr als wacker. Optisch wühlen die Musiker ebenso stark in der Kleiderkiste der Achtziger, wie sie ihre Musik mit mehr als einem NWOBHM-Zitat jener Ära anreichern. Das macht Laune und verleitet die anwesenden Fans zu ersten euphorischen Jubelaktionen.

Raygun Rebells

Die Raygun Rebells sind sozusagen die Lokalmatadoren des Tages und mit ihrem klassischen Rock n‘ Roll/Hard Rock-Sound liefern die Herren reichlich Party-Potenzial, das die Besucher nach und nach aus der Reserve lockt. Dass die Musiker und speziell der Frontmann den Habitus des (mehr oder weniger) verlebten Rockstars mit Leib und Seele verkörpert, passt dementsprechend gut ins Gesamtbild. Gleiches gilt für die Bewegungsfreude die der Mann an den Tag legt, springt er doch agil und spritzig über die Bühne, oder geht bereits zum ersten Song in den Graben vor der Bühne auf Tuchfühlung mit den Fans. Mit der ein- oder anderen humorvollen Ansage sorgen die Musiker auch für manchen Lacher. Ebenso amüsant ist die kleine Showeinlage, bei der der Sänger die Bühnenträger hochklettert (was angesichts der wenig überdimensionierten Stage kein allzu großes Spektakel ist, aber dennoch witzig anzusehen ist).

Slaughterday

Die Zeitverschiebung des Vortags hält auch heute an und so starten Slaughterday nach ihrem Soundcheck mit fünfzehn Minuten Verzögerung in ihr Set. Dieser Umstand fällt aber kaum ins Gewicht denn mit dem ersten Song zaubern die Herren den Fans ein kollektives Grinsen ins Gesicht. Death Metal der alten Schule geht schließlich immer und wenn dann auch noch der Sound stimmt und die Gitarren ebenso schnittig braten, wie die Drums druckvoll knattern, dann steht einem kollektiven Freudenfest kaum etwas im Weg. Dass die Musiker derweil gut gelaunt ihre Songs von der Bühne pfeffern, sorgt für extra Sympathiepunkte. Musikalisch changiert das Material zwischen doomig angehauchter Schwere („Expulsed from Decay“), die ebenso Raum für melodische Leads lässt, wie sie in manch anderem ‘tödlichen Rock n‘ Roll‘-Stück (O-Ton des Sängers), vorkommt und klassischem Todesblei-Gerödel wie dem Repulsion-Tribute-Song „Terrified“. In diesem griffig-stumpfen ‘alte Schule-Death Metal-Stil‘ geht’s munter weiter und die Zeit vergeht wie im Flug, sodass sich die vierzig Minuten Spielzeit eher wie die Hälfte anfühlen. So muss das sein.

Dödsrit

Mit zwanzig Minuten Verspätung steigen Dödsrit schließlich furios in ihr Set ein und liefern eine feurige Mischung aus Crust Punk, Black Metal und jener Dreifachgitarren-Melodiewand, die Iron Maiden einst kultiviert haben. Ohne optische Schnörkel brüllen die beiden Gitarristen voller Inbrunst ihren Sound zwischen Aggression und Verzweiflung von der Bühne und beweisen damit einmal mehr, dass Black Metal doch ans Herz gehen kann. Die Show verwandelt sich mit jedem gespielten Song mehr und mehr in eine emotionale Achterbahnfahrt, die von der Liebe zu klassischem Heavy Metal bis hin zur völligen Verausgabung der Musiker ein interessantes Spektrum abdeckt und damit einem lodernden Musikfeuer gleichkommt, dass heute in jeder Note von der Bühne fackelt. Aktivposten der Show sind ohne Zweifel die beiden Schreihälse, die ihre Musik mit jeder Faser ihres Körpers leben, anstatt Kitsch oder eitel Tand zu reproduzieren. Damit spielt sich die Band mehr und mehr in einen Rausch, der auch bei Sonnenschein bestes Heavy Metal/Crust Punk-Feuer bietet. Ganz stark!

The Vision Bleak

Es leert sich merklich, denn mit The Vision Bleak steht ein krasses Kontrastprogramm auf dem Zettel. Weg von metallischer Raserei, hin zu bedachtem Gothic Drama zwischen Gruft und Kitsch. Weiß geschminkte Gesichter, Totenschädel-Zierde und eine Live-Geigerin lassen derweil Potenzial für düstere Stimmung erkennen und auch der Metal-Anteil kommt heute nicht zu kurz, denn die Gitarren dominieren das Geschehen auf der Bühne doch merklich. Allerdings kann die Band die zuvor hochkochende Energie kaum halten und das Feld vor der Bühne dünnt sich doch merklich aus. Das langsam schwindende Tageslicht spielt den Musikern derweil in die Karten, unterstreicht es doch den nebulösen Friedhof-Charme der Musik. Dass die Band ihre anfangs verlorene Spielzeit komplett reinspielen darf, ist also ebenso gerechtfertigt, wie der Applaus am Ende doch passabel ausfällt.

Crypta

Mittlerweile hinkt der zeitliche Ablauf des Spielplans um eine Dreiviertelstunde hinterher. Dass sich die Brasilianerinnen von Crypta dann auch noch eine gefühlte Ewigkeit Zeit lassen für ihren Soundcheck, hebt die Laune auch nicht wirklich. Umso schöner ist der Umstand, dass die Damen kaum große Reden schwingen und stattdessen ihre Musik sprechen lassen. Und die kann sich hören lassen. Für ein bisschen Death Metal mit Thrash-Schlagseite ist schließlich immer Zeit. Dabei knüppeln die Damen herrlich derbe drauflos, lassen aber auch mal Raum für manch technikaffines Instrumentalspielchen. Dementsprechend halten sich Technik und Stumpfheit die Waage in den knüppelnden Kompositionen. Einziger Nachteil dabei ist, dass die Snare derart penetrant blechern aus den Boxen knallt, dass es den Gesamtsound an mancher Stelle doch etwas trübt, besonders, wenn das eine oder andere (eigentlich ganz passable) Gitarrensolo vom Schlagzeug begraben wird. Das giftige Keifen von Frontfrau Fernanda Lira sorgt allerdings für eine aufgekratzte Stimmung, die sich auch in der Mimik der Sängerin gut widerspiegelt, während ihre Mitmusikerinnen überwiegend stoisch und mit handwerklicher Präzision ihren Job erledigen, ist die Frontfrau somit der Mittelpunkt des Geschehens. Dank des schwindenden Tageslichts kommen auch die Lichtshow und so manche Pyroeinlage bestens zur Geltung, was den Gig unterm Strich doch recht gelungen macht.

1914

Mit fünfzig Minuten Verzögerung stehen im Anschluss die Ukrainer von 1914 auf dem Plan. Dass der Gig dabei, trotz (oder gerade wegen) dem thematischen Schwerpunkt der Band (WK1) von Anfang an zu einer Propagandaveranstaltung für die Ukraine und gegen Russland wird, trübt den Eindruck einer Musikveranstaltung dann allerdings erheblich. Aktionen wie das Abändern der ersten Songzeile des Konzerts von „…these Bastards will die…“ zu „…and Putin will die…“ zeugen von offensivem Hass und propagandistischem Schwarz/Weiß-Denken, das im Kontext einer Musikveranstaltung (auch als vermeintlich betroffene Partei) nichts zu suchen hat. Denn Musik soll doch angeblich immer verbinden, anstatt zu spalten. Gleiches gilt für die offensiven Aufrufe seitens der Band die Ukraine mit allen Mitteln zu unterstützen, weil sonst bald ganz Europa von ‘diesen (russischen) Bastarden‘ besetzt würde. (Anm.: Angesichts dieser offenbar so dramatischen Kriegslage in ihrer Heimat ist es doch verwunderlich, dass die Musiker überhaupt ausreisen dürfen, sollten sie als echte Patrioten nicht selbst ihr Land verteidigen…?) Musikalisch hat der dramatisch aufgeladenen Black/Death-Metal durchaus seinen Reiz, allerdings wirkt der Sound (vielleicht auch im Zusammenspiel mit der eintönigen Lightshow) heute zunehmend monoton, sodass der Eindruck entsteht, die musikalische Stimmung wird mit jedem Song schleppender und träger. Dass das ein Gros der Besucher allerdings anders sieht, beweist der anhaltende Applaus zwischen den Songs und am Ende der Show. (Inwieweit das vom Verständnis von Völkerverständigung, Toleranz oder gar Geopolitik zeugt, steht auf einem anderen Blatt.)

Tsjuder

Als letzte Band des Tages setzen die Norweger Tsjuder derweil auf rabiates Black Metal-Geballer und starten ohne Umschweife mit dem plakativ betitelten Sperrfeuer „Sodomizing the Lamb (The King’s Conquering)“ in ihr Set. Die Geschwindigkeit bleibt dabei konstant hoch und die Atmosphäre wirkt durchweg gehässig. Titel wie „Kill for Satan“ präsentieren aber auch eine gehörige Portion Rock n‘ Roll-Groove und sprechen in Sachen Lyrik eine deutlich plakative Sprache. Aber Black Metal und Satan gehören nun mal zusammen wie Festivals und Bier, sodass auch eine, beinahe zum wandelnden Klischee gewordene Band wie Tsjuder für Laune sorgt. Manch gezügelter Groove-Moment zündet dann sogar unvermittelt schnell, wobei sich „Antiliv“ als stärkster Moment des Sets herausstellt. Denn hier wird’s regelrecht rock n‘ rollig, sodass die stets vorhandene Portion Dreck im Sound der Norweger deutlicher zutage tritt und damit auch das finstere Partypotenzial der Musik stärker in den Vordergrund rückt. Das übrige Material wirkt allerdings in vielen Momenten allzu homogen (mancher könnte auch gleichförmig dazu sagen), sodass die Spannungskurve doch etwas abflacht. Das Bathory-Cover „Women Of Dark Desires“ wird derweil noch räudiger als das Original von der Bühne gemetzelt, ehe „Chaos“ seinem Namen entsprechend brachial den Festival-Sack zumacht.


6. Gaerea Technikum München 13.06.2026

Die Black Metal-Grenzsprenger Gaerea sind mit ihrem aktuellen Werk „Loss“ auf Tour und machen dabei im Münchner Technikum Halt. Auf die halbgar angekündigte Vorband Hrast verzichten die Portugiesen heute, was im Vorfeld kaum kommuniziert wird und so für dezenten Missmut vor Konzertbeginn sorgt. Dass der Hauptact auch noch dreißig Minuten zu spät die Bühne entert, hebt die Laune erstmal auch nicht zwingend. Dafür gefällt die Optik der Bühne (das zweigeteilte Band-Siegel prangt als leuchtender Aufsteller zu beiden Seiten), ebenso wie die Masken-Show der Musiker immer noch ihren Reiz hat. Dabei fällt bereits nach dem reduzierten „Nomad“-Intro, bzw. zum eröffnenden „Phoenix“ auf, dass Gaerea in gewisser Weise Konsens-Potenzial haben. Denn von jung bis alt ist an diesem Abend alles vertreten und auch das Gebaren der Crowd pendelt zwischen Moshpit und andächtigem Lauschen. Da der Sound anfangs etwas leise ist und der Bass sehr dominant aus der Anlage donnert, gehen die vielen Melodien von Stücken wie besagtem „Nomad“ oder „„Phoenix“ leider etwas unter, was aber der Stimmung insgesamt keinen Abbruch tut. Denn gerade erstgenanntes Stück wird zu einem emotionalen Höhepunkt der Show, liefert der Frontmann doch eine ekstatische Darbietung zwischen Ausdruckstanz und verzweifelter Hingabe, die unter die Haut geht. Dass der Sound den ganzen Abend über nicht perfekt wird, trübt die Qualität der Show zum Glück nur marginal. Denn Titel wie „Luminary“ schallen lautstark aus dem Publikum wider, während sich die Band in einen Rausch aus Licht und Musik spielt, dessen eskapistische Wirkung vollends auf die Menge überschwappt. Dem Finale „Stardust“ geht eine emotionale Ansage über Verlust und Schmerz voraus und auch wenn die Pianoklänge aus der Konserve kommen, vermittelt das Stück die ekstatische Melancholie, die Gaereas Musik aktuell ausmacht sehr nahbar. Damit bleibt am Ende ein starker Gig, der allerdings aufgrund der geringen Spielzeit von lediglich fünfundsiebzig Minuten und der kompletten Abstinenz einer im Vorfeld schwammig angekündigten Vorband doch irgendwie ein klein wenig frech erscheint.


7. Immortal Disfigurement, Gutrectomy, Kanine Backstage Halle 21.06.2026

Trotz suboptimaler Einlasskommunikation seitens des Veranstalters (auf dem Ticket steht 18 Uhr Einlass, im Internet 19 Uhr, letzteres bestätigt sich trotz verfrühter Anreise…) können sich Immortal Disfigurement in München über einigen Zuspruch freuen, denn zu früher Stunde ist bereits einiges los und die Halle ist kurz nach Einlassbeginn zu mehr als einem Drittel gefüllt. Im Vorfeld der Show entstehen interessanterweise einige Diskussionen unter den Fans bzgl. Selbstzensur und Grenzen des guten Geschmacks bzw. persönlicher Gefühle. Da es sich beim Headliner um die aktuelle Band von ex-Lorna Shore Frontmann CJ McCreery handelt (der, zugegeben mit wenig Feingefühl von seiner ex-Band entlassen wurde), werden Meinungen laut, dass es ‚mutig‘ wäre mit einem entsprechenden Bandleibchen aufzutauchen, da es von Seiten des Sängers ja als Provokation aufgefasst werden könnte. Dass derlei Kommentare häufiger auftreten, an diesem Abend, zeugt von einer wenig reflektierten Haltung der Fans, die augenscheinlich lieber in vorauseilendem Gehorsam ihre Shirts im Schrank lassen, um die Gefühle des Sängers nicht zu verletzten (man bedenke, dass die Band und damit auch CJ mit einer Tour Geld verdienen und es, nicht nur deshalb, egal sein sollte, ob sich ein Musiker durch einen Fan beleidigt oder provoziert fühlt). Denn Letzterer hat dafür bezahlt die Show zu sehen, ohne vorherigen Kleidungsauflagen oder dergleichen zugestimmt zu haben. Ergo: Sind solche nicht vorhanden. Von diesem ersten Dämpfer, resultierend aus menschlichem Duckmäusertum abgesehen, ist der Konzerteinstieg in Form der Franzosen Kanine auch eher suboptimal. Die Band bezeichnet ihren Stil selbst als Bassdropcore und macht dieser Bezeichnung alle Ehre. Deathcore-Brutalität trifft auf elektronische Bass-Breakdowns, die in der Magengrube donnern, wobei die Pöbel-Attitüde des Sängers gut ins Bild passt. Dass nach zwei Songs aber im Grunde alles gesagt ist und die Band kaum wirklichen Wiedererkennungswert präsentiert, trägt nicht unbedingt zum Spaß an der Show bei. Zusätzlich werden die Bassdrops immer lauter und verschlucken sogar die Gitarrenriffs beizeiten, sodass das Konzert mit der Zeit immer anstrengender wird. Mehr als die halbe Stunde Spielzeit wäre definitiv zu viel des Guten gewesen, wenn auch ein Gros der Fans den Gig abfeiert und schon reichlich Bewegung in der Halle aufkommt. Gutrectomy aus Freiburg nehmen den Brutalitäts-Faden im Anschluss auf und liefern eine gleichförmig stumpfe Gurgelgrunz-Breakdown-Scharade ab. Da fällt das Live-Feature mit dem Kanine-Sänger null ins Gewicht, ebenso wenig lassen sich signifikante Songs in der Setlist erkennen. Stimmung oder Atmosphäre ist sowieso Mangelware. Einzig die Energie des Breakdown/Slam/Gurgel-Death Metal-Cocktails sorgt für Bewegung in der Crowd. Denn der Moshpit ist sehr aktiv und Fans und Band lassen gemeinschaftliche die Sau raus. Wer’s braucht… Immortal Disfigurement starten um Punkt 22 Uhr mit laut dröhnendem Intro-Gewaber. Dass der Sound der eigentlichen Songs zunächst etwas leise ist, irritiert dann ein wenig. Allerdings dreht die Lautstärke dann doch noch auf, sodass die Musikapokalypse adäquat donnert. Frontmann CJ ist super bei Stimme und grunzgurgelt sich wie vom Deibel besessen durch das Set, während der Bassist ebenso passable Hintergrundschreie abliefert. Stücke wie „Force-Fed“ oder „Hellhole“ machen ihren Titeln alle Ehre und werden maximal brutal auf die Bretter gebracht. Allerdings wirkt CJ durchweg unsympathisch und lässt den Besuchern eher einen grimmigen Blick zu viel, als zu wenig zukommen. Dass die Ansagen eher spärlich ausfallen und kaum authentische Momente des Danks auszumachen sind, macht das nicht besser. Als zusätzliche Frechheit stellt sich die geringe Spielzeit von gerade mal passablen fünfundvierzig Minuten heraus. Denn so gut die Musik gefällt, eine Headliner-Show unter einer Stunde hätte mit Verzicht auf manchen unnötigen Support ganz locker auf ein adäquates Maß ausgedehnt werden können. So bleibt leider ein schaler Beigeschmack des Abends, zu dem Band und Fans gleichermaßen beitragen.


8. Wacken Open Air 2026

Das W:O:A 2026 entwickelt sich bei durchwachsenem Wetter (Regen, Sonne, Nässe, Kälte, Hitze…alles ist dabei) zu einer musikalischen Sause, die kaum ein Metallerauge trocken lässt. Dass derweil einige organisatorische Fettnäpfchen für Unmut unter den Fans sorgen (Moshpitverbot im LGH, Bierpreise, die trotz versprochener Senkung völlig überzogen sind; 6,90 Euro für einen halben Liter Bier und mit Anheuser Bush Bud obendrein ein Festivalbier, das vom Qualitätsanspruch der Veranstalter, gelinde gesagt, meilenweit entfernt ist), lässt einige Kritik an der Organisation und den Veranstaltern laut werden. Gleiches gilt für die Essenspreise an den Ständen auf dem Gelände, an denen z.B. eine Schale Pommes mit über zehn Euro zu Buche schlägt. Musikalisch dagegen ist auch in diesem Jahr für jedes Metallerherz etwas dabei, selbst wenn sich diverse technische Probleme (u.a. regelmäßiger Ausfall der Boxen im Bullhead City Circus) durch die Festivalwoche ziehen.

Sonntag 26.07.

LGH

Mob Rules

Die Vorfreude auf Mob Rules wird, trotz verspäteter Ankunft im Landgasthof zunächst von dem allgemeinen Moshpitverbot getrübt. Denn die extra dafür abgestellte Security ist penibel darauf bedacht etwaige Stimmung zu zerstören und schreitet bei jedem aufkeimenden Versuch von Bewegung im Publikum rigoros ein. Der Genuss der Show gerät dadurch zwar angenehm und störungsfrei, aber die Tatsache, dass ein Konzert unter Sittenaufsicht gestellt wird, steht doch im kompletten Gegensatz zu dem Freiheitsgedanken, den eine Live-Show eigentlich transportieren sollte. Dass der Unmut (vor allem im Netz) entsprechend laut ausfällt, verwundert nicht. Gleiches gilt für die Show von Mob Rules, die mit ihrem melodischen Heavy Metal einen passablen Tages-Dosenöffner für die wenig zahlreich anwesenden Besucher abgeben.

Skyline

Da die im Vorfeld angekündigten Jäst, ohne Ansage ausfallen, verlängert sich die Wartezeit auf Skyline ein wenig, was der Stimmung im, inzwischen ziemlich vollen LGH aber nicht schadet. Mit einem gut gemachten Set, das überwiegend aus Covern von Klassikern, wie z.B. Judas Priests „You’ve Got Another Thing Comin‘ (bei dem Thomas Jensen den Bass zupft), aber auch der eigens für das Festival komponierten Hymne „This is W:O:A“ besteht, heizen die Herren den Besuchern ein. Allerdings gewinnt Frontmann Dan Hougesen heute keinen Blumentopf, denn das überzogene Gehabe mit dem der Mann die Songs intoniert, nervt nach wenigen Minuten mehr als gewünscht, lässt es die Musiker doch wenig authentisch wirken.

Montag 27.07.

LGH

2Silent

Komplett in weiß gekleidet steigen die Schweizer 2Silent auf die Bühne im Landgasthof und liefern eine engagierte Show ab, bei der sie ihren Modern Metal zwischen Linkin Park und Metalcore mit reichlich Bewegung und Schweiß auf die Bretter bringen. Dass den Songs derweil manche Ecke oder Kante fehlt, bzw. ein markanter Wiedererkennungswert noch nicht auszumachen ist, schadet der Stimmung in der Crowd und auf der Bühne nicht. Denn die Bewegungsfreude der Besucher, aber auch die der Band nimmt (im Rahmen der gebotenen Möglichkeiten) stetig zu.

Cevret

Mit druckvollem Metalcore legen Cevret im Anschluss einen spaßigen Gig auf die Bretter. Dass die Band, einer Ansage nach zu urteilen, heute mit einem Aushilfssänger am Start ist, tut kaum etwas zur Sache, denn abgesehen, von einer Hand voll Fans, dürfte die Band für einen nicht unerheblichen Teil der Anwesenden Neuland sein. Der Sound zwischen Marylin Manson und generischem Metalcore macht immer mehr Spaß und so verwundert die ansteigende Stimmung im LGH nicht.

Save Your Last Breath

Die Schweizer Save Your Last Breath wissen von Anfang an durch eine engagierte Show zu überzeugen und nehmen die kleine LGH-Bühne vollständig in Besitz. Vielleicht ist es auch diesem Engagement geschuldet, dass der drückende Metalcore der Herren mit jedem Song griffiger wird. Zwischen Midtempo-Brutalität, manchem Deathcore-Breakdown und einer dicken Portion Groove zimmern die Herren eine gute Show mit guten Songs auf die Bretter, bei der der Frontmann auch durch seine sympathische Art überzeugen kann.

XOXO

XOXO liefern zum Tagesabschluss geisteskranke Inhalte zu sperrigen Electro-Core Stücken. Die aggressive Hardcore-Attitüde der Band sorgt im LGH für überwiegend positive Stimmung, wobei angesichts dessen, dass sich alle Mitglieder der Band explizit als queer identifizieren, der Eindruck entsteht, die Band sei ein reines Therapieprojekt mit dem Sinn die mentale Krise der Mitglieder in den künstlerischen Äther zu kotzen. Dazu passen nicht nur manche Ansagen (während denen die Musiker auffallend schüchtern wirken), sondern auch die Tatsache, dass am Ende gar Deathcore auf Hardcore Punk trifft und die Musiker sich entsprechend verausgaben.

Dienstag 28.07.

LGH

Tribute2Wacken

Ohne im Vorfeld etwas von der international aufgestellten Gruppe Tribute2Wacken gehört zu haben, erschließt sich das Themengebiet der Band von selbst. Diverse Sänger und Sängerinnen bieten ein Cover-Set, das allerlei Festivalhymnen der letzten Jahre beinhaltet. Dass dabei weder stimmlich, noch in Sachen Show ein besonderes Merkmal auffällt, erweckt den Eindruck, dass der Gig bewusst als Tageseröffnung gewählt wurde um die Anwesenden, mehr oder weniger schnell auf Betriebstemperatur zu bringen. Angesichts manch anstrengend gepresstem Hochton, den die eine oder andere Stimme vom Stapel lässt, gelingt das mal mehr, mal weniger gut.

Mawiza

In traditionellen Kostümen und Masken und mit ebensolchen Handtrommeln bewaffnet steigen Chiles Mawiza in ihr Set ein. Dass der Sound etwas blechern scheppert, ist zu verkraften, wenn auch die Songs auf Dauer etwas eintönig wirken. Unverkennbar von Sepultura beeinflusst, mischen die Musiker thrashige Riffs mit manchem, traditionellen Instrument. Allerdings kann dieser Umstand auch wenig darüber hinweghelfen, dass der Sound heute sehr blechern und trocken klingt. Nichtsdestotrotz legen sich die Musiker ins Zeug und haben mit Metallicas „Battery“ ein interessantes Cover am Start. Dass diverse traditionelle Elemente, wie Flöten u.ä. derweil aus der Konserve kommen, sorgt aber doch für Abstriche im Gesamterlebnis.

Die From Sorrow

Die Chinesen Die From Sorrow sind inzwischen Wacken-erprobt. Die ehemaligen Metal Battle-Gewinner liefern heute melodischen Death Metal klassischer Prägung, wobei manch traditionelles Instrument aus der Konserve kommt. Als angehende Festival-Veteranen hat die Band den LGH zügig im Griff und macht ordentlich Stimmung. Mit dezenten achtziger Jahre-Hardrock-Einflüssen oder manchem Streicher-Einsatz vom Band, füllen die Musiker ihren Sound außerdem ansprechend auf, sodass die Stimmung auf und vor der Bühne entsprechend gut und partytauglich ausfällt.

Pentastone

Die Darmstädter von Pentastone scheinen eine Menge Leute in den LGH zu ziehen, denn es ist derart voll vor der Bühne, dass man weiter hinten gar nichts mehr sieht. Der moderne Sound der Band erinnert immer wieder an Bands wie Future Palace, wobei auch der explizite Theraphie-Charakter der Songs (was die Sängerin immer wieder betont) ein einendes Element beider Bands ist. Da die Musik an sich mit fetten Grooves und manch elektronischem Einschlag gefällt, ist es umso ärgerlicher, dass die Frontfrau als selbsternannte Aufklärerin manches Klischee von der Kämpferin für Gleichberechtigung und eine bessere Gesellschaft bedient. Denn die Musik hat ein solches Etikett nicht nötig.

Mittwoch 29.07.

Bullhead City W.E.T Stage

Seers of Light MB Hungary

Das Metal Battle im Bullhead City Circus startet mit den Ungarn Seers of Light mit modern tönendem Symphonic Metal. Dabei gefallen sowohl der Groove, als auch die Gitarrenriffs. Dass der kraftvolle Damengesang derweil unweigerlich Assoziationen zu Evanescence oder in Teilen auch Epica erkennen lässt, zeugt eher von einer gewissen Heldenverehrung als von fehlender Eigenständigkeit der Band, die auch bei Sonnenlicht einen überzeugenden Gig abliefert.

Speak in Whispers MB Cyprus

Die Zyprioten von Speak in Whispers haben mit ihrem schwarz bemalten und ein beachtliches Oberkörpertattoo zur Schau stellenden Frontmann immerhin einen Blickfang in ihren Reihen, wissen aber auch musikalisch zu überzeugen. Denn der harte Progressive Metal wirkt selten zu verkopft und groovt stattdessen kraftvoll, was u.a. den ersten Circle Pit des Tages zur Folge hat. Davon abgesehen bleibt die Bewegung in der Crowd aber erträglich ruhig, was vielleicht der Hitze, aber auch der frühen Tagesstunde geschuldet ist.

I See Red MB Greece

I See Red wirken schon beim Betreten der Bühne bis in die Haarspitzen motiviert, was sich schließlich auch in der unscheinbaren und doch engagierten Darbietung der Musiker bestätigt. Ohne optische Schnörkel zelebrieren die Griechen ihren modern tönenden Bollo-Sound, wobei sich manch progressiver Schlenker in den Songs gut macht. Manche Assoziation mit Lamb of God ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber Spaß macht der Gig dennoch, wovon auch der Circle Pit zum Ende des Gigs zeugt.

Goodnight Greatness MB Sweden

Goodnight Greatness legen sich mit düsterem Metalcore/Modern Metal ins Zeug und gewinnen auch dank der engagierten Frontlady stetig an Sympathie. Zwischen Melodie und Groove changieren die Stücke in einem natürlichen Fluss, der für den Moment der Show gefällt. Manch dezentes elektronisches Element verstärkt die fatalistisch anmutende Atmosphäre, sodass der Applaus am Ende, trotz komplett im Tageslicht verpuffter Lightshow, gerechtfertigt ist.

The Crescent’s Call MB Austria

Mit einem Sound zwischen Geige, Cello und E-Gitarre erinnern Österreichs The Crescent’s Call frappierend an ihre Schweizer Kollegen von Eluveitie, allerdings wirkt der Sound des ausgewogen gemischten Sextetts (drei Damen, drei Männer) etwas konzeptlastiger, was sicher auch der individuellen Kostümierung der Bandmitglieder geschuldet ist. Soundtechnisch kämpft die Band derweil durchweg mit einem sehr lauten Bass, der die Melodien der Gitarre immer wieder verschluckt. Das hat zur Folge, dass die Geige tonangebend ist, was nicht jedermanns Sache ist. Allerdings legt sich die Band sichtlich ins Zeug und die Frontlady verkörpert ihre Rolle als Zeremonienmeisterin doch recht gekonnt, sodass die Band mindestens für die engagierte Darbietung entsprechenden Applaus erntet.

Ashed Winter MB France

Frankreichs Ashed Winter legen unvermittelt los und ziehen mit ihrem modern ballernden Death Metal, jedem Frosch die Locken glatt. Die zierliche Sängerin röchelt und brüllt wie angestochen und flitzt dabei fleißig und agil über die Bühne. Ihre Bandmitglieder zimmern ihr derweil einen donnernden Sound auf die Stimme, der durch seine tiefen und grollenden Riffs durchaus zu gefallen weiß. Allerdings wirkt das Konzept bereits nach zwei, drei Stücken aus erzählt, wodurch die eine oder andere Länge in dem Set aufkommt. Derartige Anflüge macht die Band aber durch ihre engagierte Darbietung wett.

Blanket Hill MB Luxembourg

Das Rap-Intro aus der Konserve passt zur Ankündigung als NY-Hardcore aus Luxemburg, mit der Blanket Hill vorgestellt werden. Wobei die Musik den klassischen Mustern des Genres folgt und kaum Eigenständigkeit aufweist. Die Energie der Show passt allerdings zur Musik und auch die Crowd lässt sich zu einigen zaghaften Moshpits hinreißen. Dass der Sänger in seiner vorletzten Ansage allerdings diverse (vermeintlich) unterdrückte Staaten in einen Topf wirft (Ukraine, Iran, etc.) und zudem behauptet niemand sei frei, bis nicht alle frei sind, ohne einen entsprechenden Kontext herzustellen, zeugt mindestens von politischer Uninformiertheit, die den Gig ein wenig trübt.

Deflag MB Italy

Deflag aus Italien legen sich von Anfang ins Zeug und die Ansage des Sängers, die Band würde die nächsten zwanzig Minuten ‚für die Crowd bluten‘ ist dem Herren durchaus abzukaufen. Mit bulligen Grooves und reichlich Bass erinnert der Sound mitunter ein wenig an Lamb Of God, wobei der Weg zur Klasse von Randy Blythe und Co. doch noch ein wenig Arbeit bedarf. Dass unterm Strich auch kaum etwas von der Musik hängen bleibt, lässt hoffen, dass die Band ihr mögliches Potenzial in Zukunft ausbaut.

Witchlords MB Belgium

Mit klassischem Heavy Metal im Stil von 3 Inches Of Blood markieren Belgiens Witchlords einen Ausreißer aus dem diesjährigen Metal Battle, allerdings klingt die Musik derart authentisch und voller Herzblut, dass auch über den unscheinbaren Look (alle Musiker könnten auch Mamas liebster Schwiegersohn sein) großzügig hinweg gesehen wird. Hier und da wirkt die Performance zwar etwas hölzern, aber die Songs atmen den Geist klassischen Heavy Metals authentisch und voller Energie. Der Applaus am Ende ist angemessenerweise auch mehr als Höflichkeitsgeplänkel.

Elchivo MB Mexico

Die Mexikaner Elchivo gefallen von Anfang an durch ihren Ausreißer-Charme, sind sie doch die einzige Stoner-Knarz-Band des diesjährigen Metal Battle. Passend zum Sound brennt die Sonne unerbittlich vom Himmel, wodurch auch der Cowboy-Look des Sängers ein passendes Ambiente verpasst bekommt. Die Show entwickelt derweil ohne viel Schnörkel mehr und mehr Qualität, sodass sich die Band über berechtigten Zuspruch freuen kann und ihre schnörkellosen Riffmonster mit reichlich Power von der Bühne feuert. Die melodischen Qualitäten des Sängers sorgen zudem für eine nicht zu verachtende Emotionalität in den Songs, die der optischen Coolness des Mannes nicht in die Quere kommt. Starker Gig.

Morphide MB Latvia

Abgesehen vom sehr dominant drückenden Bass, lassen Lettlands Metal Battle-Abgesandte Morphide ein amtliches Pfund modernen Metals auf die Zuschauer los. Die brüllsingende Frontlady wirkt sympathisch und hat ihre Stimme gut im Griff, wodurch sie sich doch sehr gut gegen die wummernde Basswand durchsetzen kann. Für die Melodien gilt das leider nicht immer. Denn mancher Gitarrenton geht zunehmend unter, was der Energie des Gigs aber kaum schadet. Manche Überbrückung zwischen den Songs wirkt zwar etwas hölzern (wer braucht schon einen Schreiwettbewerb?), dafür entwickelt die Musik mehr und mehr an Energie, was auch zur Folge hat, dass vor der Bühne doch ein wenig mehr Bewegung (soweit es die Hitze zulässt) aufkommt.

Velvet Rush

Velvet Rush nehmen den Faden des sommerlichen Wetters auf und liefern eine freche Portion Rampensau-Hard Rock. Dabei gefällt nicht nur die Frontfrau mit ihrer kräftigen Stimme, legen sich ihre Mitmusiker doch allesamt ins Zeug und agieren mit einer selbstbewussten Coolness, die mehr ist als Sonnenbrille und Heldenmusikerpose. Die Stimmung ist dementsprechend ausgelassen. Mit der Ansage ‘we are Velvet Rush and we love Rock ‘n‘ Roll music‘ trifft Sängerin Sandra Lian den Nagel auf den Kopf und fasst ihren eigenen Sound, sowie die Attitüde der Band treffend zusammen. Entsprechend voll wird es auch vor der Bühne.

Rose Tattoo

Die ‘Bad Boys for Love‘ sind auf Abschiedstour. Entsprechend voll ist es vor der Bühne, als Angry Anderson und Rose Tattoo ihre ‚One Last Ride‘-Tour nach Wacken bringen. Dass der Frontmann sichtlich emotional und stellenweise ehrlich berührt ist, von dem Umstand, dass dies der letzte Halt in Wacken ist, lässt die Show noch ein Stück nahbarer wirken. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung in der Crowd, als Stücke wie „Hard Road“ oder „Sidewalk Sally“ ein letztes Mal über das Infield schallen. Den Freiheitsethos, den sich Rose Tattoo stets bewahrt haben, bringen sie mit Stücken wie „Rock‘n‘Roll Outlaw“ oder „We Can’t Be Beaten“ authentisch und mit Spielfreude auf die Bühne, wobei sich ein Bandklassiker an den nächsten reiht. Zwischendurch betrachet Angry die Fans voller Dankbarkeit und bietet Klassiker wie „All the Lessons“ als von seinem Lebensstil gezeichneter Rock n‘ Roll-Terrier, dem der Abschied von den Fans doch ans Herz geht. „Bad Boy for Love“ und „Nice Boys“ beschließen den Gig zunächst und die Band geht mit einem dankbaren Lächeln ab. Mit „Astra Wally“ legen Rose Tattoo aber doch noch nach und liefern ‘one more for luck‘ (O-Ton Angry Anderson). Dass Angry Anderson während den letzten Tönen bereits von der Bühne abgeht, lässt derweil tief blicken. Wirkt der Mann doch dankbar, aber ausgezehrt von einem Rock‘n’Roll-Lifestyle, der vielleicht für mehr als ein Leben gereicht hätte.

Bullhead City Headbanger Stage

Gannondorf MB USA

Dank ihren individuell gestalteten Kostümen (jeder Musiker verkörpert einen eigenen Charakter), die direkt aus dem Fantasy-Grusel-Kosmos stammen könnten, ziehen die Amerikaner Gannondorf schon mal das Interesse der Besucher auf ihre Seite. Musikalisch entpuppt sich der symphonische Extreme Metal zwischen Black- und Death aber auf Dauer als etwas wirr, bzw. zu offensichtlich von Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth inspiriert. Da kann auch der grimmige Death Metal Einschlag im Gesang nichts gegen die Bekanntheit der Zutaten ausrichten. Dadurch scheitert die Band vielleicht ein wenig an den, durch die Optik erzeugten Erwartungen. Unterm Strich ist der Gig aber gelungen.

Born Broken MB Canada

Kanadas Metal Battle-Abgesandte Born Broken setzen auf stumpfes Geprügel und haben am Anfang mit Soundproblemen zu kämpfen, denn die Gitarren sind kaum zu hören. Dass Melodien oder Harmonie derweil ebenso auf sich warten lassen, wie ein Lächeln der Musiker, zieht den Gig leider unnötig in die Länge, aber immerhin drückt der Groove angemessen bullig von der Bühne.

Human Nebula MB Sub Saharan Africa

Die Südafrikaner von Human Nebula versuchen sich daran, die Fans zur immer noch frühen Tagestunde mit progressivem Hartklang aufzulockern. Dass dabei nicht jeder Ton an seinem Platz sitzt, ist geschenkt. Denn die Musiker machen ihren Job gut und der Frontmann weiß durch sein Engagement zu gefallen, was aber kaum etwas daran ändert, dass am Ende wenig bis nichts von dem Gig im Gedächtnis bleibt.

Dead Memories MB Ireland

Dead Memories aus Irland pulverisieren im Anschluss jeglichen Anflug von Atmosphäre mit brachialem Riff- und Groovedonnern. Die Show wirkt, dank fehlender Gimmicks bzw. fehlender Optik ab und zu etwas steif, was aber kaum stört. Selbiges gilt für den kurzeitigen Ausfall der Bühnenbox, was den Gig unterm Strich eher verzichtbar macht.

Expellow

Mit Expellow stehen die Metal Battle Sieger aus dem Jahr 2025 für ihren Gewinner-Gig auf der Bühne. Dieser Umstand scheint die Musiker und speziell die Sängerin zusätzlich zu motivieren, denn die Dame tobt energisch auf der Bühne herum, wobei der Metalcore/Rap-Mix anfangs unter völliger Melodiearmut leidet. Dass zwischendurch die Boxen mehrmals ausfallen, fördert die Stimmung auch nicht wirklich. Hinzu kommt, dass die Band zwischendurch T-Shirts an ‘männlich und weiblich gelesene Personen‘ verteilt (O-Ton des Gitarristen), womit sich die Musiker selbst in das Wokeness-Aus katapultieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die zweite Gitarre vollständig im Mix untergeht. Dass die Crowd entsprechend länger braucht um warm zu werden, verwundert kaum.

Sinamort MB Lithuania

Litauens Sinamort setzen dem Sonnenschein getragenen und in Teilen verzweifelten Post-Metal entgegen. Dass die musikalische Tragik dadurch ein wenig an Kraft verliert, ist geschenkt, denn selbige machen die Musiker durch eine engagierte Show wett. Mit der Zeit kommen gar ähnliche Gefühle auf, wie sie u.a. Long Distance Calling zu erzeugen im Stande sind. Dass die Band auf visuellen Schnickschnack verzichtet und in schlichter schwarzer Kleidung ihre melancholische Wutmusik zelebriert, passt zum kathartischen Ansatz, der sich immer wieder zaghaft aus den Songs herausschält. Sehr schön.

Deflag MB Italy

Die Italiener Deflag geben von Anfang an mächtig Gas, wobei sie auf Genregrenzen pfeifen und schlicht durch energische Songs überzeugen. Der Frontmann turnt hyperaktiv über die Bretter, wobei er sympathisch und nahbar wirkt und ein wenig Neunziger Jahre Hardcore-Spirit verkörpert. Dass die Musik derweil alles andere als weltbewegend ausfällt, ist geschenkt, denn etwaige Längen macht die engagierte Show der Musiker locker wett. Da ist es dann auch egal, dass manches Gitarrensolo etwas deplatziert wirkt, denn Sympathieträger der Metal Battle ist die Band allemal.

Noiduin MB Finland

Mit ihrer rein akustischen (traditionellen) Instrumentierung, dem archaischen Look in Fell und Kriegsbemalung und einem Sound zwischen Folklore und rituell anmutender Zeremonie fallen die Finnen Noiduin durchaus etwas aus dem Rahmen des Tages. Allerdings markiert die Band damit einen spannenden Ausreißer aus den übrigen Gigs. Dass die Musik wirkt, als solle sie die Sonne vom Himmel vertreiben und stattdessen die Geister der Nacht frühzeitig erwecken, sorgt für einen interessanten Reiz, der u.a. an eine Band wie Heilung gemahnt. Ganz so stimmig wie deren Show und Konzept wirkt die Darbietung der Finnen zwar noch nicht, aber spannend und interessant ist der Gig allemal.

Invasion MB Norway

Norwegens Metal Battle Abgesandte Invasion verkörpern weniger Frost und Dunkelheit, als vielmehr klassischen Hard Rock, bzw. Heavy Metal mit deutliche Achtziger Jahre Prägung zu zelebrieren. Dabei ist der Frontmann zweifellos der Entertainer der Show, denn er sucht bereits beim ersten Song den Kontakt mit den Fans und wandert in den Graben um die erste Reihe fleißig abzuklatschen. Die unverkennbare Bewunderung für Bon Jovi, bzw. achtziger Jahre Hard Rock mündet in einigen Ohrwürmern, die perfekt zum warmen Wetter passen. Als sympathisch wirkende Grinsebacken gewinnen die Musiker die Gunst des Publikums außerdem doch relativ zügig.

Sót MB Iceland

Sót schicken sich im Anschluss an mit den Klischees von eklektischer Inselmusik aufzuräumen. Denn ihr druckvoller Sludge/Groove Metal schielt eher gen Pantera und CO. anstatt auf die heimatliche Musikszene Rücksicht zu nehmen. Dass die Musiker oberkörperfrei und reichlich bewegungsfreudig agieren, lässt speziell in der Persona des Sängers immer wieder an einen jungen Phil Anselmo denken. Der Enthusiasmus der Musiker wird so oder so belohnt, denn der verschleppt groovende Sound wird gerne angenommen und die Bewegung vor der Bühne fällt wenigstens angemessen aus. Die geforderten Pits und dergleichen bleiben zum Glück aus, was vielleicht auch an der sengenden Sonne liegt, die erstaunlich gut zum Sound dieser Isländer passt.

Kadavar

Die berliner Hippies von Kadavar treten live mittlerweile zu viert auf, wobei die zusätzliche Gitarre nicht allzu markant ins Gewicht fällt. Denn der Sound ist nach wie vor ein breiiges Brummen zwischen Siebziger Jahre Psychedelica und riffbetontem Hard Rock. Angetrieben vom inbrünstigen Spiel, das Schlagzeuger Tiger an den Tag legt, wabern die psychedelischen Soundschwaden über das abendliche Infield des W:O:A und während Frontmann Lupus neben dem Gesang auch durch manch süffisant trockene Ansage glänzt (‚Der Song ist über unseren ex-Manager… wir haben gehofft, er stirbt.‘; vor „Die Baby Die“), arten viele Stücke in Space-affine Jam-Sessions aus. Dabei stehen ausladende Dröhn-Sounds Seite an Seite mit den kraftvollen Gitarrenriffs. Was anfangs einen gewissen Reiz hat, verheddert sich aber mit der Zeit in einem etwas zu ausladendem Sound-Wabern, was den Gig, für weniger Jam-affine Zuschauer etwas anstrengend werden lässt. Im Licht der verschwindenden Sonne wirkt der trocken groovende Sound aber doch immer einnehmender, sodass sich das ein- oder andere ekstatische Zucken in der Crowd breitmacht.

Donnerstag 30.07.

Bullhead City W.E.T Stage

E.N.D. MB Balkan Regions

E.N.D. eröffnen den zweiten Tag des Metal Battle mit Hardcore-affinem Groove Metal. Dass dabei der Bass recht laut von der Bühne wummert, ist immerhin ein passendes Instrument um den Besuchern den Restschlaf aus dem Leib zu prügeln. Dass der Gig am Ende leider eher gesichtslos durchrauscht, ist während den zwanzig Minuten Spielzeit auch kein Thema, denn der erste Circle Pit des Tages zeugt immerhin vom Spaß der Anwesenden Zuschauer.

Haine MB Malta

Deathcore bei Sonnenschein? Dieser Aufgabe nehmen sich Haine aus Malta an, wobei vor allem der Frontmann immer motivierter wirkt und u.a. Circle Pits und ähnliche Aktionen von der Crowd fordert. Dass die brutale Musik derweil von der Sonne ihrer Wirkung beraubt wird, fällt zwar merklich, aber nicht tragisch ins Gewicht, denn ein Teil der wenigen Anwesenden hat doch Lust sich zu bewegen und so dürfen sich die Musiker immerhin über einen zaghaften Circle Pit freuen.

Death Row MB Bulgaria

Die in einheitlichen, orangefarbenen Overalls auftretenden Bulgaren von Death Row machen ihren Namen auch optisch zum Programm und liefern eine amtliche Portion groovigen Thrash Metal. Dass alle Musiker während des Gigs völlig eskalieren und gefühlt zu keiner Sekunde still stehen, verstärkt die Aggression der Musik zusätzlich, wobei der Frontmann mit seiner ekstatisch-psychotischen Mimik der Blickfang der Show ist. Die Songs machen im Moment der Show auch eine Menge Spaß, allerdings entsteht auch der Eindruck, dass am Ende nicht allzu viel von der Musik hängen bleiben will.

Sentient Void MB Philippines

Mit schwarz/weißem Facepaint und Lederjacke (der Leadsänger) entern Sentient Void die Bühne und liefern eine energische Performance, wobei der Sound irgendwo zwischen Black Metal, Deathcore und manch elektronischem Modern Metal-Versatzstück pendelt. Dass zu Beginn der Show das Mikrofon des Fronters ausfällt und es bis zum zweiten Song dauert, bis der Gesang wieder zu hören ist, schlägt allerdings doch etwas öder zu Buche als gedacht. Denn die Energie, welcher der Musik innewohnen könnte, geht dadurch komplett flöten und will sich auch den Rest des Gigs über nicht vollends aufbauen. Nichtsdestotrotz legt sich die Band ins Zeug und die Fans honorieren das Engagement mit einem kleinen Circle Pit und reichlich Applaus am Ende der Show.

Given By The Flames MB Japan

Japans Given By The Flames bringen ihren Gothic Metalcore auf die Wacken-Bühne und die Optik des Frontmanns erinnert ein wenig an Brandon Lees Figur The Crow, womit sich auch ein Bogen zur Filmwelt spannen lässt. Dank diverser elektronischer Breaks und dem ein- oder anderen, harten Breakdown zaubern die Musiker ein apokalyptisches Feeling auf den Holy Ground, das auch durch den, manchmal etwas wackeligen Klargesang nicht ins Wanken gerät. Dass die Band darüber hinaus mit einer Menge Selbstbewusstsein gesegnet ist (besonders der Sänger hat Rampensau-Qualitäten), sorgt für zusätzliche gute Laune auf und vor der Bühne. Die düstere Ästhetik der Songs und auch des Auftretens der Musiker wird zwar ein Stück weit vom sonnigen Wetter zunichte gemacht, aber die Musik wird mit jedem Song reizvoller und am Ende kann die Band gar einen Moshpit und reichlich Applaus für sich verbuchen.

Rise of the Shadows MB Spain

Die Spanier Rise of the Shadows starten ohne Umschweife in ihre Show, die zunächst relativ generischen Metalcore bietet, wobei der Sänger in manchem Moment an Brüllwürfel Rhandy Blythe erinnert. Der Pressgesang des Gitarristen kann sich auch hören lassen und ergänzt sich sehr gut mit den melancholischen Gitarrenmelodien. Davon abgesehen gibt’s mit Hüpf-Spielen und Singalongs das gängige Genre-Programm, das die Herren aber mit reichlich Hingabe und Spielfreude durchziehen. Für den Moment der Show, macht das alles immer mehr Spaß und auch der ein- oder andere Moment für gepflegtes Headbanging findet sich. Als der letzte Ton verklungen ist, will aber leider kaum etwas von der Musik, oder auch der Show hängen bleiben.

Craft

Die schwedischen Dreckspatzen Craft legen bei Sonnenschein unvermittelt los. Flankiert von zwei brennenden Metall-Pendants des Bandsiegels gibt’s rock n‘ rolligen Black Metal mit leichter Assel-Attitüde auf die Augen und auf die Ohren. Dass das Tageslicht dabei wenig förderlich für die Stimmung ist, verwundert kaum. Gleiches gilt für das Nichtvorhandensein von Kommunikation, denn Front-Assel Nox beschränkt seine Ansagen auf Songtitel. Titel wie „Fuck the Universe“ reflektieren die allgemeine Stimmung des Gigs ganz gut, wobei der Sound dreckig, aber doch mit Schärfe aus den Boxen brät. Zum Manko des Gigs entwickelt sich aber die aufkeimende Eindimensionalität der Songs. Denn nach zwei, drei Stücken ist das Rezept der Musik im Grunde auserzählt. Hinzu kommt, dass der Frontmann im Grunde der Einzige in der Band ist, der sich der Musik hinzugeben scheint, denn seine Mitmusiker belegen jeweils einen eher eingeschränkten Bewegungsradius. Ob das ein Grund dafür ist, dass die rotzig-ranzige Stimmung der Musik heute kaum auf das Publikum überschwappt, klärt sich nicht vollends auf, am Ende des Gigs bleibt aber der Eindruck hier lediglich eine solide Show gesehen zu haben.

Spectral Wound

Spectral Wound starten mit „Fever and Suffering“ ohne Umschweife in ein aggressives Black Metal-Set, das Punk-Spirit, präzise Gitarrenharmonien und mitreißende Refrains unter einen Hut bringt. Stücke wie „Aristocratic Suicidal Black Metal“ geraten zu mitreißenden Genre-Hits, die gleichsam Party-Potenzial, sowie Misanthropie bergen. Gleichzeitig groovt das Material der Kanadier zu jederzeit voller Energie, sodass sich die räudige Attitüde der Musiker nicht in totalem Nihilismus verliert, sondern auch Highspeed-Geschosse wie „Black Satanic Glamour“, trotz ihrer aufgekratzten Aggression eine sympathische Räudigkeit vermitteln. Dass es dabei zu Beginn des Sets die Gitarren eine Zeit lang verweht, ist zu verschmerzen, denn Stücke wie das grandios fiese Finale „Frigid and Spellbound“ sind mitreißende Genre-Hits, zu denen im Publikum die Matten zahlreich kreisen.

Sventevith (Misþyrming & Nergal)

Unter dem Banner Sventevith machen die Isländer von Misþyrming und Nergal gemeinsame Sache um Behemoths Debütalbum „Sventevith“ in Gänze aufzuführend und damit die rohen Anfange von Polens Extrem Metal-Superstars zu würdigen. Dass Nergal heute ohne Gitarre auf der Bühne steht, verleiht ihm etwas mehr Bewegungsfreiheit und auch der schlichtere Look (Lederjacke und Facepaint) ist zunächst ungewohnt. Gleiches gilt für die etwas reduzierte Show, denn außer Feuer am Bühnenrand, wird heute sparsam gezündelt, was aber den Fokus stärker auf die Musik lenkt. Und daran gibt es nichts zu meckern. Der Sound ist erste Sahne und die Musiker liefern eine agile Darbietung. Das einzige Showelement, zwei Petruskreuz-Banner, die das Schlagzeug flankieren, wird derweil geschickt in Szene gesetzt und z.B. zum Zwischenspiel „Ancient“ separat angeleuchtet, was die düstere, leicht anachronistische Aura der Musik passend ergänzt. Erfreulicherweise hält sich Nergal auch mit seinen Ansagen zurück, klingt aber umso giftiger in den Songs. Auch sein Outfitwechsel (das beklemmend ruhige „Hell Dwells in Ice“ performt er in einem fahlen Umhang) wirkt kaum aufgesetzt. Generell liegt über der Show eine intensiv angespannte Atmosphäre, die mit „Pure Evil and Hate“ einen punkigen Abschluss findet.

Bullhead City Headbanger Stage

Novelization MB Netherlands

Die Kleiderordnung von Novelization will zwar nicht wirklich zum groovigen Thrash Metal der Niederländer passen (alle Musiker treten im Kilt auf), aber musikalisch weiß der hörbar von Slayer beeinflusste Sound zu gefallen. Auch wenn das Stageacting der Band noch etwas hölzern wirkt, verdichten sich die ersten Reihen vor der Bühne merklich, was mindestens vom steigenden Interesse an der Metal Battle zeugt. Davon abgesehen bleibt nach dem Gig leider wenig bis nichts von der Show hängen.

Gágor MB Slovakia

Gágor aus der Slowakei setzen auf ruppigen Crust/Hartmetal, der nicht um punkige Vibes verlegen ist. Motivator der Show ist dabei die brüllkeifende Sängerin, die in ihrer Muttersprache und auch mit knappen englischen Ansagen um die Gunst der Fans buhlt. Musikalisch kann sich der Gig auf jeden Fall sehen lassen, wenn auch das Tageslicht der Wirkung einen Strich durch die Rechnung macht. Außerdem strengt die blechern scheppernde Snare-Drum auf Dauer ein wenig an. Das anfängliche Manko der leisen Gitarren wird leider auch erst gegen Ende des Gigs merklich besser. Allerdings gefällt der hektische Ausdruckstanz der Frontfrau ganz gut, auch wenn sich das ekstatische Zucken nicht immer mit der Musik vereint.

Force MB Chile

Zwischen Retro-Spandex-Look und futuristisch anmutender Space-Ästhetik legen die Chilenen Force einen hochmotivierten Gig auf die Bretter, der den Spirit des achtziger Jahre Glam Rock/Heavy Metal mit reichlich Bewegungsfreude in die Jetzt-Zeit transportiert. Dass zwischendurch das Mikrofon des Bassisten flöten geht, ist kein allzu großes Manko, denn der Frontschreihals an der Gitarre erledigt seinen Job auch alleine mit Hingabe und durchaus passender Kreisch-Stimme. Die zwanzig Minuten des Gigs vergehen jedenfalls wie im Flug.

Midhaven MB India

Es knarzt und knackt als Midhaven mit erdigem Stoner Rock in Set einsteigen um in zwanzig Minuten lediglich drei Stücke auf die Bretter zu bringen. Die Riffgewalt der Herren ist stattlich und auch das erdig-massive Soundelement, das sich aus dem Gig herausschält, kann sich hören lassen. Allzu viele Worte verlieren die Musiker derweil nicht, abgesehen davon, dass das Finale „Zhitro“ den Kreislauf von Leben und Tod, Zerstörung und Wiederaufbau thematisieren soll, wie der Gitarrist betont. Dabei schafft es die Band durchaus dem Sommerwetter einen Anflug von apokalyptischer Stimmung entgegen zu setzen, wobei zu dem vielschichtigen und manchmal vertrackten Sound gleichsam Lauschen sowie Headbangen angebracht ist.

Gidora MB El Salvador

Gidora aus El Salvador hätten mit ihrem zuweilen an Gojira erinnernden Sound eigentlich viel Potenzial das Publikum mitzureißen. Leider scheitert dieses Unterfangen heute aber am eher miesen Sound, der abgesehen von Bass und Gesang kaum etwas durchlässt. Das nimmt der energischen Show der Musiker leider zunehmend ihren Reiz, denn die drückende Rhythmik alleine kann über die zwanzig Minuten des Gigs keine markanten Reize entfachen. Ein interessanter Moment ereignet sich derweil, als der Gitarrist zu einer Wall of Death aufrufen will, was der Frontmann umgehend unterbindet und mit deutlicher Gestik klar macht (Hintergrund dieser Aktion ist das Verbot derartiger Aktionen seitens der Veranstalter). Immerhin kann sich die Band über einen kleinen Moshpit freuen.

Days of Ruin MB Switzerland

Days of Ruin haben das Wetter leider gegen sich, denn der Wind verweht viele der Gitarren, die für den knackigen Metalcore-Sound der Schweizer essenziell wären. Immerhin haben die Herren einige partytaugliche Singalongs im Gepäck, die den offensichtlichen Spaß, den die Band an ihrem Gig hat, unterstreichen. Dass der Bass derweil sehr laut von der Bühne scheppert ist wahlweise eine gute Sache (die ersten Reihen bekommen eine Magenmassage verpasst), oder eben auch nicht. Denn dadurch gehen die eh schon verwehten Melodien noch mehr im allgemeinen Sound unter. Immerhin haben die Band und ein Gros der Fans eine Menge Spaß, was einerseits an der Spielfreude der Musiker liegt und andererseits daran, dass den Songs doch ein gewisses Potenzial zur freudigen Eskalation innewohnt. Insofern scheitert der Gesamteindruck eher am Soundmakel, als an den Musikern oder den Fans.

Firespawn

Trotz des noblen Ansinnens ihrem verstorbenen ex-Fronter LG Petrov zu gedenken, scheitern Firespawn heute an der Technik, denn die Gitarren sind (bis auf wenige Ausnahmemomente) fast nicht zu hören. Sympathisch sind die Musiker derweil durch und durch, was sie u.a. mit einem Originaldialog von LG Petrov, der als Intro dient untermauern. Dass während „Death and Damnation“ der Sound für kurze Zeit komplett flöten geht, sabotiert den Einstieg in die Show allerdings doch. Gleiches gilt für die viel zu laute Bassdrum, dank der die Gitarren zuweilen komplett aus dem Sound geprügelt werden. Diese Patzer bekommt das Soundteam leider nicht komplett in den Griff, was der Stimmung aber kaum schadet. Die Fans feiern Brecher wie „The Hunter“ oder „All Hail“ enthusiastisch ab. Dass „The Emperor“ kurz vor Ende des Sets leider nochmal vom mehrmaligen Ausfall der Bühnenanlage sabotiert wird, schadet der Stimmung zum Glück nur wenig. Am Ende erklingt gar LG Petrovs Stimme aus der Konserve und ergänzt das groovige Finale „Lucifer Has Spoken“ auf sympathische Art.

Louder Stage:

P.O.D

Der Andrang vor der Louder Stage ist beachtlich und die Stimmung explodiert bereits als P.O.D mit „Boom“ und „Rock the Party (Off the Hook)“ in ihr Set einsteigen. Die Fans feiern die Rap-lastigen Stücke älteren Datums genauso frenetisch ab, wie z.B. „Drop“ vom letzten Album (dass Rhandy Blythes Gesangsparts aus der Konserve kommen, ist aber doch schade, angesichts dessen, dass Lamb Of God auch auf dem Festival spielen). Die Laune der Zuschauer reißt aber auch bei melancholischen Nummern wie „Lost in Forever“ nicht ab. „Youth Of The Nation“, das ebenso hitverdächtige „Afraid To Die“ (leider ohne Jinjers Tatiana Shmayluk Gastgesang) und die positive Power-Hymne „Alive“ markieren derweil die Stimmungshöhepunkte der Show, die von den Fans mit anhaltendem Applaus honoriert wird.

Freitag 31.07.

Faster Stage:

Paradise Lost

Der dezent gräuliche Himmel bildet eine passende Kulisse für die britischen Schwermüter von Paradise Lost, die mit ihrem Doom/Gothic/Death-Mix mehr Stimmung auf das Feld zaubern als zunächst gedacht. Stücke wie „The Last Time“ ernten reichlich Applaus, gleiches gilt für den späteren Seitenhieb an die Veranstalter, als Frontmann Nick Holmes das ihm gereichte Bier mit den Worten ‚I don’t think that’s german‘ quittiert, wodurch der Publikums-Kalauer ‚Deutsches Bier‘, der das gesamte Festival über präsent gen Bühne skandiert wird, gewichtige Unterstützung bekommt. Von mangelnder Getränkequalität lassen sich Paradise Lost aber nicht abhalten und liefern den Beweis, dass auch melancholische Düstermusik gehöriges Feier-Potenzial in sich bergen kann.

Black Label Society

Das „War Pigs“/„Whole Lotta Love“ Mash Up-Intro gibt den Grundton des folgenden Gigs vor, denn Black Label Society wandeln hörbar auf den Pfaden von Ozzy Osbourne, was bei der musikalischen Verflechtung zwischen dem ‘Prince Of Darkness‘ und Zakk Wylde kaum verwundert. Dabei krachen Stücke wie der Opener „Funeral Bell“ reichlich knarzig von der Bühne. Zum Glück bleiben etwaige Ansagen im Schrank, denn angesichts der ausladenden Gitarrensoli, die Zakk immer wieder vom Stapel lässt, wäre wohl kaum Zeit für die eigentlichen Songs übrig, wodurch den Zuschauern knarziges wie das Cover von Ozzy Osbournes „No More Tears“ oder der staubtrocken Groover „Name in Blood“ durch die Lappen gehen würden. Ein Manko der Show ist aber, dass der Eindruck entsteht, der Fokus des Sets stünde eher auf den ausladenden Soloeinlagen von Zakk Wylde, als auf den eigentlichen Songs. Denn die Duelle beider Gitarristen strecken beinahe jeden Song auf ein anstrengendes Maß, sodass sich mit der Zeit ein wenig Ermüdung breit macht. Das Finale „Stillborn“ gerät aber wieder versöhnlich, unterstreicht es die stimmliche und persönliche Nähe zwischen Zakk und Ozzy doch nicht nur musikalisch, sondern auch durch diverse (persönliche) Fotoeinspieler, die über den Backdrop-Bildschirm flimmern.

In Flames

In Flames bei Tageslicht. Dieser Umstand ist an sich schon ein Frevel, liefern die Schweden doch stets auditive und visuelle Qualität ab. Angesichts des folgenden Tagesheadliners Judas Priest, ist der etwas verfrühte Slot aber immerhin akzeptabel. Der Musik schadet die Tageszeit ohnehin nicht. Was der Musik aber schadet, ist der Sound. Denn im vorderen Drittel vor der Bühne gehen die Melodien allzu oft im dominant wummernden Bass unter. Zu allem Überfluss ist der Gesang auch noch sehr leise als Anders Friden und Co. mit „Colony“ und „Deliver Us“ in ihr Set einsteigen. Zwar bessert sich dieses Manko mit zunehmender Spielzeit, allerdings bleibt der Beigeschmack schon mitreißendere In Flames Shows gesehen zu haben, bis über das Ende des Gigs hinaus bestehen. Stücke wie „This Quiet Place“ oder „Meet Your Maker“ (zu dem Frontmann Anders zu zahlreichem Crowdsurfing aufruft) sind dennoch musikalische Brecher, die für Action im Publikum sorgen. Der Aufforderung zu tanzen kommen die Fans zu „Cloud Connected“ natürlich nach und als Anders Friden das fünfundreißigste Wacken-Jubiläum erwähnt und in Vebindung mit dem zehnten Auftritt von In Flames auf dem Holy Ground bringt, ist ihm der Applaus natürlich sicher. Mit „Artefacts of the Black Rain“, „Trigger“ und „Only for the Weak“ kommt nochmal mehr Bewegung in der Menge auf und der ergraute Himmel sorgt für eine positiv angespannte Stimmung. Die Mischung aus alten und neuen Stücken gelingt auch heute wieder vortrefflich und so schallt „Only for the Weak“ ebenso laut aus dem Infield wider, wie „State of slow Decay“ mit brachialer Energie für mehrere Circle Pits sorgt. „Alias“ bündelt derweil sämtliche Hitqualitäten der Schweden und zu „The Mirror’s Truth“ kommen die Fans der Aufforderung zu Circle Pits zahlreich nach (was auch an der stetig Anstachelung durch Sänger Anders liegen dürfte). „I Am Above“ und „Take This Live“ bilden schließlich das krachende Finale eines weiteren, starken In Flames Gigs, der zwar ein wenig am Sound krankt, davon abgesehen aber wenig Wünsche offen lässt.

Harder Stage:

Vreid

Norwegens Vreid liefern als Tagesopener auf der Harder Stage eine gehörige Portion norwegischen Black n‘ Roll. Die Ansagen des Bassisten fallen sympathisch aus und so wird das groovende „The Skies Turn Black“ z.B. Ozzy Osbourne gewidmet (der schwarze Rauch, der am Ende des Songs in den Himmel gestoßen wird, kann sich derweil durchaus sehen lassen). Allzu viel musikalische Kanten sind in dem Set zwar nicht auszumachen, aber mit Agnete Kjølsrud als Gastsängerin und Jackass-Darsteller Chris Pontius an der Gitarre macht „Loving the Dead“ als schräg psychedelischer Black n‘ Roll-Trip eine gute Figur. Agnetes Mimik ist grimmig-verrückt wie eh und je, wobei es den kruden Ausdruckstanz in Schminke und rotem Tanga, den Chris Pontuis schließlich zum Besten gibt, nicht wirklich braucht. Denn der Zusammenhang zur Musik bzw. zur Show will sich nicht erschließen. Davon abgesehen, wissen epische Stücke wie „Into the Mountains“ oder das melancholisch-melodische „From these Woods“ zu gefallen, auch wenn die sparsam züngelnden Flammen am Bühnenrand vom Tageslicht ihrer Wirkung beraubt werden.

Saxon

Biff Byford und CO. scheinen ein Fanmagnet zu sein, denn es wird sehr voll vor den Hauptbühnen als Saxon mit „Hell, Fire and Damnation“ in ihren Gig einsteigen. Das Set ist mit Klassikern der Marke „Motorcycle Man“ oder „Power and the Glory“ gespickt, was die Fans enthusiastisch abfeiern. Ein wenig skurril wirkt es aber doch als zu „Heavy Metal Thunder“ zahlreiche Kutten auf die Bühne segeln, die Biff brav einsammelt und an die Security weitergibt, mit der vorherigen Anweisung an die Fans, sie könnten ihre Westen beim entsprechenden Personal wieder abholen. Der feierfreudigen Stimmung schadet das kaum, was sich auch an der stimmlichen Freude der Fans während „Denim and Leather“ zeigt. Selbige zieht Biff zu „Wheels of Steel“ zwar etwas zu sehr in die Länge, aber der knackigen Energie des Songs schadet das freilich nicht. Mit „Crusader“ und „Princess of the Night“ liefern Saxon zum Schluss noch ein Klassiker-Doppel, das die Fans lautstark abfeiern.

Louder Stage:

Mantar

Mantar liefern mit dem Einstieg „The Berserker’s Path“ auch gleich ihr Konzertmotto mit, prügelt sich das Duo doch ungeschönt und roh durch seine krachenden Kompositionen. Dabei verausgaben sich beide Musiker erneut bis fast zur völligen Erschöpfung, was die rohe Kraft von Stücken wie „The Age Of The Absurd“ oder dem Groover „Egoisto“ umso eindrücklicher macht. Dass sich die Herren dabei selbst nicht zu ernst nehmen, lockert die anarchische Energie der Musik immer ein wenig auf und Hanno sammelt mit manch selbstironischer Ansage Sympathiepunkte (O-Ton: „…den ham‘ wir verkackt“; als die beiden einen Songeinstieg versemmeln). Als der Frontderwisch ein Zuschauerschild mit der Bitte ‚Halsgericht an den Drums spielen zu dürfen‘, mit einer gehörigen Portion Selbstironie quittiert und besagtem Fan schließlich den Song widmet, ist die Stimmung eh am Siedepunkt. Mit „Hang ‚Em Low (So the Rats Can Get ‚Em)“ und „Era Borealis“ verabschieden sich Mantar schließlich mit zwei dreckig-brutalen Hymnen, die herrlich unmittelbar ins Gebälk krachen.

Emperor

Die zwei Drumkits auf der Bühne lassen bereits im Vorfeld der angekündigten Special Show, die Emperor heute zum besten geben, vermuten, dass aktuelle und ehemalige Bandmitglieder mit von der Partie sein könnten. Zunächst ist es jedoch an der aktuellen Besetzung um Ishahn, Samoth und Trym ihren messerscharfen Black Metal in die Nacht zu feuern. Dabei erweist sich besonders das Zusammenspiel aus Licht und Musik als echtes Schmankerl, dank dem bitterböse Klassiker der Marke „With Strength I Burn“ oder der gnadenlose Opener „Into the Infinity of Thoughts“ ihre Magie heute bestens entfalten können. Der Sound ist erste Sahne und auch die mystischen Keyboardklänge schicken ihre unheilvolle Wirkung kraftvoll in die Nacht. Nach dem Ewigkeitsklassiker „Inno A Satana“ wechselt der Backdrop zum Cover der „Emperor“-EP, welche die Band im Folgenden komplett spielt. Ein Highlight dabei ist, dass Ursprungsbassist Mortiis (in seiner ikonischen Koboldmaskierung) und Ex-Schlagzeuger Faust für diesen Teil des Sets mit von der Partie sind, was die finstere Energie der Musik zusätzlich mystifiziert. Ishahns Ansagen sind derweil sympathisch und auf das Wesentliche reduziert, wobei der Mann das Kunststück vollbringt, die finstere Musik trotz seiner freundlichen Art nicht zu entzaubern. „Cosmic Keys to My Creations & Times“ beendet schließlich nicht nur die besagte EP, sondern gerät zum furiosen Finale eines Gigs, dessen finstere Stimmung am Ende durch einen Funkenregen vom Bühnendach und an der Front züngelnde Flammen angemessen ausgeleitet wird.

Bullhead City W.E.T Stage

Alcest

Alcest beschließen den Festivalfreitag mit einer verträumt-intensiven Musikreise, in die sich die Zuschauer, trotz nächtlicher Kälte, sehr schnell fallen lassen können. Dabei gefällt das Bühnenbild von Neige und Co. durch eine zentral platzierte, goldene Sonnenscheibe, die von den Cover-Vögeln des letzten Albums flankiert wird. Dank der weißen Laken, die den Hintergrund für das Licht bilden, taucht selbiges die Bühne stets in intensive Farben, die den verträumten Songs sehr gut entsprechen. Mit „Protection“ starten Neige und CO. rifflastig in ihr Set ein, wobei die eklektische Stimmung, die vor allem von Neiges Gesang ausgeht, bereits vollends zur Geltung kommt. Dass sich der Frontmann entsprechend große Reden spart und stattdessen die Musik sprechen lässt, verstärkt den natürlichen Fluss des Sets, das die Zuschauer zum kollektiven Träumen einlädt. Dabei ergänzen sich die Black Metal-Wurzeln der Band (die z.B. im verzweifelten „Écailles de lune – Part 2“ anklingen, auch weil Neige seine tragischen Schreie zum Besten gibt) jederzeit perfekt mit den filigranen Harmonien und Melodien, die eher zum träumen und schwelgen einladen. Das aktuelle Stück „L’Envol“ etwa repräsentiert diese eskapistische Haltung eindrücklich. Der verträumte Konzertrausch endet schließlich mit „Autre Temps“, bei dem die Band nochmal alle Stimmungsregister zieht und die Fans mit einem lächelnden und einem weinenden Auge zurücklässt. Fantastischer Gig!

Samstag 01.08.

Faster Stage:

Nevermore

Für nicht wenige Besucher dürfte der Nevermore Gig an diesem Wacken-Samstag der erste überhaupt, oder wenigstens der erste mit Neu-Sänger Berzan Önen sein. Insofern ist die Spannung im Vorfeld positiv angespannt. Schon zum Opener „Beyond Within“ räumt Berzan aber etwaige Zweifel daran aus, dass er der Aufgabe als Warrel Dane-Nachfolger nicht gewachsen wäre. Auch ruhigere Stücke wie „Believe in Nothing“ verströmen heute eine nicht zu verachtende Emotionalität. Allerdings scheitern Nevermore ein wenig am Total-Abriss den Orbid Culture zuvor veranstaltet haben, denn auf Dauer schleicht sich die eine oder andere Länge in die Technik-affinen Stücke der Amis. Allerdings zeigen die Musiker mit Stücken wie dem Finale „The River Dragon Has Come“, dass sie eben doch in der Lage sind, Technik und Gefühl auf einer Ebene zu verzahnen. Damit bleibt unterm Strich ein guter bis sehr guter Gig.

Airbourne

Nachdem Airbourne mit „Gutsy“ und „Too Much, Too Young, Too Fast“ in ihre Show einsteigen, bestätigt sich, was im Grunde vorher schon klar war: Die Australier liefern erneut den vollen Rock n‘ Roll-Abriss. Dieser schließt natürlich mit ein, dass sich Frontmann Joel O’Keeffe während „Raise the Flag“ auf den Schultern eines Securitys durch die Menge tragen lässt und kurz darauf eine Bierdose an seinem Kopf kaputt haut. Mit jeweils vier gespielten Songs, liegt der Fokus der Setlist auf den beiden Alben „Runnin‘ Wild“ und „Black Dog Barking“, wobei ein ein Stück wie „Hungry“ die Attitüde der Australier nach wie vor sehr gut zusammenfasst. Allerdings wirkt manches Mitmach-Spiel heute etwas zu gedehnt. Die vielen Biere, die während „Live it Up“ den Weg von der Bühne in die Menge finden, hätte es im Grunde nicht gebraucht und auch die Riff-Dudelei in „Cheap Wine and Cheaper Women“ gerät doch langwieriger als gedacht. Dass ihrer Musik dennoch das volle Party-Potenzial innewohnt, machen Airbourne mit Titeln wie „Ready To Rock“ oder dem finalen Band-Evergreen „Runnin‘ Wild“ unmissverständlich klar. Entsprechend hoch fällt der Party-Faktor auf und vor der Bühne aus.

Powerwolf

Powerwolf sind sowas wie die Band der Stunde und dürfen sich über beachtlichen Zuspruch freuen, denn die Reihen vor der Bühne stehen dicht an dicht gedrängt, als „Bless ‘em with the Blade“ und „Armata Strigoi“ mit allerlei Feuer und reichlich Enthusiasmus von der Bühne schallen. Neben den üblichen Mitsingspielen und Attilas obligatorischem ‚Vielen Dankeschön‘, zieht Interims-Gitarrist Dom R. Crey im Wolfslook zunächst die Blicke auf sich. Attila Dorn ist derweil gut aufgelegt und liefert neben dem ein- oder anderen Kalauer eine Gesangsdarbietung, die Stücke wie „Sinners of the Seven Seas“ oder „Amen & Attack“ mit der gewohnt spritzigen Energie füllt. Manches neue Showelement, wie z.B. Falk-Maria Schlegels Verbrennung auf dem Scheiterhaufen (zu „1589“), sorgt für ein wenig mehr Kitsch, aber eben auch für einen Zuwachs an Abwechslung in der Show. Attila Dorn liefert derweil seine übliche Show mit süffisant-sympathischen Ansagen, die immer wieder zum Lachen sind, gleichzeitig liefert der Mann zu perfekt inszenierten Brechern wie „Stossgebet“ (das von maskierten Fackelträgern eingeleitet wird), oder auch „Fire & Forgive“ (das passenderweise von allerlei Pyros begleitet wird) immer wieder eine stimmliche Glanzleistung ab. Die Setlist lässt derweil kaum Wünsche offen und beinhaltet alte und neue Hits gleichermaßen, zu denen sich die Fans die Lungen aus dem Leib singen. Nach dem dramatisch dargebotenen, ersten Finale „Where The Wild Wolves Have Gone“ gibt’s mit „Sanctified With Dynamite“, „Blood for Blood (Faoladh)“ und „Werewolves of Armenia“ ein mitreißendes Final-Trio, zu dem die Fans nochmal Gas geben und sich den finalen Segen von Zeremonienmeister Attila Dorn, sowie das obligatorische Feuerwerk über der Bühne mit lauten ‚Holy Wacken‘-Rufen verdienen.

Harder Stage:

Orbit Culture

Nachdem die anfänglichen Technikprobleme überwunden sind und der Opener „Death Above Life“ im Zuge dessen seinen zweiten Anlauf nimmt, legen die Schweden von Orbit Culture einen Senkrechtstart zu ihrer Wacken-Premiere hin. Titel wie „The Storm“ mobilisieren diverse Publikumsreaktion, von Klatschen über Springen, bis hin zu Circle Pits, wobei die Band bis in die Haarspitzen motiviert erscheint und sichtlich Spaß an ihrem Gig hat. Der Bass drückt zwar sehr heftig und die Chöre, oder auch manch hintergründiges, symphonisches Element kommen aus der Konserve, aber das nimmt dem Gig keineswegs seine Energie. Dass der Ansage zu springen vor „Tales of War“ entsprechend zahlreich nachgekommen wird, passt da gut ins Bild. Mit fünf von zehn gespielten Songs, liegt der Fokus auf dem aktuellen Album „Death Above Life“, aber Songs wie „North Star of Nija“, werden ebenso motiviert wie dankbar von den Fans angenommen, wie das Material neueren Datums. Dass die Lightshow derweil komplett im Licht der Sonne untergeht, ist angesichts des Zuspruchs den Orbit Culture heute erfahren eher nebensächlich. Denn zu Stücken wie „Bloodhound“ oder „Rasen“ (inklusive dankbarer Ansage an die deutschen Fans, die laut Frontmann Niklas Karlsson die ersten Menschen waren, die der Musik von Orbit Culture zugehört haben) halten sich die Fans nicht mit Crowdsurfung und dergleichen zurück. Mit „Hydra“ und „Vultures of the North“ findet die Show schließlich ein krachendes Ende, das Band und Zuschauer gleichermaßen abfeiern, sodass es eine Schande wäre, wenn Niklas Karlsson und seine Mannschaft nicht nochmal in Wacken zu Gast sein dürften.

Lamb of God

Obwohl das dröhnende Intro die Nerven doch arg strapaziert, drückt der Groove, den Lamb of God schon mit dem Opener „Ruin“ an den Tag legen, ungemein. Dabei stellt sich aber der dominant brummende Bass als ein anfängliches Manko des Gigs heraus, denn dadurch verkommen die Gitarren ein Stück weit zur Nebensache, was der Musik ihren Drive nimmt. Dass Front-Derwisch Randy Blythe die Menge derweil zu allerlei Action anstachelt, passt anfangs noch sehr gut ins Bild das die Band auch live verkörpert. Allerdings wird die Musik auf Dauer immer eintöniger, bzw. erweckt den Eindruck von stumpfem Geprügel. Die zahlreichen ‚Lamb of God‘-Chöre, die über das Infield schallen, sprechen allerdings eine andere Sprache und daher verwundert es auch kaum, dass Stücke wie „Into Oblivion“ ihrem Eindruck als perfekter Moshpit-Stoff angemessen nachkommen. Die süffisante Ansage vor „Blunt Force Blues“ (Randy widmet den Song allen, die anstatt in der Arbeit zu sein, auf das Festival fahren) wird mit zahlreichem Jubel quittiert, eher der Song den Circle Pit reaktiviert und zahlreiche Crowdsurfer auf den Plan bringt. Überhaupt feuern Lamb of God einen Kracher nach dem anderen in die Menge und bauen ihr Set clever auf. Denn mit jedem Song steigt der Adrenalinpegel an, sodass Hits wie „512“, „Walk With Me In Hell“ oder „Omerta“ zwar gleichbleibend brutal von der Bühne ballern, aber eben auch für einen gewissen Spannungsbogen innerhalb des Sets sorgen, den die Fans mit zahlreichen Gesängen dankbar annehmen. Dass das Finale „Redneck“ das Infield in gewisser Weise umpflügt, denn die Circle Pits und Moshpits nehmen unangenehme Ausmaße an, passt da auch gut ins Bild.

Arch Enemy

Der Gig von Arch Enemy wurde im Vorfeld mit Spannung erwartet, haben Michael Amott und Co. mit Lauren Hart doch eine neue Frontfrau in ihren Reihen, die zum Einstieg mit „Yesterday Is Dead and Gone“, „The World Is Yours“ und „Ravenous“ etwaige Zweifel ob ihrer stimmlichen Kraft zügig ausräumt. Derweil ist die etwas kantigere Bühnenpräsenz anfangs ein wenig ungewohnt. Alt-Fans dürfen sich aber über eine vermehrte Rückkehr von Songs mit Ex-Sängerin Angela Gossow freuen (die eine ähnliche Stimmfarbe hat wie Lauren Hart), was Stücken wie „Under Black Flags We March“ oder den heftigen Knüppler „Dead Bury Their Dead“ wieder mehr anarchische Aggression verleiht. Dass mit „To The Last Breath“ die erste eigenständige Single mit Lauren Hart am Mikro einen zentralen Platz in der Setlist findet, passte einerseits gut ins Bild, fällt andererseits aber kaum ins Gewicht, was den Song als klassischen AE-Stoff klassifiziert, der reichlich Groove und Melodie bietet. Mit „We Will Rise“ und „Nemesis“ (inklusive instrumentalem Outro „Fields of Desolation“) liefert die Band ein feuriges Finale, an dessen Ende es Ballons von der Bühnendecke regnet. Was bleibt ist ein starker Gig, der zeigt, dass Arch Enemy noch nicht am Ende ihres Weges angekommen sind.

Sabaton Als Festival-Headliner haben Sabaton sich selbst die Krux auferlegt ihrer 2019er Jubiläumshow wenigstens ebenbürtig zu bleiben. Reduziert auf eine Bühne bleiben die Schweden ihrer groß inszenierten, aber nahbaren Art treu und spielen ein mit Hits gespicktes Set, wobei sich die Trägheit, die manchen Stücken des aktuellen Albums „Legends“ innewohnt, live als wie weggeblasen entpuppt. Bis es aber soweit ist, macht das obligatorische „Ghost Divison“ den Anfang und als der Vorhang fällt, gibt er den Blick auf einen überdimensionierten Panzer, der als Drumraiser dient, frei. Es heißt also erneut klotzen, statt kleckern. Mit „Yamato“ und dem später folgenden „Bismarck“ finden zwei der besten Bandstücke, die auf keinem regulären Album zu finden sind, sehr zur Freude der Fans, ihren Weg in die Setlist und beleben das Infield mit lautstarkem Jubel. Die obligatorischen ‚Noch ein Bier‘-Rufe, gehören mittlerweile zum guten Ton und so darf sich Frontmann Joakim auch den ein- oder anderen Becher einverleiben. Allerdings steht die Musik stets im Fokus der Show, sodass das gemeinschaftliche Singen zu Stücken wie „The Red Baron“ oder „Great War“ (das mit einer Armada an Pyrotechnik in Szene gesetzt wird) zu jeder Zeit die nötige Songunterstützung hat. Dass Schlagwerker Hannes zwischendurch u.a. in Richtung Bühnendecke gezogen wird, macht optisch einiges her und tröstet darüber hinweg, dass sich die manche Albernheit der Band etwas zieht (etwa wenn darüber diskutiert wird, wer das nächste Bier ext). Mit Gänsehautsongs wie „Christmas Truce“ (das zusätzliche Bühnenstimmen auf den Plan ruft und das Infield in ein Lichtermeer verwandelt), oder „Bismarck“ untermauern Sabaton ihre Live-Qualitäten aber zu Genüge und die Fans fressen den Schweden sprichwörtlich aus der Hand. Dabei erweisen sich die Stücke des aktuellen Albums „Legends“ zum Glück als knackige Brecher, die auf der Bühne zur vollen Qualität reifen und durchaus mit Hits wie „Night Witches“ (das mit reichlich Feuer und weißem Licht dargeboten wird) mithalten können. Die Verballhornung ihres eigenen Hits „Gott mit uns“, das heute erneut in der „Noch ein Bier“-Version vorgetragen wird, ist der Band schnell verziehen, auch weil die Crowd, wie gewohnt, tanzt und singt. Thematisch ernster geht es mit „Attack of the Dead Men“ zu, bei dem Joakim in Gasmaske performt. Der mitgereiste ‘Legendary Choir‘ sorgt derweil in allen Songs für zusätzliches Volumen und Drama, das die Fans, mit dankbaren Mitmach-Aktionen honorieren. Zu „Hordes of the Khan“ und „Templars“ zündeln Sabaton mit reichlich Pyrotechnik und letztgenannter Song ruft die sprichwörtlichen Tempelritter auf die Bühne (inwiefern es zur Thematik passt, dass sich besagter Ritter Würstchen am Stock über dem Bühnenfeuer grillt, erschließt sich derweil nicht). Mit „Primo Victoria“, „Swedish Pagans“ und „To Hell and Back“ beenden die Schweden ihre Show klassisch und in typischer Hymnen-Manier, wodurch das abschließende Feuerwerk einen angemessen Soundtrack erhält.


9. Behemoth, Dimmu Borgir, Dark Funeral München Zenith 14.10.2026

Bei einem Ticketpreis von knapp neunzig Euro für drei Bands schlägt das „In League With Satan“ Tourpackage von Behemoth, Dimmu Borgir und Dark Funeral nicht als Billig-Wanderzirkus zu Buche. Dass der heutige Abend im Zenith auch nicht ausverkauft ist, verwundert daher kaum. Dass sich die Preise für Merchandise dagegen jenseits aller guten Geister bewegen (50 Euro für eine LP, 35-40 Euro für ein T-Shirt), kann im Grunde nur noch als frech oder anmaßend bezeichnet werden, denn auch wenn der Aufwand einer Tour und einer Show bezahlt werden will, derlei astronomische Preise sind nicht zu rechtfertigen. Musikalisch dagegen lässt der Abend für Black Metaller kaum Wünsche offen, denn aller drei Bands legen sich ins Zeug und liefern auf ihre Art Qualität ab. Dark Funeral eröffnen den Abend theatralischem Gruselsound-Intro, ehe „Unchain My Soul“ und „The Secrets of the Black Arts“ von der Band gewohntes Schnellfeuer bieten. Der etwas dumpfe Sound ist heute einigermaßen zu ertragen, wobei die Gitarren leider etwas leise ausfallen. Dass die Musiker allesamt keine Bühnenathleten abgeben und eher in stoischer Pose verharren verhilft den giftig-rasanten Songs zudem auch nicht unbedingt zu mehr Tiefe. Als Anheizer des Abends passen Songs wie „The Arrival Of Satans Empire“ aber gut ins Bild, wobei die plakativen „Hail Satan“ Rufe, die Frontmann Heljarmadr zwischen den Songs vom Stapel lässt, auch eher für müdes, bzw. sanftmütiges Lächeln sorgen, als aufzuheizen. Nach einer halben Stunde ist die Chose dann auch schon wieder vorbei, wobei der Applaus durchaus wohlwollend ausfällt. Dass sowohl Behemoth, als auch Dimmu Borgir Headlinerstatus besitzen, macht sich heute nicht nur an der Spielzeit beider Bands bemerkbar, sondern auch daran, dass Shagrath und CO. ihre volle Bühneninszenierung auffahren und neben diversen Fackelaufbauten zu den Seiten der Bühne, auch einige riesige Flammenkelche im Verlauf der Show entzünden, sodass das Drama der Musik optisch perfekt eingerahmt wird. Dass nach dem Opener „Ulvgjeld & Blodsodel“ vom aktuellen Album „Grand Serpent Rising“ gleich der Bandhit „Mourning Palace“ folgt, entpuppt sich als cleverer Schachzug, denn die Stimmung heizt sich dadurch merklich auf. Aber auch sperrige Kracher wie „Kings of the Carnival Creation“ und „Council of Wolves and Snakes“ verfehlen ihre Wirkung nicht. Gleiches gilt für das, immer um kleine Nuancen erweiterte, Feuerschauspiel der Norweger, das u.a. Raritäten wie „Cataclysm Children“ oder die beiden abschließenden Pflichthymnen „Gateways“ und „Progenies of the Great Apocalypse“ mit passender Optik untermauert und die Gratwanderung zwischen Black Metal-Ernsthaftigkeit und Bühnenschauspiel, das die Band vollzieht, eindrücklich untermauert. Mit einem filmischen Intro im Symbolstil ihres aktuellen Albums „The Shit Ov God“ leiten Behemoth im Anschluss ihren Gig ein, legen dann aber erstmal mit dem „Evangelion“-Death Metal-Brecher „Daimonos“ los. Mit „Ora Pro Nobis Lucifer“ lassen die Polen aber zügig ihre Hitqualität vom Stapel, ehe „Thy Becoming Eternal“ als akustisches Brutal-Äquivalent zu einem Art-Noir-Film durchaus unter die Haut geht. Nachdem der Band-Evergreen „Blow Your Trumpets Gabriel“ die Halle in kollektiv-majestätische Dunkelheit hüllt, folgt nach einer weiteren Videoinszenierung, die u.a. Szenen aus dem Musikvideo zu „I, Scvlptor“ zeigt, besagter Song, bei dem Nergal auf einem hohen Podest in theatralischer Manier posiert und u.a. mit zwei Flammenwerfern (was frappierend an Powerwolfs Attila Dorn erinnert und damit unfreiwillig süffisant erscheint). Leider sorgt der unfreiwillige Ausfall der Bühnentechnik zwischendurch für ein markantes Stimmungstief, nach dem das Venom-Cover „In League with Satan“ aber einigen verlorenen Boden wieder wett macht, auch weil Shagrath livehaftig zum Mikro greift und (ungeschminkt und in Lederweste) eine ungewohnt nahbare Performance abliefert. Mit einer völlig entfesselten und von reichlich Feuereinsatz gesäumten Darbietung von „Chant for Eschaton 2000“ beenden Behemoth ihren Gig zunächst mit aggressiver Energie, ehe das obligatorische Finale „O Father O Satan O Son!“ in voller Black Metal-Theatralik zeigt, wobei die Band kaum mit Feuer und packender Lichtschau spart. Allerdings fällt auch auf, dass der finale Monolog des Stücks diesmal aus der Konserve kommt und nicht von Nergal rezitiert wird, was der Magie des Songs ein wenig entgegenwirkt. Summa Summarum bleibt aber ein starker Gig mit kleinen Dämpfern, die auch der Grund dafür sind, dass Behemoth heute nach Dimmu Borgir und vor Dark Funeral den zweitstärksten Gig des Abends abliefern.

Dominik Maier

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