Mayhem – Liturgy Of Death

Mayhems Legendenstatus gründet sich seit jeher eher auf den Mysterien um die Band und ihre Mitglieder. Dennoch haben die Norweger stets Qualität abgeliefert. Dabei ließen die Musiker mal die verschrobenen Experimenteure raushängen („Grand Declaration Of War“), oder aber adelten sich zu Mitbegründern eines Genres („De Mysteriis Dom Sathanas“; sprich: Zweite Welle-Black Metal). Mit „Daemon“ konsolidierten Attila Csihar und CO. ihren Sound und „Liturgy Of Death“ führt diesen Weg nun fort. Allzu verschrobene Experimente bleiben außen vor, aber das Album ist auch kein bloßes 08/15-Copy/Paste-Werk. Vielmehr erschaffen Mayhem auch anno 2026 eine finstere, beklemmende Atmosphäre und behalten sich ein Mindestmaß an Verschrobenheit bei, was Songs wie „Realm Of Endless Misery“ oder „Propitious Death“ zu Black Metal-Perlen zwischen Glanz und Kantigkeit macht. Besonders Hellhammers Schlagzeugarbeit ist dabei nicht selten sehr kreativ, immer noch in gewisser Weise innovativ, weil unvorhersehbar und dennoch ackert sich der Mann stets songdienlich und frei von Ego-Problemen durch die Songs. Gleiches gilt für seine Mitmusiker. Sei es nun der dissonant-beklemmende Geschwindigkeitsrausch in „Life Is A Corpse You Drag“, oder das von Attila Csihar fast Hörspiel-artig eingeknurrte „Despair“; Mayhem stellen zu jeder Zeit den Song in den Mittelpunkt und setzen auf eine finstere Atmosphäre, die ihrem Black Metal-Mythos gerecht wird, ohne zu sehr in Klischees zu wühlen. Dass die Norweger dennoch hier und da aus dem eigenen Schaffen zitieren, ist kein Beinbruch, sondern vielmehr die Aufrechterhaltung der eigenen Legende, vorgetragen mit dem Selbstbewusstsein, Niemandem mehr etwas beweisen zu müssen.
Dominik Maier