Phantom Corporation – Time and Tide

Nach dem starken Debütalbum nehmen Phantom Corporation mit „Time and Tide“ den zweiten Anlauf um die Buden eingängiger Hartmusikfans einzureißen. Titel wie „Crushed“ oder das Grindcore-Reptil „Krokodil“ eignen sich in jedem Fall bestens dazu, Kleinholz aus dem unliebsamen Mobiliar in den eigenen vier Wänden zu machen. Auf Albumlänge werkeln die Musiker diesmal etwas variabler als in der Vergangenheit und ziehen in „Pound of Flesh“ (famose Gitarrenarbeit) unvermittelt die Handbremse, nachdem sich mörderischer Doublebass-Groove breitmacht, der in seiner Intensität einer Band wie Bolt Thrower nicht unähnlich ist. „To the Hilt“ entpuppt sich derweil als derbe Crust-Klatsche, die mit ihrem Gangshout-Refrain förmlich nach einer Live-Darbietung schreit und nachdem der Titeltrack die Groovekeule schwingt, zaubert „Sorcerer“ den Hardcore-affinen Dreck in das Death Metal-Burgenland, dessen dunkle Täler u.a. von einem erstaunlich melodischen Gitarrensolo erhellt werden. Dagegen hält die Abrissbirne „For all the wrong Reasons“ der verkommenen Gesellschaft den Spiegel vor und nimmt die Stimmung der folgenden Offensive „Crisis“ vorweg (das Gaspedal wird hier durch das Bodenblech gedrückt), ehe „Western Apocalypse“ anfangs den unnachgibigen Wüterich mimt. In der zweiten Hälfte findet aber eine markante Doom-Verschleppung statt, die tiefe Furchen in das derzeitige Konsenskoma der Gesellschaft schlägt. Der kathartische Ansatz von „Time and Tide“ ist zwar eher Hooligan-Faustkampf als Gesprächstherapie, aber er ist dennoch unglaublich effektiv und ja, auch heilsam!
Dominik Maier