1. Lorna Shore, Whitechapel, Shadow Of Intent, Humanity’s Last Breath Zenith München 31.01.2026
Das Konzertjahr 2026 könnte schlechter beginnen: Lorna Shore versprechen mit ihrer „I Felt The Everblack Festering Within Me“-Tour extremen Metal der Extraklasse und haben zur Unterstützung ein ansprechendes Bandpaket geschnürt. Den Anfang machen dabei Humanity’s Last Breath und die Schweden heizen der Menge mit einer gewaltigen Soundkulisse ein. Der verschleppte Extremsound erinnert hier und da an den Soundtrack zu einem Horrorfilm, wobei sich das vertrackte Songmaterial irgendwo zwischen Deathcore und Progressive Death Metal verortet. Langsam zehrende Grooves treffen auf manch dissonante Gitarrenarbeit, die immer wieder von kalten Elektronik-Sounds durchsetzt wird. Zusammen mit dem monoton tiefen Grollen des Sängers entwickelt die Musik eine apokalyptische Stimmung, die von der grell-flimmernden Lightshow visuell stark untermauert wird. Allerdings wirken die Songs sehr gleichförmig, sodass am Ende lediglich die apokalyptische Stimmung des Gigs im Gedächtnis bleibt. Die Umbaupausenmusik (seltsam unpassender Rap) führt im Anschluss zum Glück auf die falsche Fährte, denn Shadow Of Intent präsentieren ihren, von marginalen Electro-Effekten durchsetzten Deathcore mit bestechender Brillanz. Dabei ist nicht nur die Lightshow bereits ein Hingucker, auch die präzise Arbeit des Schlagwerkers sei hier mal stellvertretend für den fantastischen Job aller Musiker erwähnt. Dass der Frontmann darüber hinaus einen sympathischen Aggro-Goblin abgibt, stimmt in Erwartung auf den Headliner bereits fröhlich und die Stimmung in der Halle heizt sich merklich auf. Vor allem wenn die Band das Tempo anzieht und das große Orchester (leider aus der Konserve) von der Kette lässt, können Songs wie „Vehement Draconian Vengeance“, oder das Symphonic-Extrem-Drama „Infinity of Horrors“ (inklusive starken Backgroundgesängen der Saitenfraktion) mitreißen und ihre technische, sowie emotionale Brillanz voll entfachen. Überraschend starker Gig! Whitechapel setzen ihren Gig dann stilvoll und düster in Szene und präsentieren einen Backdrop, der das kultische Artwork ihres aktuellen Knalleralbums „Hymns in Dissonance“ abbildet. Musikalisches Kuscheln ist also endgültig vorbei, was auch der Einstieg mit dem Brutalo-Triple „Prisoner 666“, „Hymns in Dissonance“ und „A Visceral Retch“ mit Nachdruck untermauert. Ohne allzu viele Ansagen brüllkreischt sich Will Bozeman durch das Kracher-Set, das heute nur auf die ganz harte Keule setzt und neben dem aktuellen Album nur noch die Anfangsphase der Band berücksichtigt. Das Ergebnis sind (viel zu kurze) vierzig Minuten intensiver und schweißtreibender Aggro-Musik, die stets von einer düsteren Energie durchdrungen ist. Dass dabei bisweilen eine Menge Bewegung in die Meute kommt, passt gut ins Bild, wobei sich die Fans mit allzu rücksichtsloser Eskalation heute erfreulicherweise zurückhalten. Somit bleibt lediglich die knappe Spielzeit von vierzig Minuten als Manko zu bemerken, denn in dieser Form hätten es gerne noch ein bis zwei Songs mehr sein dürfen. Allerdings steht auch noch der Hauptact an und der lässt sich in Sachen Augenschmaus ebenso wenig lumpen, wie er sich musikalische Patzer erlaubt. Drumraiser, Backdrop und Seitenboxen sind komplett als Projektionsbildschirme aufgezogen, was die visuellen Effekte durchaus beeindruckend macht. Gleiches gilt nach wie vor für die Musik und so verwundert es nicht, dass bereits zum Eröffnungsdoppel „Oblivion“/„Unbreakable“ die Stimmung in der Halle kocht. Bezogen auf die erwähnten Effekte lassen sich Will Ramos und Co. ebenso wenig lumpen, wie in Sachen Musik. Zu „War Machine“ flimmern Bilder von Soldaten über die Bildschirme und zum ersten Breakdown zünden Rauchbomben am Dach der Bühne. Da es immer noch eine Indoor-Show ist, halten sich Lorna Shore mit Feuer ein wenig zurück, aber das schadet der Laune nicht. Will Ramos‘ energische Begrüßung wird entsprechend bejubelt, ehe „Sun//Eater“ und „Cursed To Die“ den ersten Rückblick gen „Pain Remains“ richten. Dabei fällt immer wieder auf, dass hier brillante Musiker am Werk sind, gleichzeitig kommt man als Zuschauer aber nicht umhin sich auszumalen, wie die Songs wohl mit Unterstützung eines leibhaftigen Orchesters wirken könnten. Allzu viel Zeit zum träumen bleibt aber nicht, denn mit „In Darkness“ drehen Lorna Shore nochmal an der Epik-Schraube, wobei sich speziell die Lichteffekte als starkes Element der Show herausstellen, denn das visuelle Gewitter treibt die kämpferisch-epochale Stimmung der Musik zusätzlich auf die Spitze. „Glenwood“ drückt im Anschluss erstaunlich schnell auf die Tränendrüse und das, obwohl die Kombination aus tragischem Text, melancholischen Gitarren und brachialen Grooves den Fans ordentlich einheizt. Dass der Refrain dabei gefühlt von der ganzen Crowd widerhallt, unterstreicht den emotionalen Ansatz den Will Ramos in diesem Song verarbeitet. „Prison Of Flesh“ unterbindet jedoch jedweden Anflug von Kuschelei und donnert als erbarmungsloses Musikgewitter durch die Halle. Die Visuals unterstreichen die beklemmende Atmosphäre perfekt wobei die Fans mehrere Pits und dergleichen anzetteln. Vor dem obligatorischen Finalhammer „Pain Remains 1-3“ verabschiedet sich Will Ramos kurz, aber dankbar von den Fans, die zu dem zwanzig minütigen Songtriple augenscheinlich das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen durchleben (hier wird geweint, gelacht, geschrien und vieles mehr). Dass die Band am Ende lediglich für eine einzige Zugabe auf die Bühne zurückkehrt, ist zwar mau, aber „To The Hellfire“ macht seinem Name auch heute alle Ehre und setzt die Halle sprichwörtlich in Brand. Damit bleiben an einem gelungenen Gig (neben der mauen Spielzeit) lediglich die Merch-Preise anzukreiden, denn vierzig Euro für ein T-Shirt, sechzig Euro für ein Sweatshirt und achtzig Euro für einen Hoodie sind einfach unzumutbar, noch dazu, wenn man weiß, dass bei Tour-Verkäufen weniger zusätzliche Margen (Vertrieb etc.) für den Verkauf von Merchandise anfallen. Wie es sich daher deuten lassen soll, dass die entsprechenden Stände doch einigermaßen anhaltend belagert werden, weiß der Geier.
2. Der W, Elm Street Kesselhaus München 14.03.2026
Stephan Weidner alias Der W geht wieder auf Solo-Reise (begleitet von seiner superb aufeinander eingespielten Band) und lädt zum Tanz ins lauschige Kesselhaus in München ein. Mit von der Partie sind die Australier von Elm Street, die den Fans des Frankfurter Unikats zunächst mit feinem Heavy Metal klassischer Prägung einheizen. Bei einer knappen Dreiviertel Stunde Spielzeit kommen die Besucher u.a. in den Genuss eines Covers von Judas Priests „Breaking the Law“, das, entgegen weitläufiger Meinungen zum Song generell erstaunlich frisch klingt. Aber auch das Eigenmaterial macht Laune und das nicht zuletzt wegen der Reibeisen-Krächzstimme des Frontmanns, der stilecht in Nietenweste über seine Gitarre shredded. Dass dennoch kaum ein Song wirklich nachhaltig im Ohr bleibt, ist weniger schlimm als gedacht, denn insgesamt gefällt der Gig durch das engagierte Stageacting der Musiker, bei dem der Bassist immer wieder als kleiner Bruder von U.D.O-Bassist Peter Baltes durchgehen könnte. Unterm Strich ernten Elm Street heute angemessenen Applaus, aber wirklich traurig ist auch niemand als die Band nach einer knappen Dreiviertelstunde die Bühne für den Meister räumt. Mit „Tränenmeer“ gräbt Der W direkt zu Beginn einen seiner stärksten Debütsongs aus, ehe „Meditation mit Kippe und Bier“ zum selbstkritischen Tanz anregt. Dass die Fans, textsicher wie eh und je, vom Fleck weg aus voller Kehle mitsingen, verleiht dem Gig eine familiäre Atmosphäre, die lediglich von den lauten ‘Stephan Weidner und seine Band‘-Chören unterbrochen wird. „An die, die wartet“ füllt die Halle mit nostalgischer Liebesstimmung, die sich zu „Mordballaden“ in aufgekratzter Energie umwandelt (auch weil Stephans Ansage gegen Scheinperfektion den Nagel auf den Kopf trifft). Und so geht es weiter im Programm, das mit jedem Song mehr und mehr zu einem Siegeszug für Der W wird. Das Stoner-Riffgewitter „Kosmogenesis“ geht dabei genauso unter die Haut wie das selbstreflektierte „Justitia“, bevor „Stille Tage im Klischee“ die Stimmung vollends überschwappen lässt. Mit gewitzten Ansagen zu aktuellen und persönlichen Themen wie Selbstwert oder dem Gefühl in einer Beziehung zwischen den Stühlen zu stehen, präsentiert sich Der W nahbar und emotional offenherzig wie eh und je, was Stücke wie den bedachten Groover „Haus aus Spiegeln“ zur livehaftigen Katharsis macht. Ähnlich tief wühlt „Schatten“, mit dem Stephan Weidner einen weiteren Blick zurück zu seinem 2008er Debütalbum wirft. Dabei offenbart sich immer wieder die anhaltende Klasse der Stücke, denn an Aktualität und musikalischer Qualität hat keiner der Songs etwas eingebüßt. „Machsmaulsauf“ regt als punkige Hymne gegen Konformität die Menge zum tanzen an. Dass der Refrain entsprechend lautstark durch die Halle schallt, ist dementsprechend logisch. Nachdem „Ein Lied für meinen Sohn“ balladeske Lebensfreude ausstrahlt und im Publikum für die eine oder andere Träne sorgt, geht’s mit „Mein bester Feind“ und dem „Geschichtenhasser“ wieder temperamentvoll weiter. Die Stimmung steigt immer mehr in Richtung Siedepunkt und auch die Musiker kommen aus dem Grinsen kaum mehr raus. „Mehr“ und die Fußballhymne „Gewinnen kann jeder“ sorgen sogar hier und da für den ein- oder andere fliegenden Bierbecher (vor Freude, versteht sich). Nach einer knappen Verabschiedung lässt „Urlaub mit Stalin“ als erste Zugabe sämtliche Fanchöre auf Knopfdruck anschwellen, ehe das metallisch groovende „Herz voll Stolz“ als persönliche Hymne von Der W, seiner Band und seinen Fans einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter ein fantastisches Konzert setzt.
3. Dark Easter Metal Meeting Backstage München 04.04.2026 & 05.04.2026
Ostern wird wieder dunkel und da es nach dem erfolgreichen Premierenbesuch letztes Jahr ein Unding wäre, nicht wieder mit dabei zu sein, wird auch 2026 dem Düstermetal-Osterfest beigewohnt.
04.04.2026
Koldbrann Backstage Werk
Den Norwegern Koldbrann obliegt es, das diesjährige DEMM zu eröffnen. Traditioneller Black Metal norwegischer Machart ist da nicht die schlechteste Wahl und mit Mannevond haben die Herren eine waschechte Rampensau in ihren Reihen. Mit „Ingen Skånsel“ steigen die Herren beklemmend und düster in ihr Set ein, wobei Frontmann Manevond vom ersten Ton an die Rampensau mimt und das komplette Konzert über kaum still steht. Der Sound knallt angenehm rotzig, aber doch differenziert aus den Boxen, sodass auch das markante Bassspiel zuweilen herrlich in der Magengegen wummert. Mit vier gespielten Songs liegt der Fokus des Sets auf dem aktuellen, bärenstarken Album der Norweger, wobei sich „I Unaturens Vold“ mit seinen Säge-Gitarren als erster markanter Gänsehautmoment des Tages entpuppt. Aber auch die Bandhymne „Koldbrann“ oder das angespannt-melodische „Moribund“ fluten das Backstage mit frostpunkiger Atmosphäre. Der Einstieg in das Festival hätte kaum besser ausfallen können!
Urgehal Backstage Werk
Urgehal schlagen in eine ähnliche Klangkerbe wie zuvor Koldbrann, peppen ihre Show aber mit einer Prise BDSM-Ästhetik auf. Der Opener „Goatcraft Torment“ gerät mit seinem proklamatischen Intro ‚This is satanic Black Metal‘ dann auch zum Marschmotto des Gigs. Hier gibt’s unnachgiebig und direkt eins auf die Glocke. Dass die Band ihr 2006er Album „Goatcraft Torment“ nahezu in Gänze aufführt, mag dem unbedarften Zuschauer eher egal sein. Wer aber etwas tiefer in der Materie steckt, erfreut sich an den, in Originalreihenfolge aufgeführten, Kleinoden satanischer Black Metal-Wildheit, wobei sich das groovende „Satanic Black Metal in Hell“ und das deibelige „Goatcraft Torment“ als kleine, diabolische Hits herausstellen, zu denen sich nicht wenige Besucher zu ausgelassenem Headbanging hinreißen lassen.
Vinterland Backstage Werk
Da Vinterland bisher lediglich auf ihr ‘96er Debütalbum „Welcome to my last chapter“ zurückgreifen können, kommen Freunde des getragenen, melodischen Black Metals heute in den Genuss, das genannte Album beinahe in Gänze dargeboten zu bekommen. Dabei überzeugen die Schweden durch eine getragene Atmosphäre, die zwischen Epik und Pathos pendelt, ohne, dass die Musik in Wochenend-Paganismus abdriftet. Stattdessen flutet die Musik bisweilen erhaben-frostig von der Bühne, was natürlich von der kühlen Lichtshow perfekt untermalt wird. Dass es zwischendurch kaum Ansagen oder sonstige Interaktion mit den Fans gibt hat zur Folge, dass sich die Anwesenden zügig in die episch-frostigen Kompositionen fallen lassen können, wodurch der Gig eine schwelgerische Note bekommt, die lediglich von manchen Fistraising-Momenten und ‘hey‘-Chören der Fans unterbrochen wird. Der Sound ist derweil gut und die Drums rattern angemessen kräftig, ohne die Melodien zu zermalmen, somit kann unterm Strich von einem sehr gelungenen Gig die Rede sein.
Firespawn Backstage Werk
Firespawn gedenken ihrem verstorbenen Hauptsänger LG Petrov nicht nur durch einen entsprechenden Backdrop, sondern auch durch dessen prominent auf der Bühne platzierte Kutte. Das wirkt charmant und verpasst dem groovenden Death Metal einen netten Charme von Ehrerbietung. Ob es da die Erinnerung und Dankeshymne in beinahe jeder Ansage wirklich braucht, ist aber Ansichtssache, denn vielleicht würde es auch reichen die Musik des Mannes für sich sprechen zu lassen. Aber sei’s drum, Stück wie „The Hunter“, oder der Opener „The Gallows End“ drücken mit reichlich Groove von der Bühne, wobei aber, trotz der kraftvollen Kompositionen konstatiert werden muss, dass Aktuell-Sänger A. Impaler leider kaum das Charisma und den Charme seines Vorgängers besitzt, was die Show leider ein klein wenig hölzern wirken lässt. Der Musik tut das freilich keinen Abbruch, wenn auch die anwesenden Fans bei so manchem Aufruf zur Bewegung kaum mitziehen. Trotzdem ist es schön, die Stücke nochmal im Live-Kontext zu erleben.
Blackbraid Backstage Werk
Blackbraid sind die Band der Stunde und erringen den Besucherrekord des Wochenendes. Das will gerechtfertigt sein und so wundert es nicht, dass die Herren um Frontmann Sgah’gahsowáh mit Feuereifer loslegen. Ihr traditionell gehaltener Black Metal strahlt die Native-American-Ästhetik vorwiegend mithilfe des Bühnenbilds und der Optik der Musiker aus, während sich die Songs als schnörkellose Brecher herausstellen, die live deutlich direkter und kantiger wirken, als auf Platte. Daran knüpft auch die Darbietung der Musiker an, denn allen voran der Frontmann bietet eine euphorische Performance voller Energie und Bewegungseifer. Dabei greifen Optik und Musik hervorragend ineinander, was zu einer energiegeladenen und mitreißenden Show führt, die vom ersten bis zum letzten Ton fesselt und den Zuschauerandrang rechtfertigt. Kleine Gimmicks wie ein Aktustikgitarren-Interlude in der Mitte des Sets, das der Sänger mit einer Darbietung auf einer traditionellen Flöte bereichert, sorgen für zusätzliche Tiefe und künstlerisch-ästhetische Extrapunkte. Einziges Manko ist, dass die Band zehn Minuten zu früh von der Bühne verschwindet und sich für die einzige Zugabe „A Song of Death on Winds of Dawn“ (das obendrein nur als Snipped dargeboten wird) etwas zu viel Zeit lässt. Dass sich das Backstage Werk dementsprechend etwas verfrüht zu leeren beginnt, liegt in der Natur der Sache.
Unleashed Backstage Werk
Zum Tagesfinale laden Unleashed zum Death Metal-Wikingerfeldzug, was sich die Besucher augenscheinlich nicht entgehen lassen wollen, denn es ist relativ voll im Backstage Werk. Frontmann Johnny Hedlund ist auch heute eine imposante Erscheinung, wobei er, dem Wikingerkontext der Band entsprechend zwischen Berserker und Sympathieträger hin- und herpendelt. Mit „To Asgaard We Fly“ schmeißen die Schweden gleich zu Beginn des Sets ein amtliches Pfund Groove in den Ring, wobei sich die Fans den gesamten Gig über nicht mit Bewegungsaction zurückhalten. Das verleitet den Sänger zu anerkennenden Ansagen und mancher Anstachelei, was in Stücken wie „Don’t Want To Be Born“ oder Klassikern wie dem pfeilschnellen „Hammer Battalion“ für den ein- oder anderen Moshpit sorgt. Die Setlist fällt derweil angenehm ausgewogen aus und bietet neben aktuellen Stücken wie dem atmosphärischen Schleifer „Hold Your Hammers High!“ auch zentnerschwere Groover der Marke „The Longships Are Coming“. Dass vor allem in der Arena unten die Hütte brennt zeugt vom Spaß den Fans und Band gemeinsam haben, sodass die beiden Finaltracks „Into Glory Ride“ und „Death Metal Victory“ (unterbrochen von der letzten Christenhetze „The Hunt for White Christ“) durchaus wörtlich verstanden werden können. Allerdings kann Johnnys Ansage, das Finalstück sei eine Live-Premiere, nur als Scherz oder aber als ein Trunkenheitsfettnapf interpretiert werden… vermutlich eher letzteres, denn die Form des Herren ist den Gig über adäquat.
Sakis Tolis Backstage Halle
Rotting Christ-Frontmann Sakis Tolis zieht offensichtlich auch als Soloartist eine Menge Leute an, denn die Backstage Halle ist ziemlich voll. Zur Belohnung für diesen Zuspruch serviert der Grieche ein dramatisch aufgeladenes Set zwischen epischen Stampfern wie „My Salvation“ und Gothic-affinem Black Metal, wobei sich das bisweilen sperrige „Tou Thanatou“ und das epochale „Holy Mountain“ (beides Rotting Christ-Stücke) hervorragend in die Setlist einfügen. Es darf aber auch mal flüssig grooven, allerdings täuscht ein Titel wie „Welcome to my Party“ dann doch etwas zu viel Feierstimmung vor. Denn der Song ist, trotz schmissigen Grooves, eher getragener Gothic-Black Metal, denn Tanzmusik, auch wenn die Fans zu den groovigen Songs durchaus in schwelgerische Mitmachlaune verfallen. Stücke wie das stampfende „Live with Passion – Die with Honour“ sorgen dementsprechend für zahlreich gereckte Fäuste und marschähnliche Tanzeinlagen.
Auðn Backstage Halle
Auðn liefern heute eine etwas verschrobene Mischung aus melancholischen Melodien, eklektischer Atmosphäre und giftigen Momenten der Raserei, in denen der Frontmann wie angestochen leidend brüllkreischt. Der Umstand, dass die Musiker das ganze Konzert über von hinten beleuchtet werden, verleiht der Optik einen gespenstischen Eindruck, der sich sehr gut mit der Musik ergänzt. Derweil fällt auf, dass manch progressiver Anflug in den Songs, im Live-Kontext noch etwas besser funktioniert als auf Platte, wenngleich die ganz großen Momente heute ausbleiben. Der Basssound glänzt zudem durch reichlich Druck, wodurch die Stücke mitunter wärmer und ein klein wenig zugänglicher wirken, als über die heimische Anlage. Einziges Manko ist aber das, bisweilen arg überzogene Kreischen des Frontmanns, dass zwar die Stimmung der Musik unterstreicht, aber ab und zu doch ein wenig in den Ohren schmerzt. Dass es sich zu dem Gig aber dennoch recht gut in Trübsal und Tragik schwelgen lässt, steht außer Frage.
Schammasch Backstage Halle
Schammasch dürfen sich über gehöriges Publikumsinteresse freuen, denn die Halle platzt aus allen Nähten und bereits das detailreich ausstaffierte Bühnenbild mit diversen Aufstellern und speziell designten Lampen macht einiges her. Bei fünfzig Minuten Spielzeit lediglich fünf Stücke unterzubringen, ist wahlweise magere Motivation oder aber der Länge und Detailversessenheit der Musiker geschuldet. Im Falle der Schweizer gilt eindeutig letztes, was die meditativ-rituelle Atmosphäre der Songs hervorragend unterstreicht. Allerdings ist dieser Umstand heute Fluch und Segen zugleich. Einerseits lässt es sich hervorragend und schnell in die Tiefe und rituelle Stimmung der Musik fallen, allerdings ist genau das auch ein Manko der Show. Denn obwohl diese ritualhaften Aspekte hervorragend wirken und sich auch mit der Ästhetik der Alben bestens ergänze, bieten Schammasch heute kaum wirklich markante Ecken oder Aha-Momente, die langfristig hängen bleiben würden. Die Show ist als Moment-Erlebnis hervorragend inszeniert und birgt ohne Zweifel emotionale Tiefe, aber am Ende bleibt von der Wellenbewegung der Musik wenig hängen, sodass eher der Gesamteindruck des Konzerts nachhallt, als wirklich markante Eckpunkte zu präsentieren.
Secrets Of The Moon Backstage Halle
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums ihres „Antithesis“-Albums stehen die eigentlich aufgelösten Secrets Of The Moon heute mit Original-Drummer Thelemnar und Bassist Daevas auf der Bühne und spielen ihr 2006er Album komplett. Allerdings betont die Band bereits im Vorfeld der Show, dass es sich bei dem Gig lediglich um ein einmaliges Event handelt und es explizit keine Reunion geben wird. Inwieweit das der Glaubwürdigkeit der Herren schadet oder nicht, sei hier mal dahingestellt, denn das Konzert kann sich sowohl sehen, als auch hören lassen. Abzüglich von Intro und Outro entfachen sG und seine Mitstreiter die boshafte Stimmung des Albums auch live und bevor am Ende „Lucifer Speaks“ mit C.S.R von Schammasch als Gastsänger veredelt wird, fluten finstere Brecher wie „Ordinance“ mit beeindruckender Wucht in die Halle, sodass sich etwaige Zweifel im Handumdrehen in Luft auflösen. Der Sound wird nach anfänglichen Scharmützeln schnell besser und so kommen die anwesenden Besucher in den Genuss einer emotional und musikalisch packenden Show einer der eigenwilligsten, heimischen Black Metal-Bands, die sich den, am Ende anhaltenden, Applaus im wahrsten Sinne erspielt und verdient hat.
Kyi Backstage Club
Den ersten Clubtag eröffnen die deutsch-österreichischen Szene-Neulinge von Kyi. Mit lediglich einer EP im Rücken („Vargant Circle“ von 2025) haben die Musiker von Anfang an leider mit etwas breiigem Sound zu kämpfen, was den abgehackt-punkigen Stücken leider etwas zum Verhängnis wird. Dass die Frontfrau zuweilen angestrengt hysterisch keift, während sich ihr männlicher Gegenpart manch kruden Klar-Ton aus den Rippen leiert, wirkt zunächst interessant und leicht verschroben. Dieser Eindruck wird von der leicht bekleideten Tänzerin, die sich immer wieder mit Kunstblut beschmieren lässt unterstrichen. Der Sound ist gut und die Musik strahlt einen eigenwilligen Charme aus, der zuweilen über die etwas holprige Performance der Band hinwegtäuscht. Ob es Gimmicks wie das Kunstblutbad der Tänzerin wirklich braucht ist aber, wie so oft, Geschmackssache. Nach fünfzig Minuten Spielzeit scheinen die Besucher auf jeden Fall mehrheitlich zufrieden aus der Halle zu strömen.
05.04.2026
Lik Backstage Werk
Den Konzerttag mit klassischem Schweden-Death Metal zu beginnen, ist eine feine Sache und so eignen sich Lik dann auch perfekt um etwaigen Feierbiestern den Restkater des Vorabends aus dem Leib zu drücken. Mit sympathischen Ansagen und reichlich Kumpel-Charme zocken sich die Herren durch Brecher wie „War Praise“ oder die Gore-Arzthymne „Dr. Duschanka“. Dabei braten die Gitarren in bester Schweden-Death Manier aus der Hallenanlage, wobei der generelle Sound des Gigs vortrefflich ausfällt. Die Band ist bestens aufgelegt, was sich in manch amüsanter Ansage widerspiegelt und die Fans zusätzlich zur Bewegung anstachelt. Auf jeden Fall kocht die Arena als kleiner Hexenkessel, sodass die fünfzig Minuten Spielzeit wie im Flug vergehen.
Enthroned Backstage Werk
Dass Enthroned direkt im Anschluss an Thron aufspielen, lässt fast an ein bewusstes Easter-Egg denken, dass der sprichwörtliche Funke heute aber nicht so recht überspringen will, ist wohl eher nicht der eigentliche Plan der Band. Musikalisch ist das durchweg auf Schnelligkeit ausgelegte Material sicher nicht schlecht und der offensiv satanisch ausgelebte Black Metal der Herren wird alles andere als lieblos dargeboten, allerdings fehlt es den Songs an Abwechslung. Das führt leider bereits nach zwei, drei Stücken zu Anflügen von Eintönigkeit. Nichtsdestotrotz feiern einige beinharte Fans im vorderen Drittel der Halle ihre Helden ohne Unterlass ab, das kann aber auch nichts daran ändern, dass sich das Werk im Verlauf des Gigs merklich leert.
Thyrfing Backstage Werk
Mit ihrem atmosphärischen Pagan Metal fallen Thyrfing ein wenig aus dem stilistischen Rahmen, des diesjährigen Dark Easter Metal Meeting, was der Qualität des Konzerts aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, Jens Ryden und seine Mannschaft machen sowohl optisch (blutverschmierte Lumpenkleidung), als auch mit ihrer Musik einiges her. Der von einer kitschfrei-bedrückenden Stimmung lebende Pagan Metal der Herren geht vom ersten Ton an unter die Haut und auch in Sachen Optik lässt sich die Band nicht lumpen und fährt sogar Videoleinwände für stimmungsvolle Einspieler auf. Einziger Nachteil der Show ist, dass es doch sehr dunkel in der Halle ist und die Bühne fleißig eingenebelt wird, sodass die Musiker in vielen Momenten nur schemenhaft zu erkennen sind. Der Musik tut das freilich keinen Abbruch und in gewisser Weise unterstreicht dieser Umstand sogar die urwüchsige Atmosphäre des Gigs. Dass allerdings die Lautstärke zunehmend zum Problem wird (ohne Ohrenstöpsel dröhnt die Musik doch arg penetrant in den Ohren), dürfte ein erheblicher grund dafür sein, dass der ein- oder andere Besucher das Backstage Werk frühzeitig verlässt. Davon abgesehen liefern Thyrfing aber ein stimmungsvolles Konzert kitschfreien Pagan Metals ab, das zurecht anhaltenden Applaus nach sich zieht.
1914 Backstage Werk
Dass die Ukrainer von 1914 schon nach einem Song offensiv Partei für ihr Land im Kontext der Russland/Ukraine-Thematik ergreifen, ist zwar fehl am Platz, aber es verwundert kaum. Dass die erste Ansage aber dazu aufruft, die Ukraine bedingungslos zu unterstützen, denn sonst wäre der Rest von Europa dem Untergang geweiht, zeugt allerdings kaum von geopolitischem Verständnis, ebenso wenig hat es etwas im Kontext eines Konzerts verloren. Dass das Gros der Besucher derlei Ansagen aber mit lautem Jubel quittiert, zeugt nun auch nicht vom umfassenden Informationsstandart der Anwesenden. Naja…davon abgesehen trifft der angeschwärzte Death Metal der Herren die textliche Thematik (es dreht sich zuvorderst alles um den Ersten Weltkrieg) aber sehr gut. Der Sound drückt nicht zu sauber von der Bühne und auch die optische Inszenierung mit Dreck, Soldatenuniformen im einfachen Stil des Ersten Weltkriegs, sowie die über die Leinwand eingespielten Visuals sorgen für eine beklemmende und dichte Stimmung, welche die in den Texten angesprochene Realapokalypse stimmig und intensiv in Musik verpackt. Aus musikalischer Sicht ein Highlight des Wochenendes.
Triptykon Backstage Werk
Als Tagesheadliner widmen sich Tom G. Warrior und seine Mitstreiter dessen Schaffen mit Celtic Frost, bzw. speziell dem Album „Monotheist“, das sie in Gedenken an Martin Eric Ain zu einem Großteil aufführen. Mit „Progeny“ gerät der Einstieg in das Konzert gar zu einer Premiere, ist es doch das erste Mal, dass Triptykon den Song live spielen. „Ground“ und „A Dying God Coming Into Human Flesh“ fluten im Anschluss gar noch ein wenig destruktiver und erbarmungsloser ins Backstage. Dass der Sound für derlei Extrem-Musik reichlich drückt und knackig aus den Boxen tönt, ist des Headliners ebenso würdig, wie die bodenständigen Ansagen von Tom heute Abend ehrliche gute Laune verbreiten. Dass Gitarrist V. Santura sich gar zu einer Live-Premiere in Form einer eigenen Ansage (‘Servus Minga!‘) hinreißen lässt, unterstreicht den Spaßfaktor der hier auf der Bühne, trotz der finsteren Musik, vorherrscht. Einzig die zwischen den Songs immer wieder in die Länge gezogenen Intros sorgen für kleine Durchhänger in Sachen Stimmung. Allerdings drücken Stücke wie „Goetia“ oder der Celtic Frost-Klassiker „Circle of the Tyrants“ umso erbarmungsloser von der Bühne in die Halle. Dass die Fans die Show mit reichlich Applaus und manch Trance-artigem Wiegen in der finsteren Musik, quittieren unterstreicht den Klasse-Auftritt der Band.
Grave Backstage Werk
Die Rausschmeißer des Tages heißen heute Grave und die Schweden lassen sich nicht lumpen und spielen ein Old School-Set, das sich auf ihre beiden Frühwerke „Into the Grave“ (1991) und „You’ll Never See…“ (1992) beschränkt. Zusätzlichen Seltenheitswerk bietet das heute zum ersten Mal überhaupt in der knapp vierzigjährigen Bandkarriere, komplett gespielte „Black Dawn“-Demo der Vorgängerband Corpse. Dass Konzertmotto lautet dementsprechend eher ‘stumpf ist Trumpf‘, wobei sich speziell die langsam groovenden Momente der Songs als energiereich erweisen. Dass die Stücke mit ohrenbetäubender Lautstärke aus den Boxen krachen, könnte unvorbereiteten Zuschauern (keine Ohrenstöpsel) den Gig aber doch etwas vermiesen, denn, je nach Position, schmerzt das Gebretter dann doch etwas in den Ohren. Frontmann Ola, versprüht derweil einen ganz eigenen Charme und outet sich als Triptykon-Fan, dem mit dem vorherigen Gig der Schweizer ein Kindheitstraum erfüllt wurde. Derlei Kumpel-Attitüde entschädigt für den lärmenden Sound und sorgt wohl auch dafür, dass sich auch zu später Stunde noch zahlreiche Fans den Death Metal Finalschlag abholen.
Thron Backstage Halle
Mit ihrem Gig in München sorgen Thron für eine Premiere, haben es die Baden-Württemberger Black Metaller doch bisher nicht in die bayrische Hauptstadt geschafft, was den Andrang zu früher Festivalstunde (zum Teil) erklärt. Bei voller Hütte liefert die Band eine engagierte Show, die vor allem von schnellen Brechern wie „The Prophet“ lebt. Dass manch melodische Feinheit oder das ein- oder andere filigrane Gitarrensolo, das die Songs auf Platte auszeichnet, heute eher untergeht stört den Gesamteindruck des Gigs kaum. Denn erstens überzeugen die Musiker durch eine dezent wilde Aura, die ganz entfernt in Richtung Watain schielt (ohne deren Ausnahmestellung anzukratzen) und zweitens haben die Songs allesamt Biss und sind von einer melodischen Kraft erfüllt, die vom ersten Ton an mitreißt. Der Applaus am Ende wirkt dementsprechend euphorisch.
Décembre Noir Backstage Halle
Nach dem Black Metal-Speed-Inferno von Enthroned im Werk eignet sich der melancholische Death-Doom von Décembre Noir bestens um das Gemüt abzukühlen und sich in den tieftraurigen Melodien der Erfurter fallen zu lassen. Allerdings überraschen die Herren zuweilen durch einen gehörige Portion Aggression, die besonders in den herrlich voluminösen Growls des Frontmanns ans Tageslicht tritt. Wie als Unterstützung dazu drückt der Groove hier und heute kräftig in die Magengegend, sodass sich die anfängliche Trauerweidenstimmung doch mehr und mehr zu einem Mischmasch aus Melancholie und Aggression wandelt. Nichtsdestotrotz bieten die Thüringer eher Musik für schwelgerische Gemüter. Dass es den Herren damit gelingt eine Art herbstlich andächtige Stimmung in die Halle zu zaubern bekräftigt die Qualität des Gigs, nach dem der Applaus angemessen laut ausfällt.
Ruïm Backstage Halle
Dass hinter Ruïm ex-Mayhem Gitarrist Rune „Blasphemer“ Eriksen steckt, der dieses Projekt heute erst zum sechsten Mal überhaupt auf die Bühne bringt, begünstigt den Publikumszuspruch ungemein. Nach einem verschrobenen Intro im Chanson/Barmusik-Stil entfachen die Musiker eine Achterbahnfahrt progressiver Black Metal-Wahnsinnsmusik, die ohne aufgesetzte Gimmicks durchdringend diabolisch wirkt. Da hätte es die Dreizackaufsteller an den Bühnenseiten gar nicht gebraucht. Als für die beiden Mayhem Cover „I Am Thy Labyrinth“ und „Fall of Seraphs“ Enthroneds Nornegast als Gastsänger mit auf die Bühne kommt passt sehr gut ins Bild, ergänzt sich dessen dreckig-deibelige Art doch hervorragend mit den präzise scharfkantigen Kompositionen. Zusätzlich dringt die Atmosphäre der Musik, die stets komplex und dicht wirkt, dabei aber immer im richtigen Maß fasziniert und mitreißt, auch bis in den letzten Hallenwinkel vor. Was zur Folge hat, dass dieser Gig am Ende zurecht lautstark honoriert wird.
Ponte Del Diavolo Backstage Club
Die Italiener Ponte Del Diavolo haben zuletzt durch ihr bärenstarkes Album „De Venom Natura“ auf sich aufmerksam gemacht, umso schöner ist es da, dass sich doch einige Besucher die Show im kleinen Club nicht entgehen lassen wollen. Erster Blickfang dabei ist das Bassisten-Duo mit dem die Band auftritt. Für den zweiten Blickfang sorgt Sängerin Erba del Diavolo, die ihren lasziv-koketten Ausdruckstanz mit ebensolchem Spiel mit ihrem Mikrofonständer unterstreicht, ohne lächerlich oder überzogen zu wirken. Dass die Show in ihrer Gesamtheit wie eine Art Gothic-Black Metal-Romanze wirkt, bei der alle Anwesenden sichtlich Spaß haben lässt die Stimmung in dem kleinen Club immer mehr anschwellen, wobei sich Band und Fans bisweilen in einen süßen Rausch spielen. Dass zum abschließenden Bauhaus-Cover „In the Flat Field“ mehrere Anwesende das Tanzbein schwingen, zeugt von der euphorischen Energie, die der Gig erzeugt. Highlight!
Hail Spirit Noir Backstage Club
Die Psychedelic Black Metaller von Hail Spirit Noir präsentieren heute Abend gleich ein Doppel-Debüt. Zum einen ist es die erste Show der Band in Bayern und zum anderen tritt Neu-Frontmann Arne Vandenhoeck heute sein Live-Debüt an. Der mit reichlich tanzbaren Grooves versehene Avantgarde-Trip der Griechen macht live eine Menge Spaß und wirkt, trotz vieler tanzbarer Grooves und reichlich psychedelischen Keyboard-Spielereien erstaunlich entspannend. Da kann sich der Frontmann noch sehr die Seele aus dem Leib keifen, zwischen verschrobenen Drone-Einlagen und dreckig-rockigem Black Metal, lässt es sich hier ganz hervorragend in eine Art Entspannungs-Trance fallen. Feingeistige Titel wie „The Cannibal Tribe came from the Sea“ bringen Space-affine Hammond-Sounds und meditative Gitarrenmelodien zusammen, wodurch sich ein verschrobenes Mischmasch ergibt, das gut wirkt, aber leider einige Hürden meistern muss. Eine gerissene Gitarrensaite ist schließlich kaum ein geplantes Gimmick, dass dieser Umstand aber gar nicht so sehr ins Gewicht fällt wie vielleicht erwartet unterstreicht den Sound als Psychedelic-Osterei, das den musikalischen Plan in unplanbarem Charme sucht, doch ganz gut. Trotz alledem macht der Gig heute unversehens viel Spaß.
4. Kreator, Carcass, Exodus, Nails Zenith München 11.04.2026
Kreator laden zur „Krushers of the World-Tour“ und haben mit den englischen Deathgrindern Carcass, sowie Exodus und Nails ein ansehnliches Package an Supportbands geschnürt. Mit knapp fünfundsiebzig Euro Ticketpreis ist der Gig zwar nicht unbedingt günstig, aber gemessen am Billing und der gebotenen Qualität der Shows, akzeptabel. Dass das Zenith leider weit davon entfernt ist, ausverkauft zu sein (der hintere Teil der Halle wird sogar mit einem Vorhang abgehängt), gibt im Vorfeld dann leider doch ein etwas trauriges Bild ab. Die amerikanischen Grindcore/Hardcore-Rabauken von Nails legen um Zwanzig nach Sechs Uhr unvermittelt los und rotzen ihre knappen Brutalo-Attacken in herrlich derber Manier von der Bühne. Der ästhetisch-dreckige Sound tönt nicht zu sauber und die Gitarren braten dermaßen giftig aus den Hallenboxen, dass es eine Freude ist. Mit knappen, aber dankbaren Ansagen sammeln die Herren außerdem Sympathiepunkte, da ändert auch die dezente Pöbellaune der beiden Brüllaffen nichts. Dass zu den ungeahnt groovebetonten Songs bereits ein wenig Bewegung in die anwesende Meute kommt, honoriert diese mit einer energischen Show, die am Ende mit wohlwollendem Applaus quittiert wird. Dass mit Exodus bereits die zweite Band des Abends auf dem Programm steht, untermauert die Qualität des Billings, streichen Gary Holt und Co. anderswo doch zurecht den Headlinerslot ein. Als dann Queens „We Will Rock You“ als Intro erklingt, geht auch ein entsprechender Ruck durch die Halle und ein Gros der Anwesenden macht bei dem Song freudig mit. Zum Opener „3111“ brät der Sound dann dermaßen fett und knackig von der Bühne, dass es eine helle Freude ist. Bei einer Dreiviertelstunde Spielzeit und starkem neuen Album im Gepäck fällt bei der Setlist zwangsläufig etwas hinten runter. Sodass „Bonded by Blood“ heute bereits an zweiter Stelle im Set auftaucht. Rob Dukes ist gut bei Stimme, hält sich in seinen Ansagen aber erstaunlich zurück, sodass die Forderung nach dem größten Pit, den die Halle je gesehen hat (vor „Toxic Waltz“, inklusive als Intro angespielter Slayer-Huldigung „Raining Blood“) die einzige verbale Aggression des Herren bleibt. Das mörderisch groovende Bassintro zu „Goliath“ sorgt für laute ‘Exodus‘-Chöre und der Song entpuppt sich als mächtig drückendes Highlight des Sets, das am Ende lediglich von „Strike of the Beast“ getoppt wird. Hier lassen sich die Fans dann doch noch zu reichlich Action hinreißen und zetteln mehrere Moshpits an. Guter Gig! Ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn die Amis ihren Slot mit den folgenden Carcass getauscht hätten, ist aber eine Frage die berechtigt ist. Denn angesichts des Headliners können die Engländer die Energie ihres Vorgängers ebenso wenig halten, wie sie zu Mille und CO. aufschließen können. Aber geschenkt, zu groovigen Deathgrind Stücken wie „Buried Dreams“ oder dem Opener „Unfit for Human Consumption“ dreht der erste kleine Pit des Konzerts zügig seine Runden. Dass der Sound ordentlich drückt, aber nicht zu laut scheppert, ist dem Gig zuträglich, wenngleich das Fehlen sämtlicher Melodien, bzw. wirklich markanter Riffs die Show leider nicht ganz so mitreißend werden lässt, wie die anderen Konzerte des Abends. Stücke wie „Dance of Ixtab“ oder der Bandklassiker „Heartwork“ werden aber dennoch adäquat bejubelt, sodass auch Carcass heute zufrieden von der Bühne gehen. Kreator klotzen im Anschluss, was schon die Visuals diverser kämpferischer Auseinandersetzungen aus diversen Epochen der Menschheit, die zum Introsong „Eve of Destruction“ von Barry McGuire über den Bühnenvorhang flimmern. Als zu „Seven Serpents“ dann der Vorhang fällt, gibt er den Blick frei auf einen gigantischen Dämonenkopf im Zentrum des Bühnenbilds. Die von der Decke hängenden und LED-Petruskreuze machen genauso viel her, wie die Lynchpuppen, die daneben baumeln, während der Drumraiser wie eine gigantische Klaue aussieht. Aber auch musikalisch lassen die Essener heute nichts anbrennen und so geraten die Fan-Huldigung „Hail to the Hordes“ oder der Brecher „Enemy of God“ (inklusive kurz angespieltem „Coma of Souls“-Intro) zu einem rauschenden Thrash Metal-Fest, das diverse Pits nach sich zieht. Zu „Satanic Anarchy“ erfüllen die leuchtenden LED-Kreuze die Bühne mit sinistrer Stimmung, während der Song bei bestem Sound von der Bühne donnert. Generell fällt heute mal wieder auf, dass es Kreator wie kaum eine andere Band ihres Kalibers verstehen, brachialen Thrash Metal mit Ohrwurm-Hooklines zu verbinden, die jedes Mal lautstark durch die Halle schallen. Dennoch ballern Stücke wie „Hate Über Alles“ oder der Old School-Klassiker „Betrayer“ heute energisch und brachial von der Bühne. Dass da diverse Crowdsurfer nicht allzu lange auf sich warten lassen, passt gut ins Bild. Gleiches gilt für den ein- oder anderen Moshpit, der sich zu Klassikern wie „People of the Lie“ oder „Betrayer“ entwickelt. Das größte Hymnenpotenzial liegt aber in den Stücken neueren Datums, wie das von allerlei Flammen am Bühnenrand unterstützte „Krushers of the World“ oder „Satan is real“ untermauern. Zwischendurch streuen die Essener noch „Hordes of Chaos“ ein und sorgen damit für einige sehr explosive Moshpits, die das Knüppelpotenzial der Musik passend zum Ausdruck bringen. Für den ein- oder anderen Kostümgag ist sich Mille dann auch nicht zu schade und so tauscht er für „Loyal to the Grave“ die Gitarre gegen schwarze Flügel, während er die Halle im Refrain zum Gemeinschaftsgesang dirigiert. Für „Tränenpalast“ gesellt sich Gastsängerin Britta Görtz mit auf die Bühne und sorgt mit ihren brutalen Growls für zusätzlichen Druck, ehe „Endless Pain“ für alle ‘Oldschool-Metalheads‘ angekündigt wird. Dass die Halle an einigen Stellen sprichwörtlich explodiert (Moshpits und dergleichen), zeugt von der Feierlaune der Fans, die sich zum folgenden ersten Finale „666 – World Divided“ nochmal an reichlich Pyros erfreuen können. Mit „Violent Revolution“ und „Pleasure to kill“ fordern Kreator dann die letzten Kraftreserven der Fans, die sich mit Moshpits und einer letzten Wall of Death auch nicht zurückhalten. Mit knapp eineinhalb Stunden Spielzeit, bleibt zwar der Eindruck, dass hier vielleicht doch noch ein, zwei Stücke drin sein hätten können, was der Qualität des Gigs und des Abends generell aber keinen Abbruch tut. Schön war’s.
5. Bavarian Battle Open Air, Kirchdorf bei Haag 05.06.2026 & 06.06.2026
In der bayrischen Pampa findet seit nunmehr zwanzig Jahren das Bavarian Battle Open Air statt. Mehr oder weniger abgeschnitten von der Außenwelt treffen sich im beschaulichen Kirchdorf bei Haag ein paar hundert Metalheads um zwei Tage lang allerlei Hartmusik zu lauschen. Überwiegen seit jeher vor allem düstere und härtere Klänge (Headliner dieses Jahr sind z.B. Österreichs Post-Black Metal-Könner Harakiri for the Sky) finden sich aber auch klassischer Rock n‘ Roll/Hard Rock oder Gothic Metal im Line Up. Dieses Jahr kommt es zwar immer wieder zu zeitlichen Verschiebungen im Timetable, aber ein Pluspunkt ist, dass alle Bands ihre volle Spielzeit ausschöpfen dürfen, auch wenn sich damit die Gesamtspielzeit nach hinten verzögert. So muss das sein.
05.06.2026
Inanis:
Die noch relativ jungen Black Metaller Inanis genießen als Festival-Opener sozusagen Heimvorteil, kommen die Herren doch aus Schwabmünchen und haben somit keine allzu lange Fahrt ins bayrische Kirchdorf. Mit Corpsepaint und allerlei Knochenverzierungen am Mikrophon bedienen die Musiker sicherlich auch das klassische Black Metal-Klischee und auch das beständige Umherfuchteln des Sängers mit einem Petruskreuz passt zu diesem Bild. Musikalisch macht die Band aber eine sehr gute Figur. Atmosphärischer Black Metal mit melancholischen Melodien steht auf dem Plan und die Musiker liefern eine engagierte Performance. Einziges Manko, neben dem Tageslicht ist der Umstand, dass der Bass konsequent viel zu laut aus der Anlage dröhnt und somit die (durchaus vorhandenen) Melodien zu einem Großteil schluckt. Dennoch: Als Festivaleinstieg macht der Gig Laune und erntet entsprechend Applaus.
Abyss:
Nachdem sich der Soundcheck um ein paar Minuten verzögert stehen mit Abyss bayrische Underground-Veteranen auf der Bühne, die mit ihrem von Melodien durchsetzten Black-Death eine gute Figur machen. Allerdings scheppern Schlagzeug und Bass durchweg sehr laut, was die Gitarren bisweilen den Kopf, bzw. die Höhen kostet. Davon abgesehen liefern die Musiker aber eine saubere Performance, ohne viel Schnickschnack ab. Manch melodisches Intro aus der Konserve sorgt für eine leicht dramatische Stimmung, was die Stücke insgesamt auflockert. Denn mit zunehmender Spielzeit wirken die Songs relativ ähnlich komponiert und arrangiert, sodass sich immer mehr Eintönigkeit einstellt. Als Glücksgriff stellt sich dabei das Crust-affine Brüllen des Gitarristen heraus, denn damit erzeugt der Mann eine zusätzliche Spannungsebene, die speziell manch doomig-verschleppter Nummer gut zu Gesicht steht.
Warfield:
Warfield dagegen lassen zunächst ewig auf sich warten und nehmen sich dann für den Soundcheck nochmal gefühlte zwanzig Minuten Zeit. So lässt sich auch Zeit schinden. Als es dann endlich losgeht, macht die aggressiv-hysterische Darbietung des Trios zunächst wirklich Laune und die Fans lassen sich zügig zu dem ein oder anderen Circle-Pit hinreißen. Allerdings schleicht sich mit der Zeit doch auch eine gewisse Gleichförmigkeit in die Show und die Songs ein, sodass vor allem der hysterische Gesang etwas zu nerven beginnt. Dass sowohl manche Gestik des Frontmanns, als auch die Kompositionen arg in der Klischeekiste wühlen, ist ein Umstand den es zu verschmerzen gilt, denn eine gewisse Energie ist den Musikern nicht abzusprechen. Dass am Ende auch noch eine Wall Of Death eingefordert wird, passt dementsprechend gut ins Gesamtbild.
Antipeewee:
Nachdem ihre Vorgänger zwanzig Minuten überzieht, starten Antipeewee mit fünfzehn Minuten Verspätung in ihr Set. Dass die Band mit schwarzen Kutten (bzw. im Falle des Sängers einer roten Kutte) bekleidet zu orchestralem Konservensound die Bühne betritt, erschließt sich im Gesamtkontext der Show nicht, denn es steht zackiger Thrash Metal auf dem Programm, der letzten Endes in ebensolcher Szenekleidung (T-Shirt und Jeans) dargeboten wird. Auch hier machen sich zwar einige Soundprobleme breit (der Bass ist konsequent zu laut und die Gitarren gehen dabei allzu oft unter), allerdings schadet das der Feierlaune der Fans nicht, denn in den vorderen Reihen fliegen eine Menge Haare durch die Luft. Für die Metallica-Hommage am Ende der Show gibt’s derweil zusätzliche Sympathiepunkte und auch der Großteil der übrigen Fans nimmt den Gig mit dankbarer Bewegungsfreude an.
Groza:
Zwanzig Minuten zu spät starten Groza im Licht der untergehenden Sonne in ihr Set. Damit haben die Musiker einen top-Slot im Spielplan des Festivals erwischt, denn die Stimmung des Abends passt hervorragend zu den melancholisch-aggressiven Stücken der Bayern. Bei bestem Sound erzeugt das Gesamtbild aus Bühnendeko, Kapuzen-Schau der Musiker und natürlich der melancholisch-aggressiven Musik eine fatalistische Stimmung, die heute kaum treffsicherer sein könnte. Nach dem Intro „Soul : Inert“ legt die Band mit „Asbest“ energisch los und die Musik erzeugt von Anfang an eine eklektische Stimmung, in die es sich hervorragend fallen lässt. Mit vier von sechs gespielten Songs, liegt der Fokus auf dem aktuellen Album „Nadir“, wobei das gesamte Material sehr stimmig wirkt und alle Songs hervorragend miteinander harmonieren. Ansagen wie ‘Prost, Bavarian Battle, mia san dahoam‘ (Groza kommen aus Mühldorf) zeugen zudem von der Wohlfühlatmosphäre des Festivals für Fans und Bands. Die Spielfreude ist der Band anzumerken und als zum letzten Song „Daffodils“ (der Song wird dem verstorbenen Ex-Bassisten der Band gewidmet) auch noch J.J. von Harakiri for the Sky für einen Gastauftritt auf die Bühne kommt, ist die fatalistische Feierstimmung (fast) vollkommen.
Heretoir:
Heretoir profitieren schließlich davon, dass es mittlerweile dunkel ist, wodurch die Lightshow sehr gut zur Geltung kommt und den melodisch-melancholischen Post-Black Metal der Augsburger perfekt in Szene setzt. Ohne große optische Gimmicks erzeugt die Musik eine Tiefe, die immer wieder von Verzweiflung durchdrungen ist. Dabei ist der Frontmann hervorragend bei Stimme und schreit ebenso voller Schmerz, wie er seine melancholische Klarstimme präsentiert. Die stilvollen Melodien kommen jederzeit perfekt zur Geltung und überhaupt ist der Sound sehr differenziert, sodass Stücke wie das verschleppte „Wastelands“ markanter als erwartet unter die Haut gehen. Der Aktivposten der Show ist heute Abend Frontmann Eklatanz, der, neben seiner einwandfreien Darbietung an Gitarre und Stimme, seine langen Dreadlocks wie Peitschen durch die Luft headbangt und sich generell in seiner Präsenz auf der Bühne vollends zu verausgaben scheint. Dass diese Darbietung in Kombination mit der eindringlichen Musik für mehr als einen emotionalen Moment sorgt, macht die Band zu einem passenden Co-Headliner des Abends.
Harakiri for the Sky:
Harakiri for the Sky spielen als Festival-Headliner und anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ihres Albums „III: Trauma“ eine spezielle „Reliving The Trauma – Exclusive 10 Year Anniversary“-Show. Der Backdrop ist also entsprechend des Albumcovers weiß gestaltet und davor prangt ein „HFTS“-Logoaufsteller, der in unterschiedlichen Farben einen Großteil der Bühnenbeleuchtung ausmacht. Dass es hier, letztendlich eine halbe Stunde zu spät losgeht, ist zu verschmerzen, dürfen doch auch JJ und MS ihre volle Spielzeit auskosten. Dass die Setlist zudem die Tracklist des dritten Albums nahezu originalgetreu wiedergibt (lediglich „Bury Me“ und „Dry The River“ werden in ihrer Abfolge vertauscht) ist zudem ein nettes Gimmick, das den Jubiläumsgedanke der Show untermauert. Der Sound ist sehr gut, allerdings tut sich im Live-Kontext auch ein kleines Manko des Liedguts der Österreicher auf. Denn so sehr die Songs im Original unter die Haut gehen, so dünn verläuft im Live-Kontext die Trennlinie zwischen schmerzlichem Drama und verträumtem Schlafpotenzial. Noch dazu weil sich JJ Ansagen beinahe komplett spart und lediglich durch die Musik spricht, vermag selbige arg melancholisch bis einschläfernd zu wirken. Dass sich außerdem kaum ein spezielles Stück wirklich aus der Setlist heraushören lässt, zeugt einerseits vom konsistenten Songwriting, das HFTS an den Tag legen, andererseits lullt die herzzerreißende Stimmung den Zuschauer dennoch beinahe zu sehr ein. Unterm Strich bleibt das musikalische Trauma zum Glück aus, denn der Gig reißt mit und geht doch mehr und mehr ans Herz, wodurch sich Harakiri for the Sky als würdiger Festival-Headliner behaupten.
06.06.2026
Ascendancy:
Bei frühlingshaftem Sonnenschein dürfen die Münchner von Ascendancy als erste Band des Tages ran um die Besucher des BBOA für den zweiten Festivaltag auf Betriebstemperatur zu bringen. Der hörbar von Iron Maiden beeinflusste Sound der Münchner eignet sich dafür sehr gut und die Spielfreude der Herren ist ansteckend. Wie der Frontmann verkündet spielt die Band heute ihren ersten Open Air Gig überhaupt und schlägt sich dafür mehr als wacker. Optisch wühlen die Musiker ebenso stark in der Kleiderkiste der Achtziger, wie sie ihre Musik mit mehr als einem NWOBHM-Zitat jener Ära anreichern. Das macht Laune und verleitet die anwesenden Fans zu ersten euphorischen Jubelaktionen.
Raygun Rebells:
Die Raygun Rebells sind sozusagen die Lokalmatadoren des Tages und mit ihrem klassischen Rock n‘ Roll/Hard Rock-Sound liefern die Herren reichlich Party-Potenzial, das die Besucher nach und nach aus der Reserve lockt. Dass die Musiker und speziell der Frontmann den Habitus des (mehr oder weniger) verlebten Rockstars mit Leib und Seele verkörpert, passt dementsprechend gut ins Gesamtbild. Gleiches gilt für die Bewegungsfreude die der Mann an den Tag legt, springt er doch agil und spritzig über die Bühne, oder geht bereits zum ersten Song in den Graben vor der Bühne auf Tuchfühlung mit den Fans. Mit der ein- oder anderen humorvollen Ansage sorgen die Musiker auch für manchen Lacher. Ebenso amüsant ist die kleine Showeinlage, bei der der Sänger die Bühnenträger hochklettert (was angesichts der wenig überdimensionierten Stage kein allzu großes Spektakel ist, aber dennoch witzig anzusehen ist).
Slaughterday:
Die Zeitverschiebung des Vortags hält auch heute an und so starten Slaughterday nach ihrem Soundcheck mit fünfzehn Minuten Verzögerung in ihr Set. Dieser Umstand fällt aber kaum ins Gewicht denn mit dem ersten Song zaubern die Herren den Fans ein kollektives Grinsen ins Gesicht. Death Metal der alten Schule geht schließlich immer und wenn dann auch noch der Sound stimmt und die Gitarren ebenso schnittig braten, wie die Drums druckvoll knattern, dann steht einem kollektiven Freudenfest kaum etwas im Weg. Dass die Musiker derweil gut gelaunt ihre Songs von der Bühne pfeffern, sorgt für extra Sympathiepunkte. Musikalisch changiert das Material zwischen doomig angehauchter Schwere („Expulsed from Decay“), die ebenso Raum für melodische Leads lässt, wie sie in manch anderem ‘tödlichen Rock n‘ Roll‘-Stück (O-Ton des Sängers), vorkommt und klassischem Todesblei-Gerödel wie dem Repulsion-Tribute-Song „Terrified“. In diesem griffig-stumpfen ‘alte Schule-Death Metal-Stil‘ geht’s munter weiter und die Zeit vergeht wie im Flug, sodass sich die vierzig Minuten Spielzeit eher wie die Hälfte anfühlen. So muss das sein.
Dödsrit:
Mit zwanzig Minuten Verspätung steigen Dödsrit schließlich furios in ihr Set ein und liefern eine feurige Mischung aus Crust Punk, Black Metal und jener Dreifachgitarren-Melodiewand, die Iron Maiden einst kultiviert haben. Ohne optische Schnörkel brüllen die beiden Gitarristen derweil voller Inbrunst ihren Sound zwischen Aggression und Verzweiflung von der Bühne und beweisen damit einmal mehr, dass Black Metal doch ans Herz gehen kann. Die Show verwandelt sich mit jedem gespielten Song mehr und mehr in eine emotionale Achterbahnfahrt, die von von der Liebe zu klassischem Heavy Metal bis hin zur völligen Verausgabung der Musiker ein interessantes Spektrum abdeckt und damit einem lodernden Musikfeuer gleichkommt, dass heute in jeder Note von der Bühne fackelt. Aktivposten der Show sind ohne Zweifel die beiden Schreihälse, die ihre Musik mit jeder Faser ihres Körpers leben, anstatt Kitsch oder eitel Tand zu reproduzieren. Damit spielt sich die Band mehr und mehr in einen Rausch, der auch bei Sonnenschein bestes Heavy Metal/Crust Punk-Feuer bietet. Ganz stark!
The Vision Bleak:
Es leert sich merklich, denn mit The Vision Bleak steht ein krasses Kontrastprogramm auf dem Zettel. Weg von metallischer Raserei, hin zu bedachtem Gothic Drama zwischen Gruft und Kitsch. Weiß geschminkte Gesichter, Totenschädel-Zierde und eine Live-Geigerin lassen derweil Potenzial für düstere Stimmung erkennen und auch der Metal-Anteil kommt heute nicht zu kurz, denn die Gitarren dominieren das Geschehen auf der Bühne doch merklich. Allerdings kann die Band die zuvor hochkochende Energie kaum halten und das Feld vor der Bühne dünnt sich doch merklich aus. Das langsam schwindende Tageslicht spielt den Musikern derweil in die Karten, unterstreicht es doch den nebulösen Friedhof-Charme der Musik. Dass die Band ihre anfangs verlorene Spielzeit komplett reinspielen darf, ist also ebenso gerechtfertigt, wie der Applaus am Ende doch passabel ausfällt.
Crypta:
Mittlerweile hinkt der zeitliche Ablauf des Spielplans um eine Dreiviertelstunde hinterher. Dass sich die Brasilianerinnen von Crypta dann auch noch eine gefühlte Ewigkeit Zeit lassen für ihren Soundcheck, hebt die Laune auch nicht wirklich. Umso schöner ist der Umstand, dass die Damen kaum große Reden schwingen und stattdessen ihre Musik sprechen lassen. Und die kann sich hören lassen. Für ein bisschen Death Metal mit Thrash-Schlagseite ist schließlich immer Zeit. Dabei knüppeln die Damen herrlich derbe drauflos, lassen aber auch mal Raum für manch technikaffines Instrumentalspielchen. Dementsprechend halten sich Technik und Stumpfheit die Waage in den knüppelnden Kompositionen. Einziger Nachteil dabei ist, dass die Snare derart penetrant blechern aus den Boxen knallt, dass es den Gesamtsound an mancher Stelle doch etwas trübt, besonders, wenn das eine oder andere (eigentlich ganz passable) Gitarrensolo vom Schlagzeug begraben wird. Das giftige Keifen von Frontfrau Fernanda Lira sorgt allerdings für eine aufgekratzte Stimmung, die sich auch in der Mimik der Sängerin gut widerspiegelt, während ihre Mitmusikerinnen überwiegend stoisch und mit handwerklicher Präzision ihren Job erledigen, ist die Frontfrau somit der Mittelpunkt des Geschehens. Dank des schwindenden Tageslichts kommen auch die Lichtshow und so manche Pyroeinlage bestens zur Geltung, was den Gig unterm Strich doch recht gelungen macht.
1914:
Mit fünfzig Minuten Verzögerung stehen im Anschluss die Ukrainer von 1914 auf dem Plan. Dass der Gig dabei, trotz (oder gerade wegen) dem thematischen Schwerpunkt der Band (WK1) von Anfang an zu einer Propagandaveranstaltung für die Ukraine und gegen Russland wird, trübt den Eindruck einer Musikveranstaltung dann allerdings erheblich. Aktionen wie das Abändern der ersten Songzeile des Konzerts von „…these Bastards will die…“ zu „…and Putin will die…“ zeugen von offensivem Hass und propagandistischem Schwarz/Weiß-Denken, das im Kontext einer Musikveranstaltung (auch als vermeintlich betroffene Partei) nichts zu suchen hat. Denn Musik soll doch angeblich immer verbinden, anstatt zu spalten. Gleiches gilt für die offensiven Aufrufe seitens der Band die Ukraine mit allen Mitteln zu unterstützen, weil sonst bald ganz Europa von ‘diesen (russischen) Bastarden‘ besetzt würde. (Anm.: Angesichts dieser offenbar so dramatischen Kriegslage in ihrer Heimat ist es doch verwunderlich, dass die Musiker überhaupt ausreisen dürfen, sollten sie als echte Patrioten nicht selbst ihr Land verteidigen…?) Musikalisch hat der dramatisch aufgeladenen Black/Death-Metal durchaus seinen Reiz, allerdings wirkt der Sound (vielleicht auch im Zusammenspiel mit der eintönigen Lightshow) heute zunehmend monoton, sodass der Eindruck entsteht, die musikalische Stimmung wird mit jedem Song schleppender und träger. Dass das ein Gros der Besucher allerdings anders sieht, beweist der anhaltende Applaus zwischen den Songs und am Ende der Show. (Inwieweit das vom Verständnis von Völkerverständigung, Toleranz oder gar Geopolitik zeugt, steht auf einem anderen Blatt.)
Tsjuder:
Als letzte Band des Tages setzen die Norweger Tsjuder derweil auf rabiates Black Metal-Geballer und starten ohne Umschweife mit dem plakativ betitelten Sperrfeuer „Sodomizing the Lamb (The King’s Conquering)“ in ihr Set. Die Geschwindigkeit bleibt dabei konstant hoch und die Atmosphäre wirkt durchweg gehässig. Titel wie „Kill for Satan“ präsentieren aber auch eine gehörige Portion Rock n‘ Roll-Groove und sprechen in Sachen Lyrik eine deutlich plakative Sprache. Aber Black Metal und Satan gehören nun mal zusammen wie Festivals und Bier, sodass auch eine, beinahe zum wandelnden Klischee gewordene Band wie Tsjuder für Laune sorgt. Manch gezügelter Groove-Moment zündet dann sogar unvermittelt schnell, wobei sich „Antiliv“ als stärkster Moment des Sets herausstellt. Denn hier wird’s regelrecht rock n‘ rollig, sodass die stets vorhandene Portion Dreck im Sound der Norweger deutlicher zutage tritt und damit auch das finstere Partypotenzial der Musik stärker in den Vordergrund rückt. Das übrige Material wirkt allerdings in vielen Momenten allzu homogen (mancher könnte auch gleichförmig dazu sagen), sodass die Spannungskurve doch etwas abflacht. Das Bathory-Cover „Women Of Dark Desires“ wird derweil noch räudiger als das Original von der Bühne gemetzelt, ehe „Chaos“ seinem Namen entsprechend brachial den Festival-Sack zumacht.
6. Gaerea Technikum München 13.06.2026
Die Black Metal-Grenzsprenger Gaerea sind mit ihrem aktuellen Werk „Loss“ auf Tour und machen dabei im Münchner Technikum Halt. Auf die halbgar angekündigte Vorband Hrast verzichten die Portugiesen heute, was im Vorfeld kaum kommuniziert wird und so für dezenten Missmut vor Konzertbeginn sorgt. Dass der Hauptact auch noch dreißig Minuten zu spät die Bühne entert, hebt die Laune erstmal auch nicht zwingend. Dafür gefällt die Optik der Bühne (das zweigeteilte Band-Siegel prangt als leuchtender Aufsteller zu beiden Seiten), ebenso wie die Masken-Show der Musiker immer noch ihren Reiz hat. Dabei fällt bereits nach dem reduzierten „Nomad“-Intro, bzw. zum eröffnenden „Phoenix“ auf, dass Gaerea in gewisser Weise Konsens-Potenzial haben. Denn von jung bis alt ist an diesem Abend alles vertreten und auch das Gebaren der Crowd pendelt zwischen Moshpit und andächtigem Lauschen. Da der Sound anfangs etwas leise ist und der Bass sehr dominant aus der Anlage donnert, gehen die vielen Melodien von Stücken wie besagtem „Nomad“ oder „„Phoenix“ leider etwas unter, was aber der Stimmung insgesamt keinen Abbruch tut. Denn gerade erstgenanntes Stück wird zu einem emotionalen Höhepunkt der Show, liefert der Frontmann doch eine ekstatische Darbietung zwischen Ausdruckstanz und verzweifelter Hingabe, die unter die Haut geht. Dass der Sound den ganzen Abend über nicht perfekt wird, trübt die Qualität der Show zum Glück nur marginal. Denn Titel wie „Luminary“ schallen lautstark aus dem Publikum wider, während sich die Band in einen Rausch aus Licht und Musik spielt, dessen eskapistische Wirkung vollends auf die Menge überschwappt. Dem Finale „Stardust“ geht eine emotionale Ansage über Verlust und Schmerz voraus und auch wenn die Pianoklänge aus der Konserve kommen, vermittelt das Stück die ekstatische Melancholie, die Gaereas Musik aktuell ausmacht sehr nahbar. Damit bleibt am Ende ein starker Gig, der allerdings aufgrund der geringen Spielzeit von lediglich fünfundsiebzig Minuten und der kompletten Abstinenz einer im Vorfeld schwammig angekündigten Vorband doch irgendwie ein klein wenig frech erscheint.
Dominik Maier